Fast vergessenes Handwerk

Mühlentag in Grebenstein: Führung mit Müller Christoph Hold

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Mühle in Kleinformat: Fast zwei Jahre hat Helmut Strauch (rechts) an der Miniatur-Hagenmühle gearbeitet. Bewundert wurde das Modell am Mühlentag von zahlreichen Besuchern.

Grebenstein. Seit 600 Jahren klappert das Mühlrad der Hagenmühle am Grebensteiner Bach. Beim Mühlentag erfuhren Besucher mehr über das fast vergessene Handwerk des Müllers. 

Sie gehört zu den wenigen, welche noch mit Wasserkraft angetrieben und wo heute noch Mehl wie einst produziert wird. An Pfingstmontag lud Wassermüller Christoph Hold zum Besuchertag ein.

Somit war der 32-Jährige einer von 40 hessischen Mühlenbetreibern, die beim Deutschen Mühlentag mitmachten. „Hier in der Region sind wir die Einzigen, die noch ein Wasserrad in Betrieb haben“, sagte Hold, der das Müllerhandwerk von der Pike auf gelernt hat. 

Durchaus historische Anlage

Auch wenn der Grebensteiner das Korn nicht mehr auf Eseln geliefert bekommt und auch keine Steine zum Mahlen verwendet werden, so kann seine Anlage durchaus als historisch bezeichnet werden.

Mühlrad wurde vor 25 Jahren erneuert: An zwei Tagen wird die Wasserkraft zum Mahlen von Korn verwendet, ansonsten produziert Müller Christoph Hold damit Strom, welchen er ins öffentliche Netz einspeist.

„Das ist die Technik, wie sie vor gut 50 Jahren verwendet wurde“, erklärt er, moderne Mühlen seien komplett computergesteuert. 50 Tonnen Weizen, Roggen und Dinkel werden von dem Jungunternehmer jährlich in seinem Familienbetrieb vermahlen, welchen er in siebter Generation fortführt. 

„Das meiste Mehl verkaufe ich bei uns im Hofladen“, erklärt er, heutige Bäckereien hätten einen solch großen Bedarf, den er nicht decken könne, lediglich eine kleine Kasseler Backstube beziehe sein Mehl. Die Regionalität ist es vor allem, was seine Kunden an dem Produkt schätzen, kommt der Weizen und Roggen doch von Grebensteiner Feldern und der Dinkel aus dem nahen Naumburg. Es lohne sich nicht, Bioqualität anzubieten, da die Zertifizierung dafür einfach zu kostenintensiv sei, meint Hold, der nun seit fünf Jahren dem alten Handwerk nachgeht.

Zwei Tage pro Woche mit dem Mahlen beschäftigt

Zwei Tage pro Woche ist er mit dem Mahlen beschäftigt, mehr lohnt sich derzeit für ihn nicht. Die übrige Zeit hält der Handwerker Stellung in seinem Hofladen, wo er neben seinem Mehl auch Saaten und Wildfleisch verkauft.

Beim Besuchertag nutzten viele die Gelegenheit am von der Esse betriebenen Mühlrad zu entspannen oder einen Blick in Herz der Mühle zu wagen. Da diese sich über drei Stockwerke erstreckt, wurde klar, was Hold hier im Alltag so leistet. Muss er doch die Säcke selbst schleppen. Stände mit Schmuck, Holzartikeln, Handarbeit und Leckereien ergänzten das Angebot.

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