Widerstand gegen die Kurve Kassel

Grebensteiner klagen über Lärmbelästigung: Züge rauben den letzten Nerv

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Widerstand: Die Kasseler Kurve ist ein umstrittener Plan in der Region. Der führt wie hier in Fuldatal zu Widerstand in der Bevölkerung.

Der Schienenverkehr ist eine Lärmquelle, von der sich über ein Drittel der deutschen Bevölkerung gestört fühlt. So auch die Anwohner der Schlesischen Straße in Grebenstein.

„Wir sind mit den Nerven fertig“, bricht es aus den Anwohnern heraus, wenn sie nach dem Schienenverkehrslärm gefragt werden, der Tag und Nacht bei ihnen zu hören ist. Schon jetzt fahren etwa 160 Güterzüge täglich unweit der Schlesischen Straße vorbei. 

Die sorgen nicht nur für eine gewaltige Lärmbelästigung, sondern rauben auch den nächtlichen Schlaf. „Man kann das Fenster nicht für längere Zeit öffnen oder gar im Sommer auf der Terrasse sitzen, weil es einfach zu laut ist“, berichtet Anwohner Jochen Schaffland.

Im zwanglosen Gespräch mit seinen Nachbarn wurde immer deutlicher, wie sehr alle unter der Geräuschbelastung leiden, sodass man sich darauf einigte, gemeinsam erste Schritte gegen das Problem zu gehen. Deshalb traf man sich in kleiner Runde und lud neben dem Ersten Stadtrat Horst Wolff auch Oliver Ulloth (MdL, SPD) zu dem Treffen ein. Denn nicht nur das aktuelle Problem mit den Güterzügen der Bahn macht den Grebensteinern zu schaffen. Was ist, wenn mit dem Ausbau der Kasseler Kurve die Nutzung der Strecke um ein Drittel ansteigt, fragen sich die Anwohner.

Belastung durch Lärm war früher geringer

„Wir müssten das Haus verkaufen, weil das Leben hier untragbar wäre“, ist sich Jochen Schaffland sicher. „Obwohl wir erst vor Kurzem viel in das Haus investiert haben, würde der Wert der Grundstücke um mindestens 35 Prozent sinken. Wer zahlt mir den Verlust?“

Als die Häuser in der Schlesischen Straße gebaut wurden, gab es die Bahnstrecke zwar auch schon, aber die Belastung war damals deutlich geringer. „Wir als Stadt haben getan, was wir konnten“, bedauert Horst Wolff. Er erklärt, dass die Streckenführung noch gar nicht feststünde. Dennoch „muss die Bahn wissen, dass sie nicht machen kann, was sie will.“

Am Bürger interessiert: Oliver Ulloth (rechts) sprach mit Jochen Schaffland (links) und Adolf Craw über die geplante Kasseler Kurve und deren Auswirkungen auf Grebenstein.

Wolff empfiehlt, sich an weitere gewählte Politiker zu wenden, wie Esther Dilcher oder Oliver Ulloth. Der war gerne der Einladung der Anwohner gefolgt und stimmte dem zu. Dennoch wies er auch darauf hin, dass es eigentlich wünschenswert sei, mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bekommen. 

Solling-Bahn als Strecke gewünscht

Er forderte zudem ein Gutachten darüber, welche Streckenvariante sinnvoller sei: die Kurve Kassel oder die Solling-Bahn. Die Strecke durch den Solling würde von den Bürgermeistern sogar gewünscht, um den Schienenverkehr dort nicht nur im Bestand zu schützen, sondern sogar zu steigern. „Aber wenn wir erfahren, dass die Kasseler Kurve sinnvoller ist, müssen wir das auch akzeptieren“, sagte Ulloth.

Bis es so weit sei, setze er aber ebenfalls auf starken Widerstand zur Kasseler Kurve und lobte das Engagement der Anwohner. Er empfahl ihnen, den Kontakt zu anderen Bürgerinitiativen der Region zu suchen und sich gemeinsam zu organisieren.

Jochen Schaffland hofft jetzt auf weitere Grebensteiner Mitstreiter. Er steht als Kontaktperson gerne zur Verfügung unter Telefon  01 76/96 53 53 49.

Lesen Sie dazu auch: Kurve Kassel: Bürger setzen auf alternative Strecken

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