Polizeimedaille für Grebensteiner

Bankmitarbeiter verhindert Enkeltrick: Betrüger forderten 30.000 Euro

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Gespräch vor der Auszahlung: Als ein Senior 30 000 Euro von seinem Sparbuch abheben wollte, hier eine nachgestellte Szene, wurde Michael Wiegand skeptisch. Weil er schnell erkannte und verhinderte, dass Betrüger den Rentner überlisteten, wurde er am Montag mit der Polizeimedaille ausgezeichnet. 

Michael Wiegand hat im November 2019 verhindert, dass ein Espenauer Senior auf den Enkeltrick hereinfiel. Dafür wurde er jetzt ausgezeichnet.

Am Montag ist er für sein umsichtiges Handeln mit der Kasseler Polizeimedaille ausgezeichnet worden.

Michael Wiegand (49) ist schon lange im Kundengeschäft der Sparkasse. Erst in Borken, jetzt als Hauptstellenleiter in Grebenstein. Dass er einmal mit dem Enkeltrick konfrontiert werden würde, hätte er nie erwartet. „Ich dachte, die Masche zieht vor allem in den großen Städten.“

Betrüger hatten ein Taxi für den Senior bestellt

Am 14. November vergangenen Jahres war es anders. In seinem Beratungsraum in der Grebensteiner Sparkasse tauchte ein knapp 80-jähriger Kunde aus Espenau auf. Er wolle 30.000 Euro abheben, sagte er. Bei Wiegand schrillten die Alarmglocken. Dass in Zeiten von Online-Banking und Kreditkarten so hohe Beträge bar abgehoben werden, ist selten. Der Bedarf ist nicht vorhanden – weshalb auch die Geldautomaten im Regelfall ein Ausgabe-Limit von 1000 Euro haben.

Wiegand jedenfalls reagierte skeptisch. Eine Taxifahrerin, die den Senior von Espenau nach Grebenstein brachte, teilte die Skepsis. Bevor Wiegand das Geld aushändigte, unterhielt er sich deshalb ausführlich mit dem Kunden. Der Senior stand unter Anspannung und es ist wohl der Menschenkenntnis von Wiegand zu verdanken, dass es zum Gespräch kam.

Dabei erzählte der Kunde, dass ihn eine Bekannte angerufen und geschildert habe, dass sie in finanzieller Notlage sei. Sie benötige dringend Geld. Ob er die Stimme der Bekannten erkannt habe, wollte Wiegand wissen. Und der Senior bejahte. Sogar ein Taxi sei für ihn bestellt worden, damit er nach Grebenstein kommt. „Die Betrüger waren da sehr geschickt“, erzählt Wiegand. Sie hätten dem Senior gesagt, dass die Espenauer Filiale keine 30 000 Euro in bar vorrätig hätte und er deshalb zur Hauptstelle nach Grebenstein fahren müsse.

Das ist natürlich Nonsens, doch es sorgt zum einen für zusätzliche Aufregung beim Opfer und zum anderen dafür, dass er nicht zu dem ihm vertrauten Sparkassenmitarbeiter geht. Doch auch zu Wiegand fand der Senior letztlich Vertrauen. Zusammen beschlossen die beiden schließlich, die Polizei zu informieren. Auch eine gestellte Geldübergabe sollte stattfinden.

Polizei versuchte Täter zu stellen

„Wir haben den Mann mit Kuverts ausgestattet, das Papier statt Papiergeld enthielt“, erinnert sich der Marketingleiter der Sparkasse, Klaus-Peter Vogt. So ausgestattet, wartete der Senior vor dem Sparkassengebäude auf die geplante Geldübergabe. Die Polizei war inzwischen in zivil vor Ort, um bei der Übergabe zuzuschlagen.

Doch dazu kam es nicht. Die angekündigte Kontaktperson kam nicht. Die Täter hatten vermutlich Lunte gerochen. „Wir hatten an diesem Tag eine Veranstaltung im Haus. Da kamen viele Besucher und das hat die Täter wohl abgeschreckt“, mutmaßt Klaus-Peter Vogt. Am vorbildlichen Verhalten von Wiegand ändert dies aber nichts. Die Kasseler Polizeimedaille, die er und andere Bürger am Montag erhielten, ist deshalb als Würdigung für sein umsichtiges Handeln zu verstehen. 

Die Masche der Betrüger ist bei den Geldinstituten übrigens ständiges Thema. In zwei Wochen beispielsweise wird man bei einer internen Fortbildung genau den Enkeltrick bei der Sparkasse ansprechen. Eine Fachreferentin der Polizei wird dann auch andere Betrugsfälle vorstellen. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter schnell erkennen, wenn etwas faul sein könnte“, erklärt Vogt.

Gerade die Tatsache, dass man die Kunden persönlich kenne, sei der ganz große Vorteil der kleinen Geldinstitute vor Ort.

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