Gesundes Raumklima in Corona-Zeiten

Schüler achten auf Lüftungsregeln

Lüft-Ritual: Vier Kinder waren in der Klasse 2a der Karlshafener Sieburgschule gestern für den Lüftungsdienst zuständig. Ben Robrecht, Smilla Haneke und Sina Ali öffnen gleichzeitig Fenster und Balkontür, Maila Rennert misst die drei Minuten mit der Sanduhr ab. Manchmal lässt Klassenlehrerin Anna-Lena Wickert dazu Musik laufen.
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Lüft-Ritual: Vier Kinder waren in der Klasse 2a der Karlshafener Sieburgschule gestern für den Lüftungsdienst zuständig. Ben Robrecht, Smilla Haneke und Sina Ali öffnen gleichzeitig Fenster und Balkontür, Maila Rennert misst die drei Minuten mit der Sanduhr ab. Manchmal lässt Klassenlehrerin Anna-Lena Wickert dazu Musik laufen.

Regelmäßiges Lüften bringt mehr als Luftreinigungsanlagen, sagt das Robert-Koch-Institut. Im Kreisteil Hofgeismar haben die Schulen mit dem Lüften kein Problem. Die Fenster sind hier zu öffnen.

Kreisteil Hofgeismar – Die Debatte im Immenhäuser Stadtparlament war leidenschaftlich. Es ging, wie berichtet, um die Anschaffung von Luftreinigungsanlagen in Kindergärten und damit um die Gesundheit der Kinder in Corona-Zeiten. Doch ob diese mobilen Geräte tatsächlich das Infektionsrisiko mindern, ist strittig.

Das Umweltbundesamt hat sich mit dem Thema mobile Luftreinigung in Klassenzimmern ausgiebig befasst. Fazit: Nur in Ausnahmefällen sei ein Einsatz gerechtfertigt, generell stehe man den Geräten kritisch gegenüber. Selbst wenn sie die Virenlast in der Luft reduzieren, so können sie im nahen Kontakt (unter 1,5 Meter) eine Übertragung laut Robert-Koch-Institut (RKI) nicht verhindern.

Wenn die Geräte gut sind (sie müssen pro Stunde die Raumluft sechsmal filtern), können sie aber eine sinnvolle Ergänzung sein. Mit dem Kauf allein ist es aber nicht getan. Das Gerät muss gewartet und die Filter regelmäßig gewechselt werden. Und: Die von den Geräten ausgehende Lautstärke darf natürlich den Unterricht nicht stören.

„Ein gutes Gerätes kostet um die 2500 Euro“, sagt der Schulleiter der Marie-Durand-Schule in Bad Karlshafen, Driton Mazrekaj. Das Thema war aufgekommen, weil Eltern den Wunsch nach einem Luftreiniger äußerten.

Beim Kreis kennt man die Situation und erlaubt inzwischen den Schulen, die Geräte aufzustellen. Für Kauf, Betrieb, Wartung und Instandhaltung seien aber die Schulen verantwortlich, sagt Kreispressesprecher Harald Kühlborn. Den Stromverbrauch übernehme natürlich der Kreis. Die Kosten für den Kauf aber könne der Landkreis nicht tragen. „Wir haben etwa 4000 Klassenräume“, macht er die Dimension deutlich. Bei einem Einzelpreis von 2500 Euro wäre das eine Investition von zehn Millionen Euro. Das ist übrigens genau der Betrag, den Wiesbaden landesweit für den Kauf von Lufrreinigern zur Verfügung stellt.

Wichtiger und wirkungsvoller als die mobilen Geräte, da sind sich die meisten Fachleute einig, sei ohnehin ein vernünftiges Lüften. Und die Fenster in nahezu allen Klassenräumen im Kreis sind zu öffnen, unterstreicht Kühlborn. Die Ausnahme betreffen laut Kühlborn nur einige Fachräume - aber diese würden über ein gutes Lüftungssystem verfügen.

Auf Lüften setzen denn auch die Schulen im gesamten Kreisgebiet. „Wir haben jetzt auch einen Lüftungsdienst“, sagt beispielsweise Astrid Kleine-Denk von der Sieburg-Schule in Bad Karlshafen.

Wie beim Tafeldienst achten die Kinder wechselweise darauf, dass in vorgegebenen Zeitintervallen die Fenster geöffnet werden. Die Schulleiterin: „Das klappt hervorragend, die Kinder nehmen die Aufgabe sehr ernst.“

Ähnlich ist es an anderen Schulen, wie beispielsweise Martina Boye-Griesel, Schulleiterin der Heinrich-Grupe-Schule in Grebenstein, bestätigt. Nach dem Lüften ist gute Luft mit genügend Sauerstoff in den Klassenräumen vorhanden. Forderungen von Elternseite nach Raumlüftern gebe es folglich auch nur vereinzelt, wie Kleine-Denk und Boye-Griesel sagen.

Auch in vielen Kindergärten, wo der 15-Meter-Abstand altersbedingt ohnehin kaum einzuhalten ist, ist es ähnlich. Man beobachte, was Fachleute über Raumlüfter sagen, beschreibt Caldens Bürgermeister Maik Mackewitz die Situation. Acht Gruppen hat der gemeindliche Kindergarten, Raumlüfter seien bislang nicht das große Thema gewesen, sagt er. „Wenn die wirklich etwas bringen, dann wird es bei uns am Geld nicht scheitern“, macht er klar. Aber auch er verweist auf den derzeitigen Kenntnisstand des RKI. Bloßen Aktionismus werde die Gemeinde nicht an den Tag legen.

(Michael Rieß)

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