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Diskussion um das Tierwohl auf Hof Kramm in Grebenstein

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Von: Tanja Temme

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Besucher des Hoffestes auf dem Bauernhof von Jörg und Moritz Kramm.
Hoffest lockte Tausende: Vom Morgen bis zum Abend war auf Hof Kramm mächtig was los. Auch André Lechner und Katharina Lechner (links im Bild) aus Holzhausen wollten das Ereignis nicht verpassen. © Tanja Temme

Fleisch von glücklichen Schweinen, Milch von zufriedenen Kühen und Eier von munteren Hühnern: Tierwohl rückt immer stärker in den Fokus der Landwirtschaft.

Grebenstein – Beim Hoffest am Sonntag in Niederhaldessen wollte Gastgeber Jörg Kramm das Thema aufgreifen. Der Kreislandwirt lud Experten zu einer Podiumsdiskussion ein.

Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Gerd Henke, HNA-Redakteur im Ruhestand, der neben den Hausherren auch Vertreter des Bauernverbandes, des Schweinegesundheitsdienstes, von Rewe sowie vom Landkreis Kassel befragte. Welche Herausforderungen eine tiergerechte Haltung mit sich bringt, stand im Mittelpunkt der Diskussion. „Natürlich sind wir für Tierwohl, aber das kostet nun mal Geld“, sagte Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes.

Landwirte wollen Planungssicherheit

Gerne würden die Landwirte den Tieren mehr Platz zur Verfügung stellen – aber jede Verbesserung sei mit Mehrkosten verbunden. Die Landwirte bemängelten die fehlende Planungssicherheit: Ein Schweinemäster könne nicht mehr abschätzen, wo im nächsten Jahr der Kilopreis für das Fleisch seiner Tiere liege. Deshalb sei die Situation in der Landwirtschaft alles andere als rosig: „In Hessen gibt es so wenige landwirtschaftliche Betriebe, dass diese die Bevölkerung im Bundesland nicht mehr ernähren können“, sagte Kramm. Viele Kollegen hätten aufgegeben und weitere würden sicher folgen. Um deutlich zu machen, wie dramatisch die Situation ist, gab Schmal ein Beispiel aus dem Großviehbereich: „Auf jedem Hektar Wiese oder Weide in Hessen steht nicht mal mehr eine halbe Kuh.“ Schmal fügte an, dass „jedes Schwein, das es in Deutschland nicht mehr gibt, von Spanien ausgeglichen wird“.

Die Bauern forderten mehr Rückhalt von der Regierung. So seien feste Zusagen, was Preise angehe, unumgänglich. „Wenn wir einen Stall neu bauen, dann geht es schnell um mehrere Millionen Euro. Solche Objekte werden über 20 Jahren finanziert, da braucht man Planungssicherheit“, unterstrich Schmal. „Derzeit habe ich aber das Gefühl, dass man in Berlin keine Entscheidungen treffen möchte und uns in der Luft hängen lässt.“

Kunden wollen mehr Regionalität

Dass die Kunden immer mehr Regionalität erwarteten, bestätigte der Rewe-Vertriebsleiter Michael Zawisza: „Viele Kunden legen großen Wert darauf, wo ihr Fleisch herkommt. Fleisch von Landwirten aus der Region ist stark gefragt.“ Auch weil regionale Vermarktung kürzere Transportwege mit sich bringe. Die Halter bemühten sich darum, ihren Tieren keine langen Transportwege zuzumuten. Das gelinge aber beim Weg zur Schlachtung nur bedingt: „Die behördlichen Auflagen haben viele Schlachthäuser in die Knie gezwungen, sodass ich einen Teil meiner Schweine im Westfälischen schlachten lassen muss“, erklärte Kramm.

Wie wichtig kurze Transportwege sind, betonte Kreisbeigeordneter Thomas Ackermann. Sie bedeuteten „weniger Stress für die Tiere und ein Beitrag für den Klimaschutz“. Ackermann setzt auf regionale Produkte. Er machte klar, dass „gutes Fleisch auch seinen Preis hat“.

Gefahr durch Schweinepest

Thematisiert wurden auch die verschiedenen Haltungsstufen für Schweine, bei denen es beispielsweise auch Außenbereiche gibt. Eine nicht unerhebliche Gefahr der Freiluftausläufe sei die Afrikanische Schweinepest, die Deutschland schon erreicht hat. Grundsätzlich sprach sich Tierärztin Angelika Cechini für verbesserte Haltungsbedingungen aus: „Wer jetzt überleben will, muss mehr als den gesetzlichen Standard bringen.“ (Tanja Temme)

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