Alte Gemäuer sollen erhalten werden

Gewölbekeller und Plumpsklo lassen Fachwerk-Sanierung in Grebenstein stocken

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Bestaunen das alte Gemäuer: (von links) Grebensteins Bürgermeister Danny Sutor, Bundestagsabgeordneter Thomas Viesehon, Geschäftsführer Lungenfachklinik Wilfried Gründel, Immenhausens Bürgermeister Jörg Schützeberg, Vorstandsvorsitzender der Philippsstiftung Dr. Eckart Claus und der stellv. Vorstandsvorsitzende der Philippsstiftung Dr. Gerd Goeckenjahn.

Grebenstein. Seit 2013 wird das Fachwerkhaus Markstraße 28 in Grebenstein saniert. Zuletzt wurde der Fertigstellungstermin immer wieder verschoben. Gründe dafür sind unter anderem ein alter Gewölbekeller und eine historische Toilette.

Wilfried Gründel, Geschäftsführer der Immenhäuser Philippsstiftung, lud nun zu einem Ortstermin, um über Fortschritte und Probleme beim Bau zu informieren.

Die Philippsstiftung ist Bauherr des Projekts. Nach der Sanierung sollen dort sowohl ein Arzt als auch eine Senioren-Tagespflege einziehen.

Haus drohte zu kippen

Das fast 400 Jahre alte Haus war vor Beginn der Sanierung in einem ruinösen Zustand. „Keine Wand ist hier gerade. Das Gebäude drohte wegzukippen“, sagt Gründel. Grund dafür sei auch der Lehmuntergrund, der kaum Stabilität gebe. So mussten nach der Entkernung des Gebäudes Stahlträger installiert werden, die die Fassade tragen: Sie sind jetzt 1,50 Meter tief in ein Betonfundament eingesetzt und führen teilweise durch das gesamte Haus bis unters Dach.

Aufwändige Konstruktion: Mit neuen Balken, großen Schrauben und Beton wurden die alten und teilweise maroden Balken fixiert.

Um Platz für das neue Fundament zu schaffen, musste der Lehmboden zunächst mühevoll ausgehoben werden. Weil keine Bagger in das Haus kommen, seien die 150 Kubikmeter per Hand ausgeschachtet worden. Die Stahlträger mussten dann mit speziellem Brandschutzlack versehen werden – und zwar in sechs Schichten, die jeweils sechs Wochen aushärten mussten.

Denkmalschutz geht vor

Auch die Auflagen des Denkmalschutzes, sorgten für zahlreiche Verzögerungen. So müssen beispielsweise ein alter Gewölbekeller sowie eine Toilette in einer Mauer erhalten werden. Wie der 25 Quadratmeter große Keller genutzt werden kann, ist unklar. Die Toilette wird vermutlich mit einer Glasscheibe abgedeckt, sodass das Gemäuer zwar verschlossen, aber weiterhin sichtbar ist, erklärt Gründel.

Muss erhalten bleiben: Diese alte Toilette im Erdgeschoss ist denkmalgeschützt.

Die alten Gemäuer sind in den Räumen der Tagespflege sowieso eine Herausforderung für sich: Wegen strenger Hygiene-Anforderungen müssen die Mauern versiegelt werden, sollen aber nicht vollständig verschwinden. Auch dafür gibt es bislang noch keine Lösung.

Alte Balken wurden fixiert

Da ein Großteil der Balken nicht mehr stabil genug ist, wurden sie an neueingesetzten Balken fixiert. 40 Zentimeter lange Schrauben waren nötig. Von denen ist jetzt nichts mehr zu sehen, weil die Zwischenräume mit Beton aufgefüllt wurden.

Anbau, Büros und Böden

Im neuen Anbau wird eine Teeküche unterkommen. Die Mieter des betreuten Wohnens sollen dort in Zukunft auch essen können. Daher wird es eine Glasbrücke als Verbindung zwischen den beiden Gebäuden geben. Große Glasflächen und eine Terrasse komplettieren die Aufenthaltsräume im Erdgeschoss.

Im Dachgeschoss werden Büros des Sozialdienstes einziehen. Die alte Balkenkonstruktion im Dachgiebel bleibt erhalten. Die Schieflage des Gebäudes wird im Dachgeschoss besonders sichtbar: Weil Unebenheiten ausgeglichen und aufgefüttert werden mussten, sind die Decken bis zu 80 Zentimeter dick, auch wurden Stufen in die Böden eingebaut. Jedes Fenster im Fachwerkteil des Gebäudes ist eine Sonderanfertigung.

Das sagt der Stiftungschef, Dr. Eckart Claus:

„Ich wohne selbst in Grebenstein und würde mich sogar als ein Grebensteiner Urgestein bezeichnen. Ich wurde im Ort verständlicherweise oft angesprochen, was nun mit dem Haus geschehe. Natürlich bin ich nicht glücklich, dass es so lange dauert. Andererseits weiß ich um die zahlreichen Probleme und Komplikationen während der Bauzeit und kann sagen: Es hätte nicht besser gemacht werden können. Die Schwierigkeiten fingen schon mit der Wahl des Architekten an und führen sich nun mit dem Gerüst, das längst abgebaut werden sollte, fort. Ich stand zu jeder Zeit hinter dem Projekt“, sagt Eckart Claus, Vorstandsvorsitzende der Philippsstiftung.

Das sagt Grebensteins Bürgermeister, Danny Sutor:

„Das Gebäude ist zum Zankapfel der Stadt geworden. Das Gerüst muss schnell weg. Wir als Stadt prüfen rechtliche Schritte gegen die verantwortlichen Firmen. Generell muss man sagen, dass die öffentliche Diskussion über die Verzögerungen von Unwissenheit geprägt ist. Die Historie des Hauses ist von starkem Verfall gezeichnet. Es gab Schwierigkeiten, einen Investor zu finden. Dank gilt der Philippsstiftung, da sie trotz der Bedenken diese Einrichtung mitten im Ort baut. Durch Förderung wurden städtische Ausgaben minimiert. Wenn es fertig ist, kann es ein Vorzeigeprojekt der Altenversorgung werden“, sagt Danny Sutor, Bürgermeister Grebensteins.

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