„Mister Juz“ geht noch nicht ganz

Joachim Ziechert geht nach über 40 Jahren Jugendarbeit in Grebenstein in Rente

 Joachim Ziechert, Sozialarbeiter für Jugend- und Kulturarbeit der Stadt Grebenstein von 1981 bis Ende Juli 2020.
+
Hat Generationen geprägt: Joachim Ziechert, Sozialarbeiter für Jugend- und Kulturarbeit der Stadt Grebenstein von 1981 bis Ende Juli 2020, war schon zuvor drei Jahre als Student im Jugendzentrum Grebenstein tätig.

Über 40 Jahre lang hat er die Jugend- und Kulturarbeit in Grebenstein geprägt, hat Generationen von Jugendlichen betreut.

Grebenstein – Mit Ablauf des Monats Juli geht er nun in Rente – der Sozialarbeiter Joachim Ziechert. Er macht nicht viel Aufheben um seine Person, Details zu seinem Privatleben sind ihm kaum zu entlocken. Immerhin erfährt man, dass er in Kassel geboren wurde, in einem Dorf im Landkreis Kassel aufwuchs und in Ehrsten wohnt, dass er gerne klassische Musik hört und Stücke von Mark Knopfler oder Norah Jones. Und zudem ist er ein großer Naturliebhaber, was auch in seine Arbeit im Jugendzentrum einfloss.

Seinen offiziellen Arbeitsvertrag bekam er 1981 vom damaligen Bürgermeister Georg Kooi, angefangen hatte er aber schon drei Jahre zuvor. Als das 1976/1977 sanierte Jugendzentrum eröffnet wurde, gab es noch kein Jugendarbeitskonzept in Grebenstein und ein eigenes Haus für Jugendliche war etwas unerhört Neues. Denn Jugendzentren auf dem Lande, wenn es sie überhaupt gab, befanden sich meist in Nebengebäuden oder Kellern.

„Mister Juz“ geht noch nicht ganz: Viele Projekte im Jugendzentrum

Der jetzt 65-jährige Ziechert absolvierte schon während seines Studiums gemeinsam mit zwei Kommilitonen ein Praktikum im Jugendzentrum Grebenstein, wo er anschließend als Honorarkraft arbeitete. Bis heute lehnt er den Begriff Jugendzentrumsleiter ab, weil es ihm immer um eine generationsübergreifende Jugend- und Kulturarbeit in Grebenstein ging. Das folgt einer Idee aus Amerika, die die Grenzen zwischen den Altersgruppen und Einrichtungen überwindet. Die vielen Projekte seither öffneten das Jugendzentrum auch immer nach außen, suchten Verbindungen mit den Schulen, der Volkshochschule und anderen Akteuren. Ziechert ging es darum, dass die Jugendlichen nicht nur den technischen Fortschritt erleben, sondern auch die Grundlagen und Konsequenzen in der Natur. So gibt es Klimawandel-Projekte und jährliches Apfelernten und Saftmachen, um Wissen aus dem Biounterricht praktisch umzusetzen.

Stolz: Die Theaterarbeit liegt Joachim Ziechert schon seit dem Studium im Blut. Das Bild entstand nach einer Aufführung der Theatergruppe Grebenstein. Neben ihm (3. von links) seine Frau Doris Heyer.

Über 20 Jahre hatte das Jugendzentrum eigene Rockgruppen, die zum Teil auch in der Gesamtschule probten. „Das ist leider im Augenblick nicht so gefragt“, bedauert Ziechert, denn die Kids von heute würden derzeit nicht selbst Musik machen, sondern sie lediglich aus dem Internet konsumieren.

Das Jugendzentrum Grebenstein rief auch ein offenes Malatelier ins Leben, Foto- und Videogruppen schufen beispielsweise Filme über Drogen oder über Gewalt. Sie waren mehrfach öffentlich zu sehen und machten die Arbeit des Jugendzentrums bekannt (seine Nachfolgerin hat eine Filmausbildung und wird das fortsetzen). Vor allem durch die Theaterarbeit wurde Joachim Ziechert einem größeren Publikum bekannt, denn bis heute gibt es drei Theatergruppen, die alle ihre Wurzeln im Jugendzentrum haben. Ziechert nutzte dabei seine theaterpädagogische Zusatzausbildung, die Gruppe spielt keine Stücke fremder Autoren, sondern erarbeitet sie sich jeweils in mehrjähriger intensiver Arbeit. In dem Dutzend Produktionen ging um den Wert und die Macht der Liebe, um das zu Tode amüsieren, um die Jagd nach Glück. Das jüngste Stück über „Impulsverhalten kontra Vernunft“, so der Arbeitstitel, über die Suche nach Halt und Richtschnüren für das eigene Leben, über richtig und falsch ist gerade in Arbeit. In zwei Jahren soll es fertig sein. Joachim Ziechert wird in der Theatergruppe Grebenstein ehrenamtlich weiterarbeiten. Langweilig dürfte es ihm also nicht werden.

Aktuelle Angebote im Jugendzentrum

Donnerstag: 16 bis 18 Uhr Kinder Juz (ab 8 Jahren), 18 bis 21 Uhr offener Jugendtreff (ab 14 Jahren)

Freitag: 17 bis 21.30 Uhr offener Jugendtreff (ab 14 Jahren)

Derzeit gelten besondere Corona-Regeln im Juz Grebenstein (Unterstadt, Steinweg 6). Beispielsweise dürfen maximal zehn Personen gleichzeitig im Haus sein und Essen sowie Getränke sind selber mitzubringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.