Schon 90.000 Euro Mehrkosten

Bauarbeiten an Fachwerkhaus dauern länger als geplant

Gewohnter Blick: Seit über drei Jahren ist das Gebäude an der Marktstraße gegenüber dem Rathaus eingerüstet. In den nächsten Tagen soll das Gerüst abgebaut werden. Zumindest von vorne sieht das Gebäude dann wieder ansehnlich aus. Foto: Rieß

Grebenstein. Die Sanierung des Fachwerkgebäudes Marktstraße 28 in Grebenstein wird wohl teurer als ursprünglich geplant. Wir haben Fragen und Antworten zu dem Thema gesammelt.

Die Arbeiten an dem Ortsbild prägenden Haus gegenüber dem Rathaus und neben der Sparkasse sollen aber noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Das sagte Wilfried Gründel, Geschäftsführer der Immenhäuser Philippstiftung, die das Gebäude saniert auf Anfrage unserer Zeitung. In dem Haus sollen später unter anderem eine Arztpraxis und Tagespflege untergebracht werden. Fragen und Antworten zu dem Thema:

Schon seit Längerem wurden keine Handwerker mehr gesehen. Ist es eine „arbeitsfreie Zone“, wie Grebensteiner schon witzeln?

Wilfried Gründel

„Die Leute können nur über das reden, was sie sehen“, kennt Gründel die Stimmung im Ort. Aber in den vergangenen Wochen sei viel hinter den Kulissen geschehen. Wichtig war mit Blick auf spätere Gewährleistungsansprüchen, dass die Statiker den Bau abnahmen.

War die Statik für das Gebäude ein brisantes Thema?

Ja. Nach ersten Einschätzungen von Fachleuten drohte sich das Gebäude nach der Sanierung im Laufe der Jahre um bis zu zehn Zentimeter zu setzen.

Ist die Gefahr dann jetzt gebannt?

Ja, sagt Gründel. Durch die Pfahlgründung stehe das Gebäude dauerhaft stabil, wenngleich Mehrkosten in Höhe von 90.000 Euro dadurch entstanden.

Wie hoch sind die Kosten für die Sanierung insgesamt?

Nach derzeitigem Stand werden sie unter drei Millionen bleiben. Diesen Betrag hatte Gründel vergangenes Jahr genannt. Ursprünglich waren es nach Gründels Worten 2,6 Millionen. Vermutlich werden es am Ende zwischen 2,8 und 2,9 sein. Da allerdings noch nicht alle Arbeiten ausgeschrieben sind, möchte sich Gründel hier nicht genau festlegen. Aber: „Die Phase der Unwägbarkeiten ist vorüber. Vielleicht nähern wir uns doch noch den 2,6 Millionen an.“ Genaues könne man erst sagen, wenn die Ausschreibungsergebnisse für die weiteren Arbeiten vorliegen.

Wann wird wieder gearbeitet auf der Baustelle?

Zunächst einmal wird an der Baustelle gearbeitet – und das ist eine durchaus positive Nachricht für die Grebensteiner: In dieser oder der nächsten Woche wird die Fassade wieder zu sehen sein. Das Gerüst an der Straßenseite kommt weg.

Wie sieht der weitere Zeitplan vor?

Nach der Abnahme der bisherigen Arbeiten werden die Restarbeiten ausgeschrieben, Schwerpunkt: Elektro, Sanitär und Lüftung. Die Arbeiten können aber frühestens im Juli beginnen, so Gründel, da die vorgeschriebene Frist bis zur Auftragserteilung 52 Tage betrage.

Vergangenes Jahr sprach der Bauherr von einer Fertigstellung im Mai. Damit wird es wohl nichts?

Nein. Damals sagte Gründel auch, er werde sämtliche Verträge kündigen, falls das nicht klappe. Davon nahm er aber Abstand: „Das kostet noch mehr Zeit und Geld.“ Er gehe aber davon aus, dass dieses Jahr tatsächlich der Abschluss der Sanierung gefeiert werden könnte. Festlegen wolle er sich freilich nicht. Nach den Reinfällen der Vergangenheit „nenne ich keine Termine mehr“.

Wie lange dauert die Sanierung an dem Gebäude schon?

Offensichtlich wurden die Schäden Anfang des Jahrtausends. Der Landwirt Karl Hartig fragte seinerzeit in der Bürgerfragestunde des Parlaments, warum Stützpfeiler angebracht werden mussten. 2001 begannen dann Planungen, die allerdings mehrfach – gerade was die Nutzung anbelangt – geändert wurden. Der erste Teil der Umsetzung ging anschließend schnell: Scheunen im hinteren Bereich des Areals durften mit Zustimmung der Denkmalpflege 2006 abgerissen werden. Es entstand ein Gebäudekomplex für betreutes Wohnen. Im Gegenzug musste das Gebäude zur Marktstraße hin saniert werden. Nach kleineren Arbeiten kam 2014 der Baukran, das Haus wurde eingerüstet. Seither geht es schleppend voran.

Was sagt der Bauherr dazu?

Der ist von den mannigfachen Verzögerungen nicht begeistert. Aber Gründel sagt auch: „Qualität hat Vorrang und geht vor Geschwindigkeit.“ Dies gelte vor allem auch deshalb, weil dort teilweise öffentliche Mittel verbaut würden. „Alle reden vom ,schnell‘, keiner vom ,gut‘.“

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