Terrorverdacht gegen Mann aus Kreis Kassel

Reichsbürger-Zelle hortete Waffen und Munition: Wie gefährlich ist der selbsternannte „Druide“ Karl B.?

Der selbsternannte Druide Karl Burghard B., der ursprünglich aus Grebenstein im Landkreis Kassel stammt, muss sich vor dem Landgericht Mannheim verantworten. (Archivfoto)
+
Der selbsternannte Druide Karl Burghard B., der ursprünglich aus Grebenstein im Landkreis Kassel stammt, muss sich vor dem Landgericht Mannheim verantworten. (Archivfoto)

Er soll Teil einer Gruppe mutmaßlicher rechtsextremer Waffensammler sein. Der ursprünglich aus Grebenstein stammende Karl B. muss sich vor dem Landgericht Mannheim verantworten.

Grebenstein/Mannheim - Am Freitag (07.01.2022) startete der Prozess gegen den heute 71-Jährigen und drei weitere Männer. Bis April sind derzeit neun weitere Verhandlungen angesetzt. Wie die Bild berichtet, sei Karl Burghard B., der sich selbst als Druide „Burgos von Buchonia“ bezeichnet, mutmaßlich der Anführer einer sogenannten Reichsbürger-Zelle. Vor dem Landgericht Mannheim muss er sich laut Bild unter anderem wegen elf Fällen der Volksverhetzung sowie mit drei weiteren Komplizen wegen unerlaubten Erwerbs von Munition verantworten.

Der selbsternannte Druide aus Grebenstein im Landkreis Kassel ist in den Medien längst bekannt. 2017 bestätigten im Kreisteil Hofgeismar lebende Angehörige gegenüber der HNA die Herkunft des Terrorverdächtigen. B. hatte damals Schlagzeilen gemacht, als er am 25. Januar 2017 mit sechs weiteren Verdächtigen bei einer bundesweiten Razzia gegen Rechtsextremisten festgenommen wurde und in Untersuchungshaft kam.

Anklage gegen Reichsbürger wegen Verstoß gegen das Waffenrecht und Volksverhetzung

Der Vorwurf lautet: Verdacht auf Verstöße gegen das Waffenrecht und Verdacht der Volksverhetzung. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten die Waffen selbst gebaut haben. So habe der handwerklich begabte Frank E. die Waffen gebaut und an seine Mitangeklagten weitergegeben. Klaus D., der als Sportschütze als einziger der Gruppe eine Waffenerlaubnis hatte, soll tausende legal gekaufte Patronen an Karl B. weitergegeben haben, heißt es. D. selbst soll zudem hundert illegale Patronen gelagert haben.

Dem gebürtigen Grebensteiner wirft die Anklage vor, die Waffen und Munition in seiner Wohnung sowie den Wohnungen zweier Freundinnen gelagert zu haben. Die verstreuten Waffenlager wurden im Januar 2017 bei einer Razzia ausgehoben. Die Ermittler fanden bei den Männern laut Landgericht eine große Menge an Munition sowie mehrere selbst hergestellte Waffen und Waffenteile sowie 1,4 Kilogramm Schwarzpulver. Zudem wurde ein Flammenwerfer entdeckt.

Zwischen Dezember 2015 und April 2016 soll Karl B. laut Anklage in zahlreichen öffentlich einsehbaren Einträgen in sozialen Netzwerken den Holocaust geleugnet, zum Mord an Juden aufgerufen und gegen Ausländer gehetzt haben, heißt es in der Anklageschrift weiter. Damit habe er zu Straftaten aufgerufen. Ins Rollen kam der Fall durch verdeckte Ermittler. Im Januar 2017 soll Karl B. tausend Patronen erhalten haben. Diese habe er an zwei Männer weitergeben wollen. Dabei handelte es sich aber um verdeckte Ermittler. Eine Übergabe fand nicht statt, weil die Munition bei der Razzia beschlagnahmt wurde.

Reichsbürger-Zelle hortete Waffen und Munition: „Druide“ Karl B. flog bei einer Razzia 2017 auf

Im Regionalfernsehen war das Gesicht des selbsternannten Druiden längst bekannt, als es 2017 plötzlich hieß: Karl Burghard B. soll terrorverdächtig sein. Damals hatte sich sein 63-jähriger Bruder, der in Grebenstein wohnt, auf Anfrage geäußert. Er hatte sich besorgt, aber gefasst gezeigt. B. habe einmal erwähnt, dass er Reichsbürger gut findet, die den deutschen Staat ablehnen. Sonst habe B. wenig von seinen Aktivitäten erzählt. „Es hat mich auch nicht interessiert“, sagte der Bruder seinerzeit gegenüber der HNA.

Die beiden waren in Grebenstein aufgewachsen, hieß es. Als B. zur Bundeswehr ging, trennten sich die Wege. B. sei erst nach Kassel gezogen, später nach Fulda. Festgenommen wurde er in Schwetzingen (Baden-Württemberg).

Mit allerlei Keltischem, Pfeil und Bogen sowie einem Räucherzelt konnte man den Rentner vor Jahren buchen, für Geschichten von keltischen Barden, Zauberern und Hexen – bei Hausmacher-Wurstbroten. Nachdem der gebürtige Grebensteiner 2017 zunächst in U-Haft gesessen hatte, kam er Ende August 2017 wieder auf freien Fuß. Die Staatsanwaltschaft ermittelte aber weiter. (neu/tty/afp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.