Gesundheit ist der Grund

Ackerbürgermuseum: Museumsleiter Wolfgang Tölle hört auf

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Die Eisenbahn in Grebenstein war das Thema, das Wolfgang Tölle als Museumsleiter am meisten beschäftigte. Der Eisenbahnweg vom Bahnhof bis zum Viadukt südlich der Stadt wurde erst vergangenes Jahr fertiggestellt. Auf mehreren Schautafeln wird die Geschichte der Bahn erzählt. Jetzt trat Tölle aus gesundheitlichen Gründen zurück. 

Wenn sich Wolfgang Tölle (78) etwas in den Kopf setzt, dann verfolgt er es: zielstrebig, beharrlich, kompromisslos. Das Ackerbürgermuseum und die Alte Meierei sind Zeugnisse dafür. Jetzt hört er auf.

Gesundheitliche Gründe zwingen ihn zu dem Schritt, der ihm nicht leicht gefallen ist. Kein Wunder, ein halbes Leben war er ehrenamtlich für das Museum aktiv. 37 Jahre war er Museumsleiter, 38 Jahre Vorsitzender des Förderkreises. Doch seit einiger Zeit leidet er an Parkinson. Und bei einem Aufenthalt in der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel kippte er einfach um. „Da kann ich nicht weiter meine Freizeit im Museum verbringen“, sagt er.

Zu dem Amt kam er wie die Jungfrau zum Kind. Bis 1980 war er Tuspo-Vorsitzender, kurze Zeit später ging das Leck´sche Haus, in dem das Ackerbürgermuseum untergebracht ist, von Landes- in Kommunalbesitz über. „Der damalige Bürgermeister Georg Kooi meinte: Du hast doch jetzt Zeit“. Tölle sagte zu. Schon damals gegen Widerstände. Tölle: „Es gab eine Gruppe von Kommunalpolitikern. Einer von ihnen wollte auch die Museumsleitung machen.“ Doch letztlich übernahm Tölle das Ehrenamt.

Wie sich bald herausstellte, war es ein Glücksfall für Grebenstein. Die nebenstehende Alte Meierei wurde einbezogen, immer neue Aspekte der Grebensteiner Geschichte wurden aufgearbeitet. Um die 50 Bücher und Hefte hat Tölle herausgegeben, unter anderem über die Geschichte der Dragoner, den Sportverein und – vor allem – über die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn. „Wir sind breit aufgestellt. Andere Museen haben Schwerpunkte, wir gehen in die Breite“, sagt er zu seinem Konzept.

Dass Besucher des Museums die Ausstellung loben, ist wohl Tölles größte Motivation. Ehrenamt lebt von Anerkennung. Dass einmal ein Bürgermeister zu ihm sagte: „Sie sitzen hier rum, was machen Sie eigentlich sonst noch?“ hat ihn gekränkt. Gefreut hat ihn hingegen, dass selbst prominente Besucher wie die Schauspielerin Petra Schürmann, Landespolitiker oder auch einmal ein Bischof ins Museum kamen und Gefallen daran fanden.

Einsatz mit Herz und Seele

Geld hat Tölle für sein Engagement nie erhalten. Er machte es, weil er Geschichte liebt, eine Frau hat, die sich auch für das Metier interessiert und ihn stets unterstützte, und weil er ein Grebensteiner ist – mit Herz und Seele.

Und er ist stolz darauf, sagen zu können, dass auch von seinen Mitstreitern „keiner Geld bekommen hat“. Idealismus nennt man dies. Nichtsdestotrotz: Wenn´s um Geld ging, war er stets rührig. „Vor allem unsere beiden Geldinstitute hier in Grebenstein haben uns unterstützt.“

Das Grebensteiner Zugunglück vor fast 150 Jahren war wohl das Ereignis, das Tölle am meisten beschäftigte. Zu seinem Verdruss gelang es lange Zeit nicht, das genaue Datum herauszufinden. Man ging davon aus, dass der Zug am 24. August 1872 entgleist war.

Doch richtig fundiert war das Datum nirgendwo hinterlegt. Jahrelang suchte Tölle in Archiven und geschichtlichen Schriften. Fündig wurde er vor einigen Jahren. Nachts um zwei, so erinnert er sich, fand er eine belegte und belastbare Quelle in einem Düsseldorfer Archiv per Internet. Es war am 20. August 1871. Neben diesem Forscher-Erfolg bleiben ihm zwei sehr emotionale Momente in Erinnerung: das Konzert der Leck-Familie vor drei Jahren und von Opernsängerin Dörthe Maske im Museum. Tölle: „Das ging unter die Haut.“

Es fällt Tölle schwer, loszulassen. Das Amt gibt er auf, die Grebensteiner Geschichte wird ihn weiter beschäftigen. „Ich bin weder dement noch tot“, sagt er.

Nur die Beine machen eben nicht so, wie er will. Deshalb der Abschied.

Der Förderverein wird wegen der großen Verdienste von Grebensteins Mister Museum ein Kellergewölbe im Ackerbürgermuseum nach Tölle benennen. Ob ihm das gerecht wird? Tölle schweigt zu der Frage. Vermutlich denkt er nein. Einfach ist anders. Was Tölle anbelangt – aber auch was eine angemessene Ehrung betrifft.

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