Freilicht-Waldschule Zwergen

Waldschule in Betrieb: Das Aufnahmedatum der beiden Fotos ist unbekannt.

Projekttage für Schüler in der freien Natur waren noch Zukunftsmusik, da gab es in Zwergen schon eine ständige Einrichtung dieser Art: Die Freilicht-Waldschule auf dem Kerberg. Paul Setz, von 1933 bis 1949 Rektor in Zwergen, hatte die Idee dazu.

Er setzte sie mit Hilfe seiner Schüler vom Anlegen eines Weges über die Vorbereitung des Geländes bis zum Bau der Tische und Bänke eigenhändig um. Ab 1935 bis zu der Versetzung des Lehrers nach Marburg fand, wann immer das Wetter es zuließ, in Zwergen der Unterricht im Freien statt. Der Pädagoge erhielt 1957 dafür das Bundesverdienstkreuz als „Vorkämpfer für die Freilufterziehung“. Tische und Bänke der Waldschule sind längst verschwunden und auch der Weg dorthin ist nur noch ein Trampelpfad. Richard Winter aus Zwergen würde gerne an diese „einzigartige Schule“ erinnern und regte schon vor vier Jahren im Ortsbeirat deren Rekonstruktion an. Die Diskussion über das Anliegen des Gastronoms im Ruhestand wurde mit Blick auf die angemeldete Dorferneuerung im Liebenauer Stadtteil verschoben. „Ich möchte nicht, dass es in Vergessenheit gerät“, erklärt Winter (69), der die Fotos zur Verfügung stellte.

Die Waldschule sei nicht nur für die Zwerger Bürger von großer Bedeutung. Die Wiedererrichtung könne unter anderem für Schulklassen interessant (Unterricht wie zu Zeiten der Großeltern) und für den regionalen Tourismus von Nutzen sein.

Erika Kressmann (Zwergen) war von 1936 bis 1944 Schülerin bei Setz. „Dieser Lehrer war ein Glück für uns Kinder“, sagt die heute 80-Jährige. Er habe seinen Schülern nicht nur die Liebe zur Natur, sondern auch ideelle Werte vermittelt, erinnert sich die Seniorin. Sie hat auch nach 1949 Kontakt zu dem verheirateten, kinderlosen Setz gehalten und seine Briefe aufbewahrt. Der letzte stammt aus dem Jahr 1967, kurz vor seinem Tod. Die Seniorin befürwortet eine Rekonstruktion der Waldschule. Wie auch 95 Prozent der Zwerger Bürger, wie Winter sagt. Er hat die Listen einer Befragung aus dem Jahr 2006 aufbewahrt.

Die Freilicht-Waldschule habe ein Erinnern und der Lehrer ein Denkmal verdient, meint der Rentner. Setz sei es gelungen, neue Wege zu beschreiten und Schüler zu körperlicher Arbeit zu motivieren, in einer Zeit als jedes Kind zuhause kräftig mithelfen musste.

Falls sein Vorschlag jemals in die Tat umgesetzt werden sollte, will Winter sich einbringen - mit aller Muskelkraft, wie er verspricht. (ziv)

Foto/Repros:  Vossen

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