Schutz für Reinhardswald gefordert

Experten: Windräder würden mittelalterliche Landschaft zerstören

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Dieser an einem Waldweg durchschnittene Hoch- oder Wölbacker bei der Dorfwüstung Wichmanessen zeigt die typische Wölbung des mittelalterlichen Ackers. Roland Henne (links, mit Egon Haake) hat sie in 20 Jahren alle kartiert.

Trendelburg / Hofgeismar. Damit im Reinhardswald keine Windräder und Salzbecken entstehen können, will der Landkreis Kassel ihn besonders schützen lassen.

Die Denkmalpflege im Landkreis Kassel sieht durch die aktuellen Planungen für Windkraftanlagen und eine Salzpipeline sowie ein Salzspeicherbecken eine Gefahr für ein deutschlandweit einmaliges archäologisches Denkmal.

Der Denkmalbeirat des Kreises hat deshalb bei der Landesdenkmalpflege beantragt, dass der nördliche Reinhardswald als „flächenhaftes Kultur- und Bodendenkmal“ unter Schutz gestellt wird.

Die Fläche zwischen der Landesstraße 763 (Gieselwerder-Gottsbüren-Holzapetal) im Süden und der Sieburg bei Bad Karlshafen im Norden macht etwa ein Sechstel der Gesamtfläche des Reinhardswaldes aus. Der Denkmalbeirat bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Kassel hat in seiner Herbstsitzung einstimmig beschlossen, die Unterschutzstellung in Wiesbaden zu beantragen.

Unter dem seit etwa 700 Jahren unveränderten Wald hat sich in diesem Bereich eine in dieser Form und Größe einzigartige mittelalterliche Siedlungs- und Kulturlandschaft mit umfangreichen Hochäckerfluren und mit verlassenen Dorf- und Siedlungsplätzen erhalten. Sie ist nach Auffassung des Bezirksarchäologen Dr. Klaus Sippel (Marburg) und des Archäologie-Professors Dr. Hans-Georg Stephan (Göttingen/Halle) in ihrem Umfang und der guten Erhaltung in Deutschland einmalig. Hinzu kommen etwa 100 Hügelgräber der Bronzezeit (aus der Zeit der ägyptischen Pyramiden) sowie Relikte des mittelalterlichen Bergbaus und Glashüttenwesens sowie die noch unerforschte große Befestigungsanlage der Sieburg.

Da die Bodendenkmäler fast ausschließlich im Staatswald liegen, so sagt der Denkmalbeiratsvorsitzende Hans-Dieter Baller (Ahnatal), wurde ein besonderer Schutzstatus bisher nicht für nötig gehalten. Wegen der Pläne, Industrieanlagen im Reinhardswald zuzulassen, sei das nun anders.

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