"Güllepumpe" mit Beiwagen

Caldener Flugplatzrennen: Jörg und Gerd Stein treten mit Eigenkreation an

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Präsentieren stolz ihren selbst gebauten Seitenwagen: Jörg (links) und Gerd Stein. Die Begeisterung für Motorräder ist selbst auf Hündin Lona übergesprungen.

Burguffeln. Was soll ein Rentner mit seiner freien Zeit anfangen? Für viele Menschen stellt diese Frage ein Problem dar, nicht aber für Gerd Stein aus Burguffeln.

Lange hatte er sich gewünscht, mit einem Gespann aus Motorrad und selbst gebautem Beiwagen bei einem Rennen anzutreten. Nun erfüllt er sich diesen kleinen Traum. Er wird beim Caldener Flugplatzrennen, das am kommenden Wochenende vom 24. bis 26. August stattfindet, antreten. Das ist bei über 300 Teilnehmern kein Alleinstellungsmerkmal – sein selbst gebauter Beiwagen aber schon. Ein ganzes Jahr hat er investiert, bis das Gefährt schließlich fahrbereit war.

Gezogen wird der Seitenwagen von einer 50 PS starken Honda CX 500. Bei Motorrad-Liebhabern ist diese Maschine aus dem Jahr 1978 unter dem Namen „Güllepumpe“ bekannt.

Motorrad ist heute Kult

Zustande kam dieser Spitzname durch Rötger Feldmanns Comicfigur „Werner“. In den gleichnamigen Comics und in dem Film „Werner-Eiskalt!“ funktioniert dieser eine solche Honda aufgrund ihrer Zuverlässigkeit kurzerhand in eine Güllepumpe um.

Die umgebaute "Güllepumpe" ist bereit: Mit dieser umgebauten Honda CX 500 möchten Gerd und Jörg Stein an den Start gehen.

Auch deswegen ist dieses Motorrad heute Kult, obwohl es früher als hässlichstes Gefährt überhaupt galt. Mittlerweile ist es das Juwel in Gerd Steins kleiner Sammlung, die aus insgesamt sieben Motorrädern besteht. Dafür ist das diesjährige Gespann deutlich schneller und sieht auch sportlicher aus als das „fahrende Sofa“, mit dem die Steins bereits letztes Jahr beim Flugplatzrennen angetreten waren. Da das kommende Rennen der erste Einsatz des neuen Seitenwagens sein wird, will das Vater-Sohn-Team aber erst einmal einen Eindruck davon bekommen, was sie damit leisten können. Gerd Steins Sohn Jörg, der in dem Beiwagen mitfahren wird, wurde schon früh mit dem Hobby seines Vaters infiziert. Bereits im Alter von fünf Jahren fuhr er auf einem Kindercross.

Seit seinem 18. Lebensjahr ist Gerd Stein begeisterter Motorradfahrer. Dieses Hobby konnte er jedoch in jüngerem Alter lange Zeit nicht so intensiv ausleben. Zunächst hatte die Bundeswehr und daraufhin die Familienplanung Vorrang in seinem Leben. Verloren hat er seinen Blick auf die Motorräder aber nie.

Erstes Rennen in Kassel

2010 ist Gerd Stein in den Ruhestand gegangen und hat seitdem Zeit, seine Leidenschaft auszuleben. Ein Jahr später nahm er beim ursprünglich von Motorradfahrern initiierten Bergrennen in Wilhelmshöhe das erste Mal an einer Demonstrationsfahrt teil. Auch beim Flugplatzrennen im vergangenen Jahr fuhr er mit. Sohn Jörg Stein ist aufgrund seines Interesses bei solchen Veranstaltungen stets dabei. Dazu zählen auch Motorrad- und Oldtimer-Treffen wie zum Beispiel in Bremerhaven oder am Schottenring in Südhessen.

