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Urteil ist gefallen: Bewährungsstrafe für „Druiden“ aus Grebenstein

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Hortete Waffen: Der selbst ernannte „Druide“ aus Grebenstein (Mitte) wurde vorm Landgericht Mannheim zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Hortete Waffen: Der selbst ernannte „Druide“ aus Grebenstein (Mitte) wurde vorm Landgericht Mannheim zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. © Jan Peter/dpa

Der sogenannte „Druide“ wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das hat das Landgericht Mannheim in seinem Urteil entschieden.

Grebenstein – Er soll eine Invasion von Russen oder Außerirdischen gefürchtet haben und wollte autark leben. Mit Komplizen baute und hortete er Waffen, unter anderem aus Wühlmausfallen. Nun hat das Landgericht Mannheim sein Urteil über einen selbst ernannten „Druiden“ aus Grebenstein gefällt.

Er und seine Mitstreiter häuften teils eigens gebaute Waffen, Munition und Sprengstoff an. Am Freitag verurteilte das Landgericht Mannheim den 71-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Zudem muss der Mann wegen Volksverhetzung 130 Tagessätze à zehn Euro zahlen. Er hatte den Holocaust geleugnet und gegen Juden gehetzt. Drei Komplizen hatte das Gericht bereits im Januar zu Bewährungsstrafen verurteilt.

„Er war extrem in Gewaltfantasien verstrickt“, sagte die Vorsitzende Richterin bei der Urteilsverkündung. Mehrfach habe der Mann seine staatsfeindliche Gesinnung gezeigt. „Natürlich ist das alles nicht so professionell gewesen, aber es hätte gereicht, um Menschen zu gefährden oder zu töten.“ Neben dem Geständnis wertete das Gericht vor allem zugunsten des Mannes, dass seit den Taten schon viele Jahre vergangen seien und er seither nicht mehr gegen das Waffenrecht verstoßen habe. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

Der 71-Jährige sei Anführer und Galionsfigur gewesen, sagte die Richterin. Anfangs bestand gegen ihn sogar der Verdacht der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Die Bundesanwaltschaft ermittelte nach einigen Treffen mit möglichen Gesinnungsgenossen an mehreren Orten in Deutschland. Befürchtet wurde nach Ausführungen der Richterin, dass es ihm gelänge, mehrere Leute um sich zu scharen.

Vorausgegangen war dem Urteil eine Verständigung zwischen den Parteien, wonach eine mildere Strafe bei einem Geständnis erfolgen sollte. Das kürzte das Verfahren erheblich ab.

Der Mann mit langen weißen, leicht gelblichen Haaren und ebensolchem Bart gilt als Kopf eines Quartetts, das sich aus Angst vor Anarchie ein Waffenarsenal angelegt hatte. In der Liste der Anklage stehen unter anderem aus Wühlmausfallen hergestellte Schussapparate, Schießkugelschreiber, ein Flammenwerfer, diverse Schusswaffen wie eine halbautomatische Selbstladepistole, eine große Menge Patronen unterschiedlichen Kalibers und 1,4 Kilogramm Schwarzpulver.

Bei einer Razzia 2017 schlugen die Einsatzkräfte zu, nahmen die Männer fest und durchsuchten unter anderem das Anwesen des „Druiden“ im Rhein-Neckar-Kreis sowie von Komplizen etwa in Rheinland-Pfalz.

Der aus Grebenstein stammende Hauptbeschuldigte wird der Szene der „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ zugerechnet. Diese leugnen nach Angaben des Verfassungsschutzes die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und ihres Rechtssystems, sprechen Politikern und anderen Staatsbediensteten die Legitimation ab und verstoßen immer wieder gegen geltende Gesetze. Auch wird dem Mann „ausgeprägten Judenhass“ attestiert.

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