Gefahrenkarten sollen Schlimmeres verhindern

Grebensteiner Stadtverordnete diskutieren über Hochwasserschutzkonzept

Hochwasserschaden: Die Stadtmauer am Dreimännchen wurde nach dem Hochwasser am 16. Juli 1965 nur teilweise wieder aufgebaut. Es gibt eine weitere Tafel, auf der als Datum der 15. Juli 1965 angegeben ist.
+
Hochwasserschaden: Die Stadtmauer am Dreimännchen wurde nach dem Hochwasser am 16. Juli 1965 nur teilweise wieder aufgebaut. Es gibt eine weitere Tafel, auf der als Datum der 15. Juli 1965 angegeben ist.

Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie die Überschwemmung in Gottsbüren nahm man in Grebenstein zum Anlass, über ein Schutzkonzept zu sprechen.

Grebenstein – Was Hochwasser anrichten kann, das weiß man in Grebenstein. 1965 war die Stadt stark davon betroffen. Auch jetzt gibt es immer wieder Ecken, die bei starkem Regen geflutet werden. Die SPD-Fraktion hat deswegen und aufgrund der jüngsten Ereignisse einen Antrag zur Erstellung eines Hochwasserschutzes für Grebenstein und die Stadtteile gestellt.

Die Meinungen

Peter Zanger (SPD) äußerte sich in der Stadtverordnetenversammlung als erster zu dem Thema. „Hochwasser kann apokalyptische Ausmaße annehmen. Mit Fließ- und Starkregenkarten können Problembereiche entdeckt und Schäden durch Hochwasser verhindert werden“, sagte Zanger. Man habe bewusst nicht nur die Kernstadt, sondern auch die Stadtteile miteinbezogen. Da diese in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls von Überschwemmungen betroffen waren. „Die Kosten sind, auch wenn sie hoch sein sollten, für die Erstellung der Karten vertretbar“, so Zanger.

Melanie Burghardt, Fraktionschefin der CDU, befürwortete den Antrag. „Wir sind in der Vergangenheit nicht verschont geblieben. Ein Hochwasserschutzkonzept würde helfen, auch wenn es natürlich nicht alle Überschwemmungen verhindern könnte“, sagte sie zu den Stadtverordneten. Zu bedenken gab sie, dass es dauern könne, bis relevante Karten erstellt seien: „Wir sind nicht die Ersten, die nach den Katastrophen nun welche erstellen lassen.“ Deswegen solle man sich darauf konzentrieren, dass bei Gefahren die Alarmierungsketten rechtzeitig in Bewegung gesetzt werden. „Funktionierende Sirenenanlagen sind wichtig. Sie sind ein erster Schritt, die Bevölkerung zu retten“, sagte Burghardt. Heike Giede-Jeppe (FDP) sprach davon, dass Deutschland „ein hoch technisiertes Land ist.“ Bund und Länder hätten, was die Sirenenanlagen und den Hochwasserschutz angeht, aber zu spät reagiert.

Die Karten

Sichtlich froh über den Antrag zeigte sich Bürgermeister Danny Sutor: „Es ist gut, dass wir das Thema Hochwasser breit diskutieren. Wir haben gesehen, dass es jeden erwischen und das es extrem ausfallen kann.“ Um mögliche Gefahren zu erkennen, habe man die Erstellung einer Fließpfadkarte beantragt. Kostenpunkt für die Kommune: 500 Euro. „Die Karte zeigt uns, an welchen Stellen sich das meiste Wasser ansammeln wird“, erläuterte Sutor. Doch die Fließpfadkarte könne nicht alle Risiken aufdecken. Sie sei mehr dafür da, eine erste Gefahrenanalyse aufzuzeigen. „In städtischen Bereichen können beispielsweise Bauwerke, Mauern und Kanalnetze nicht abgebildet werden“, erklärte Sutor.

Eine Starkregen-Gefahrenkarte könne noch mehr Licht ins Dunkle bringen. Sie baut laut Sutor auf der Grundlage der Fließpfadkarte auf. Die Starkregen-Gefahrenkarte zeige Gebäude und deren Sicherheit auf, auch Kanalnetze können simuliert werden. Im Falle eines Starkregens sei genau zu sehen, wo sich das Wasser sammeln würde und welche Bauwerke beziehungsweise Infrastrukturen gefährdet wären. Problematisch sei hier, dass man für die Erstellung ein Ingenieurbüro finden müsse: „Solche Büros sind spezifisch und im Zuge der Flutkatastrophen werden deren Kapazitäten momentan eher gering sein.“

Die Sirenenanlagen

Was die Ertüchtigung der Sirenenanlagen angehe, so sei es laut Sutor besser, noch etwas zu warten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat ein Förderprogramm ins Leben gerufen, das den Sirenennetzausbau bezuschussen würde. „Das Land Hessen hat diese Vereinbarung noch nicht unterzeichnet. Wenn es das aber tut, dann können wir als Kommune davon profitieren“, sagte Sutor.

Der Auftrag

Die Anwesenden beauftragten einstimmig den Magistrat damit, ein Hochwasserschutzkonzept für Grebenstein und die Stadtteile zu erstellen. Die entsprechenden Kosten sollen im Haushaltsplan 2022 eingeplant werden. Zudem soll der Magistrat die Sirenenanlagen im Stadtgebiet zur frühzeitigen Warnung und Alarmierung der Bevölkerung nach den „aktuellen technischen und rechtlichen Vorgaben instand setzen und in Betrieb nehmen.“ (Nela Müller)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.