Preis schon gesunken

Angst vor der Schweinepest: Das sagen Schweinehalter im Kreis Kassel

Blick in einen Stall: 200 Betriebe im Landkreis Kassel mästen Schweine. 66 Landwirte halten hier Ferkel. Sie sind von den Folgen der Schweinepest betroffen. Die Preise für Schweine sind schon deutlich gesunken.
+
Blick in einen Stall: 200 Betriebe im Landkreis Kassel mästen Schweine. 66 Landwirte halten hier Ferkel. Sie sind von den Folgen der Schweinepest betroffen. Die Preise für Schweine sind schon deutlich gesunken.

Das Vordringen der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland macht sich bei den Schweinehaltern im Kreis Kassel bemerkbar. Das hat starke Auswirkungen auf die Preise.

Kreisteil Hofgeismar - Der Preis für Schweinefleisch ist in der vergangenen Woche schon deutlich gefallen, sagt der Landwirt Jörg Kramm. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Kurhessen und mästet selbst auch Schweine in seinem Betrieb in Grebenstein.

Obwohl zwischen dem Spree-Neiße-Kreis, wo das erste infizierte tote Wildschwein gefunden wurde, und dem Landkreis Kassel rund 315 Kilometer Luftlinie liegen, spüren die Landwirte in unserer Region die Auswirkungen deutlich. Infolge der Coronakrise war der Fleischpreis „schon auf einem schlechten Niveau“, erläutert Kramm. Allein in den ersten Tagen nach Bekanntwerden des Seuchenfalls sei der Preis weiter um zehn Prozent gefallen. Und Kramm geht davon aus, dass der Erlös für die Schlachtschweine weiter sinkt.

10 Prozent der gemästeten Tiere werden nicht abgenommen

Dazu komme das Problem, „dass wir Tiere vor uns herschieben“. Wegen der gesunkenen Nachfrage würden etwa zehn Prozent der gemästeten Tiere nicht abgenommen. Bei der durchgetakteten Mast könne es deshalb schnell zu eng werden in den Ställen, erklärt der Landwirt.

Jörg Kramm

Probleme haben nicht nur die Mäster, sondern auch die Kollegen, die Ferkel produzieren. Mäster könnten aber eine Pause machen und weniger Tiere füttern, um die Situation zumindest platzmäßig zu entlasten. „Ein Ferkelerzeuger verbrennt Geld“, beschreibt Kramm deren Lage. Sie könnten keine Pause machen. Käme es ganz schlimm, würden sie diesen Produktionszweig aufgeben. Viele hätten die Sauenhaltung schon eingestellt.

66 Betriebe mit 2333 Sauen gebe es derzeit noch im Kreis Kassel. Etwa 200 Landwirte im Kreis mästeten Schweine, die Hälfte davon im Nebenerwerb, erläutert Kramm. Insgesamt gebe es im Kreis fast 47.000 Mastschweine. „Im Augenblick verdient keiner in der Schweinemast Geld“, sagt Jörg Kramm. Noch profitierten die Mäster davon, dass sie im Winter gute Fleischpreise erzielt haben. Schwierig werde es aber für die Betriebe, wenn der Preisverfall und die geringere Abnahme länger anhielten.

Jäger sollen Wildschweinjagd weiter forcieren

Die Betriebe haben sich schon länger auf das Problem eingestellt. Denn vor drei Jahren wurde die Krankheit in Nachbarländern festgestellt. Um Infektionen zu vermeiden, ließen viele Landwirte keine fremden Besucher mehr in ihre Ställe. Sie achteten darauf, dass neue Tiere von anderen getrennt werden. Außerdem würden die Ställe eingezäunt. Er selbst habe gerade Zäune bestellt, sagt Kramm – ein erheblicher Aufwand, den die Schweinehalter betreiben, um Wildschweine fernzuhalten.

Der Regionalbauernverband appelliert an die Jäger, die Bejagung der Wildschweine weiter zu forcieren. Das Forstamt Reinhardshagen trage dem schon Rechnung, sagt Leiter Dr. Markus Ziegeler. Im vergangenen Jagdjahr seien 635 Wildschweine geschossen worden, doppelt so viele wie im Jahr zuvor. „In diesem Jagdjahr wollen wir das Ergebnis noch toppen“, kündigte Ziegeler an. (Bernd Schünemann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.