71-Jähriger zum zweiten Mal in Belgien dabei

100 Kilometer in 19 Stunden: Grebensteiner nahm an Totenkopfmarsch teil

+
Kurzer Stopp bei Kilometer 50: Peter Eiffert hat den Totenkopfmarsch absolviert.

Grebenstein. Der Name klingt martialisch: Totenkopfmarsch. Und tatsächlich ist die Strecke für „normale“ Wanderer auch mörderisch: 100 Kilometer sind es vom Start bis zum Ziel.

Vor einem halben Jahrhundert hatten einige sportliche Belgier, die Idee, einen solchen Gewaltmarsch anzubieten. 67 waren damals am Start, in diesem Jahr waren es 13.000 Läufer. Einer von ihnen: der Grebensteiner Peter Eiffert.

Der 71-Jährige nimmt gerne an solchen Veranstaltungen teil. Der Grimmsteig-Lauf mit 111 Kilometer und 3000 Höhenmetern sei aber eine deutlich stärkere Herausforderung, sagt er. Er muss es wissen: Auch diesen Lauf machte er schon mit. Jetzt war er in Belgien und schwärmt von der Veranstaltung, die ihn rund 24 Stunden am Stück auf den Beinen hielt. Erst wartet man vor dem Startbereich etwa zwei Stunden, erzählt er, denn man möchte bei dem großen Starterfeld ja möglichst weit vorne sein. Um 18 Uhr hatte er dann einen guten Platz, nahe der Startlinie ergattert. Drei Stunden später beginnt der Lauf.

Vor dem Start: Mit Tausenden von Sportlern wartet der Grebensteiner Peter Eiffert darauf, dass der Startbereich für den 100-Kilometer langen Totenkopfmarsch geöffnet wird.

Bis der Letzte der 13.000 die Linie überquert hat, vergeht rund eine halbe Stunde. Eiffert hatte da schon die ersten Kilometer hinter sich. Es geht in die Nacht hinein, es ist der angenehmste Part des Laufes. Morgens um 4, wenn die Dämmerung einsetzt, wird es schwieriger. „Manche beginnen zu schwanken“, hat er beobachtet. Und: Die Ersten fallen aus. Eiffert hält durch. Auch als Sonne und Temperaturen höher steigen, macht es ihm nichts aus. „Ich bin ein Hitzeläufer“, sagt er. Wichtig sei es, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen: „Verpflegungsstände gibt es genug und so alle 20 Minuten habe ich etwas getrunken.“ Um die zehn Liter werden so zusammengekommen sein. Nur an einer Station trank er nichts: „Der Lauf führt über Brauerei-Gelände. Da wurde auch richtiges Bier angeboten.“

Manch ein Läufer blieb hier hängen, andere kippten später um. Die Ausfallquote bei dem Lauf beträgt rund 50 Prozent. Eiffert zählte zu jener Hälfte, die das Ziel erreichte. Abends um 18 Uhr, 19 Stunden nach dem Startschuss.

Nach dem Lauf: Stolz präsentiert Peter Eiffert Teilnehmer-Urkunde, Orden und T-Shirt des Totenkopfmarsches.

„Aber es war toll“, schwärmt er. In den vielen Dörfern, durch die der Lauf führte, säumten Zuschauer den Straßenrand und meist spielte eine Kapelle und feuerte die Sportler zusätzlich an. Zum zweiten Mal war Eiffert bei dem Rennen im belgischen Bornem dabei. Und vermutlich auch das letzte Mal.

„Vergangenes Jahr waren noch einige von meinen Reservistenkameraden dabei“, sagt er. Diesmal wäre er alleine gewesen. Die Zeit zum Unterhalten während des Laufs fehle ihm. „Man hört alle möglichen Sprachen, aber selten deutsch“, spielt er auf die Tatsache an, dass bei dem Lauf 34 Nationen vertreten waren. Eine Aufstellung über die Altersstruktur der Teilnehmer hat Eiffert nicht gesehen. Ob er der Älteste war, weiß er deshalb nicht. „Beim Grimmsteiglauf war ich das schon.“

Zur Person:

Peter Eiffert (71) ist Rentner und kommt aus Grebenstein. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Bis zu seinem Ruhestand arbeitete er bei der staatlichen Versuchsanstalt in Hann. Münden. Vor einigen Jahren sorgte er für Schlagzeilen, als er in seiner Freizeit ein zugewachsenes Viadukt bei Grebenstein in Eigenregie von Unrat und Bewuchs befreite. Die Arbeiten zogen sich über mehrere Jahre hin. Mehrere 1000 Stunden Arbeit investierte Eiffert dafür und wurde deshalb von der Stadt auch ausgezeichnet. Das Eisenbahnviadukt ist von der Bundesstraße aus zwischen Grebenstein und Burguffeln zu sehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.