Kritik aus Calden: "Zelte sind menschenunwürdig"

Aufbau der Zelte für Flüchtlinge am alten Flughafen Calden. Foto: Pflug

Calden. Die Einwohner Caldens sind bereit, Flüchtlinge freundlich zu empfangen und ihnen zu helfen. Sie sind aber auch sehr unzufrieden mit dem Vorgehen des Landes Hessen.

Die Unterbringung von Flüchtlingen in Zelten sei menschenunwürdig, zudem habe das Land zu spät auf den Notstand reagiert. Das war der Tenor bei einem öffentlichen Treffen im Caldener Rathaus.

Regierungspräsident Walter Lübcke war kurzfristig in das Gemeindeparlament gekommen, nachdem bekannt wurde, dass auf dem alten Flugplatz eine Zeltstadt für 1000 Flüchtlinge entstehen soll. Lübcke appellierte an die 50 Caldener: „Ich will, dass die Flüchtlinge gut behandelt werden und brauche Sie an meiner Seite.“

Darauf gab es Zustimmung, aber auch Kritik. Am deutlichsten formulierte es die junge Caldenerin Sarah Humburg: „Es ist erschreckend, dass in so kurzer Zeit Erstaufnahmelager geschaffen werden müssen. Wir müssen die Flüchtlinge auf eine menschenwürdige Weise aufnehmen - Zelte werden das nicht sein.“ Zudem sei der Anstieg der Flüchtlinge kein Problem, das allein in der vergangenen Woche aufgetreten sei.

Auch Bürgermeister Maik Mackewitz, der bisher keine Kritik geäußert hatte, betonte, dass es ja kein Erdbeben war, das plötzlich für neue Flüchtlinge sorgte: „Ich würde dem Land die Empfehlung geben, jetzt für 10.000 Flüchtlinge etwas in Hessen zu bauen.“

Vorzeitig das Treffen verließ der Stadtverordnete Joachim Helmke (parteilos). „Der Grund hierfür liegt darin, dass ich die Darstellung nur schwer ertragen kann, unser Landesvater Bouffier tue alles für das Wohl der ankommenden Flüchtlinge.“ Denn die Unterbringung von Flüchtlingen in einer Zeltstadt auf dem Flugfeld eines nur halb ausrangierten Flugplatzes sei der Bundesrepublik nicht würdig.

Unterdessen haben am Freitag die Aufbauarbeiten auf dem Flugplatz begonnen.

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