Zu große Ziele wollen sich die Steins für das Flugplatzrennen jedenfalls nicht setzen. Überhaupt sei der Mittelpunkt eines solchen Events stets das große Miteinander, sagt Gerd Stein. Nicht zuletzt deswegen schätzt er die Motorsportler sehr. Jeder Teilnehmer könne auf die Hilfsbereitschaft der anderen bauen, um die hohen Sicherheitsauflagen zu erfüllen. Demzufolge sind Gerd und Jörg Stein den Organisatoren sehr dankbar dafür, das Flugplatzrennen wieder ins Leben gerufen zu haben. Allen Beteiligten ginge es einfach darum, Spaß zu haben und sich dem zu widmen, was sie alle gemeinsam haben: die Liebe zum Motorsport.

Hauptsache flott: Beim Flugplatzrennen in Calden, das 2017 nach 30 Jahren Pause wieder ins Leben gerufen wurde (unser Foto), treten Rennwagen verschiedenster Klassen an.

Rennstrecke verlängert

Viele Motorsportfans in der Region erinnern sich noch an die spannenden Flugplatzrennen in Kassel-Calden in den 70er- und 80er-Jahren. Zahlreiche Formel-1-Fahrer wie Hans-Joachim Stuck und Jochen Mass sowie Stars aus der Motorradszene wie Dieter Braun, Toni Mang und Martin Wimmer rollten an die Startlinie. 

In diesem Jahr soll es nun zum zweiten Mal nach 2017 auf dem Gelände des alten Flughafens ein „Historisches Flugplatzrennen“ geben. Die Strecke wurde diesmal auf 2,6 Kilometer verlängert. „Wir haben diesmal 350 Teilnehmer“, kündigt der Helsaer Organisator Heinz Jordan an. Das sind noch einmal 150 historische Autos und Motorräder mehr als im vergangenen Jahr. 

Allein 60 Formel-Fahrzeuge sollen laut Jordan am August-Wochenende in Calden zu sehen sein. Gemeldet hat unter anderem wieder Erich Rostek mit seinem Ralt Formel 3000 mit einem Formel-1-Motor von Ford-Cosworth mit 580 PS. Aber auch andere interessante Marken wie McLaren, Lotus, Lola und Porsche seien dabei, kündigt der Helsaer an.

 80 Helfer unterstützen an dem Wochenende die Organisatoren Heinz Jordan und Dr. Dietrich Krahn. Die Streckensicherung wird vom MSC Emstal übernommen. Im vergangenen Jahr registrierte der Veranstalter rund 7000 Besucher. In diesem Jahr, so Jordan, rechne man mit mehr.

Das Programm beim Flugplatzrennen

Freitag, 24. August 

• 15 bis 18 Uhr: Eintreffen der Teilnehmer, Papier- und Fahrzeugabnahme, freies Training nach der Papierabnahme

• ab 18 Uhr: geselliges Treffen von Teilnehmern und Helfern

Samstag, 25. August 

• 8 Uhr: Fahrerbesprechung

• 8.40 Uhr bis 12.15 Uhr: Demonstrationsläufe

• 12.20 Uhr bis 12. 35 Uhr: Sonderlauf Steyr Puch

• 14 bis 18.30 Uhr: Demonstrationsläufe 

• ab 19 Uhr: Racing Night für Teilnehmer und geladene Gäste

Sonntag, 26. August

• 8 Uhr: Fahrerbesprechung

• 8.30 Uhr bis 11.40 Uhr: Demonstrationsläufe

• 11.45 Uhr bis 12.25 Uhr: Sonderläufe Steyr Puch, Porsche Club und Ferrari

• 12.30 Uhr bis 12.50 Uhr: Drag-Racing-Show

• 12.55 Uhr bis 16.05 Uhr: Demonstrationsläufe

•16.10 Uhr bis 16.40 Uhr: Drag-Racing-Show

• 16.45 Uhr: Abreise

Eintritt: Freitag 5 Euro, Samstag und Sonntag 10 Euro, Kinder bis 14 Jahre frei.

Von Jan Trieselmann

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