Veranstaltung der BI Pro Reinhardswald

Front gegen Windkraftanlagen

Gottsbüren. Die einen nennen sie Windmühlen oder Windräder. Für andere sind es Windenergieanlagen. Und wieder andere bezeichnen die großen Spargel als „neuartige Windindustrieanlagen“. Die Bezeichnungen sagen etwas darüber aus, wie unterschiedlich die Langmasten gesehen werden.

Die Wertungsskala reicht von harmlos über neutral bis "Teufelszeug". Als Letzteres sehen jedenfalls die meisten Gottsbürener die neuen Windkraftanlagen, wie wir sie an dieser Stelle nennen wollen.

Hoch wie Industrieschornsteine sind die Anlagen neuen Typs in der Tat. Bis zu 200 Meter könnten einige dieser Türme schon bald in den Himmel über Gottsbüren ragen. Doch das wird von vielen Menschen in der Reinhardswald-Region strikt abgelehnt.

Deutlich wurde diese Haltung am Montagabend in der Reinhardswaldhalle, wo sich mehr als 200 Menschen auf Einladung der Bürgerinititative Pro Reinhardswald versammelt hatten.

Es war bereits die dritte große Diskussionsveranstaltung zur Windkraft im Reinhardswald. Erstmals hatten hier auch die Bürger ausreichend Gelegenheit, sich zu Wort zu melden und Fragen zu stellen.Das Gelingen der dreistündigen Veranstaltung lag auch an der Diskussionsleitung von Pfarrer Jürgen Schiller und Ann-Kathrin Blankenberg von der Bürgerinitiative.

Neben den Bürgern, die gleichermaßen sachlich wie sachkundig ihre Bedenken gegen die Installation der Windkraftanlagen vortrugen, sorgten auch Fachleute auf dem Podium, die Windkraft im Wald kritisch gegenübertreten, für eine breite Ablehnungsfront. Diese, das zeigte sich am Montagabend, scheint sich im Reinhardswald zu manifestieren. 

Die im Entwurf des Regionalplanes ausgewiesenen Windvorrangflächen überlappen oft mit Bodendenkmalen. Das erläuterte Jürgen Lipps von der Arbeitsgruppe Heimatgeschichte. So liegen an vielen Stellen, wo Windkraftanlagen aufgestellt werden könnten, Wölbäcker, Hutesteine, Hügelgräber und Wüstungen. „Viele dieser bis zu 4000 Jahre alten Bodendenkmale werden unwiederbringlich zerstört, wenn dort Windkraftanlagen entstehen“, sagte Lipps.

An vielen Stellen gestört, wenn nicht gar zerstört, werden durch solche Anlagen im Wald die Lebensräume bedrohter Arten. Dr. Jochen Tamm von der Hessischen Gesellschaft für Ornothologie und Naturschutz (HGON) verwies auf die Bedrohung von Libellenarten, Schwarzstorch, Uhu, Zugvögeln und vor allem des Rotmilans. Letzterer habe die größte Sterblichkeit unter den heimischen Vogelarten, weil er zum Jagen genau in der Höhe kreist, in der sich die Rotoren bewegen und die Vögel allzu oft zerschmettern.

Von Gerd Henke

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