Das historische Foto

Gasthaus in Fürstenwald: Feiern beim Tollen Schorsche

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Zu Gast beim Tollen Schorsche: In der Nachkriegszeit war das Gasthaus „Zum Bahnhof“ immer gut besucht. Im Bild sind Martin Ledderhose, Gastwirt Georg Tolle und Bruno Gaksch (von links) zu sehen.

Gut 40 Jahre ist es nun her, dass die Gaststätte „Zum Bahnhof“ in Fürstenwald geschlossen hat. Heute sind in dem Gebäude im Ehrster Weg Wohnungen untergebracht. Die Geschichte dahinter.

Als Gasthaus und Pension wurde das stattliche Haus 1906 von Ludwig Tolle gebaut. Im Januar 1936 übernahmen Sohn Georg Tolle und seine Frau Sophie das Wirtshaus von dem damaligen Pächter namens Nienstedt. Ende des Krieges musste das Gebäude als Verpflegungsstelle der amerikanischen Soldaten herhalten, es wurde besetzt. Laut Helga Pape, Tochter des Gastwirtes Georg Tolle, soll zu dieser Zeit auch eine Polin in der dortigen Küche gearbeitet haben. Diese sei aus dem Russenlager am Koppenstein von den Besatzern zur Arbeit dorthin beordert worden.

Während der Besatzungszeit musste die Hausherrin Sophie Tolle mit vier kleinen Kindern auf dem Dachboden wohnen. Ihr Mann Georg war zu dieser Zeit in einem Lazarettkrankenhaus der Amerikaner. Da der Boden nicht isoliert war, muss es dort bitterkalt gewesen sein, weshalb man schließlich zu den Großeltern ins Dorf zog.

Im Sommer 1945 konnte die Familie wieder ihr Haus beziehen, welches aber gründlich renoviert werden musste. Ein Jahr später kehrte auch Georg Tolle krank aus dem Krieg heim.

Bis Ende der 70er Jahre gab es in Fürstenwald das Gasthaus "Zum Bahnhof" - heute ist es ein Wohnhaus.

Groß gefeiert wurde 1956 das 50-jährige Bestehen des Hauses, wozu auch die Brauereibesitzer, die Gebrüder Kropf geladen waren. Das Gasthaus war vor allem ein Ausflugslokal, weil es am Bahnhof lag und eine gute Verkehrsanbindung für Wanderer hatte. So florierte auch die Vermietung von Gästezimmern bis kurz vor der Schließung.

Legendäre Sprüche

Bis 1972 war das Gasthaus auch das Vereinslokal des Gesangvereins Fürstenwald, der aber mit der Eröffnung des Bürgerhauses fortan dort seine Übungsstunden abhielt. 1976 haben Georg und Sophie Tolle aus Altersgründen ihre Gaststätte geschlossen, Nachfolger gab es keine.

Der Wirt war vielen als der „Tolle Schorsche“ bekannt. Auch seine Sprüche sollen legendär gewesen sein und in etwa so geklungen haben: „Hast Du einen Zug verpasst, so halte hier ein wenig Rast.“

Oder: „Trinke manches Gläschen aus, fahr dann mit dem letzten Zug nach Haus.“  

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