Dem Schlappohr auf der Spur

Jäger im Kreisteil Hofgeismar schauen zweimal jährlich nach der Hasen-Population

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Nachwuchs mit dabei: Bei der Zählung saß Florian Böttgers Sohn Max hinten im Auto, um mitzuerleben, wie eine Taxation abläuft. Hier wird ihm erklärt, worauf sein Vater gleich achten muss.

Wie es um den Hasen steht, müssen Jäger aus dem Kreisteil Hofgeismar wissen. Seit drei Jahren findet im Frühjahr und Herbst deshalb in verschiedenen Revieren eine Hasenzählung statt.

Im Oktober war es wieder soweit: Ausgestattet mit einem Scheinwerfer suchten Florian Böttger und Marc Freund Feld- und Ackerflächen in einem Revier bei Schachten ab.

Zwei Stunden nach Einbruch der Dämmerung geht es los, denn das ist die Zeit, in der die Langohren aktiv werden. Da 200 Hektar abgesucht werden sollen, sind die beiden mit dem Auto unterwegs. „Marc fährt ganz langsam und ich schaue mit der Lampe, wo sich etwas bewegt und führe parallel eine Strichliste“, sagt Böttger, der seit Kurzem auch der Hegegemeinschaft Warmetal vorsteht. Bevor sie starten können, muss Böttger noch einige Angaben machen, beispielsweise über die Wind- und Sichtverhältnisse, wie der Mond steht und welche Temperatur herrscht. Dann kann die gut eineinhalbstündige Hasentaxation losgehen, eine Zählung, bei der der 40-jährige Immenhäuser verschiedene Ecken von Wiesen, Feldern und Ackern in einen Lichtkegel hüllt.

„Oft leuchten die Augen der Tiere durch das Scheinwerferlicht hellrot im Dunkeln auf, so kann man sie gut erkennen“, erklärt Freund. Dass es keine Massenzählung wird, ist den beiden Jägern von Beginn an klar, wissen sie doch, wie es um Hasen inzwischen bestellt ist. „Allerdings können wir einen jährlichen Zuwachs von fast 30 Prozent bei uns in Schachten feststellen, worüber wir sehr froh sind“, ergänzt der Fahrer dieses abends. Konkret bedeutet das 24 Hasen für diesen Abend im jetzigen Herbst und 19 für das Frühjahr. Übrigens werden auch weitere Tierarten bei der Tour festgehalten – „alles, was wir so sehen“ erklärt der Beifahrer und ergänzt „da hinten stehen ein paar Rehe“ und ein paar Meter weiter „und dort läuft ein Fuchs“.

Ein Blick über die Fläche: Florian Böttger (links) und Marc Freund bereiten sich auf die Hasenzählung vor.

Auch wenn die Zahlen nicht besonders hoch sind, so wertet Erhard Rüsseler vom Kreisjagdverein Hofgeismar den Besatz der Tiere inzwischen wieder als „stabil und sich positiv entwickelnd“. Zeiten wie in den 80er-Jahren, als allein bei einer Jagd eine Hasenstrecke von 140 Tieren zustande gekommen sei, seien leider Vergangenheit, so der KJV-Pressesprecher. Von der Hegegemeinschaft Warmetal, in der sich acht Reviere an der Taxation beteiligen, weiß er etwa zu berichten, dass auf hundert Hektar durchschnittlich acht Hasen vorkämen. Laut einer Zählung von 2009 sollen deutschlandweit elf bis 13 auf gleich großer Fläche sein. „Man darf nicht vergessen, dass wir ja nur einen Bruchteil der Hasen bei der Zählung sehen – real sind es natürlich mehr.“ Warum es um das Langohr nicht gut bestellt ist, weiß man in Jägerkreisen: Die großen Schläge der Landwirtschaft, die Monokulturen machten es den Tieren, die kleinparzellige Gebiete bevorzugen, schwer, Nahrung zu finden. Auch die vielen Chemikalien, die inzwischen ausgebracht werden, sowie das Fehlen von Hecken und Büschen als Schutzräume trügen ihren Teil dazu bei. 

Seit 2016 wird gezählt

Mit der neuen hessischen Jagdverordnung, die 2016 in Kraft trat, ist Hasenmonitoring vorgeschrieben. Auch die Hegegemeinschaften des Kreisteils Hofgeismar kontrollieren seitdem den Besatz. Von den 10 000 Hektar großen Hegegemeinschaftsflächen müssen 20 Prozent nach Hasen abgesucht werden. Zwei Touren sind von März bis April sowie von Oktober bis Dezember Pflicht.

Fuchs ist nicht am Rückgang schuld

Auch Rüdiger Germeroth von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Kassel weiß, dass es um die Hasenbestände nicht sonderlich gut bestellt ist. „Der Umbruch kam Mitte des vergangenen Jahrhunderts, als man in der Landwirtschaft begann Veränderungen einzuleiten.“ Welch positive Auswirkungen das Setzen von Hecken und Büschen, Brachflächen, unbehandelte Wegeränder, Wiesen und Stoppelfelder auf den Besatz hätten, habe ein Versuch auf den Flächen der Domäne Frankenhausen gezeigt. 

Dort konnte laut Germeroth nachgewiesen werden, dass es eben nicht an den Prädatoren wie Fuchs und Waschbär läge, die dort nicht bejagt wurden, sondern an fehlenden Schutzräumen und Nahrungsangeboten. „Unsere ausgeräumte Landschaft macht den Hasen zu schaffen“, sagt er und fügt an, dass es beim Rebhuhn seit den 80er-Jahren einen noch dramatischeren Rückgang gegeben habe, um 90 Prozent.

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