Projekt Notinsel in Calden: In 15 Jahren kein Notfall

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Plakat an der Eingangstür: Mitarbeiterin bei Optik Kloss, Riana Tauber, zeigt die Kennzeichnung des Ladens als Leon-Hilfe-Insel.

Grebenstein. In Calden wird das Projekt Notinsel aufgebaut. In Grebenstein gibt es seit Jahren ein ähnliches Projekt. Wir haben nachgefragt, welche Erfahrungen gemacht wurden.

Die Initiative der Hessischen Polizei „Leon-Hilfe-Inseln“ läuft in Grebenstein bereits seit 2001 in 14 teilnehmenden Geschäften. Der Polizeilöwe Leon, der auf dem großen Plakat an den Türen prangt, soll vor allem für Kinder, die verfolgt oder bedroht werden oder sich in ähnlichen Notsituationen befinden, das Signal einer schützenden, helfenden Anlaufstelle sein.

In den zehn befragten Geschäften in Grebenstein habe man allerdings seit dem Anfang noch keinen Kindern wegen solch einer Situation helfen müssen. Apothekenleiter der Löwen-Apotheke, Lutz Mohr, sagt: „Zwar war bei uns einmal ein Kind, dass sich körperlich unwohl gefühlt hat, oder eine Frau, die sogar einen Krankenwagen und erste Hilfe benötigte, aber da scheint eine Apotheke auch eine klassische Anlaufstelle zu sein. Kinder und Jugendliche, die sich bedroht gefühlt haben oder gar verfolgt wurden, hatten wir noch nie. Trotzdem: Jeder Fall, der vermieden werden kann, ist ein Gewinn.“

Notfallplan von Polizei

Trotz des noch nie da gewesenen Ernstfalls wisse man, wie sich verhalten müsse, sagt Yvonne Zarrath-Scholz von der Zahnarztpraxis Hauenschild. „Wir haben auch einen Notfallplan von der hessischen Polizei bekommen, wie wir uns in einem solchen Fall verhalten sollten.“ Sie würde das Kind zuallererst einmal beruhigen, dann die Eltern informieren und gegebenenfalls sogar die Polizei.

Normalerweise sollten alle Geschäfte, die an diesem Projekt teilhaben, einen großen, gut sichtbaren Zettel mit dem Leon-Hilfelöwen an ihrer Tür oder dem Schaufenster kleben haben, an fast der Hälfte der Geschäfte allerdings fehlte ein solches Plakat.

Alle Geschäfte ohne Plakat erklärten sich allerdings sofort bereit, nach einem solchen zu suchen oder ein neues zu organisieren und es wieder anzubringen. Das wirft dennoch die Frage nach der Notwendigkeit einer solchen gekennzeichneten Hilfe-Insel auf.

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Sollten im Ernstfall nicht alle Geschäfte helfen, egal ob sie eine Leon-Hilfe-Insel sind oder nicht? „Ich bin immer hilfsbereit, egal ob wegen des Projekts oder nicht, das sollte eigentlich Voraussetzung sein“, sagt Heike Serafin von der Fleischerei Feinkost Köhler. Allerdings befürworte sie die gekennzeichneten Anlaufstellen trotzdem, da die Kinder sich einfach sicherer fühlten und wüssten, dass sie dort Hilfe bekämen. So wie Serafin sehen das auch die meisten anderen Teilnehmer und nennen diese Sicherheit als Grund mitzumachen. Allerdings sind sich nicht alle sicher, ob die Kinder die tatsächliche Bedeutung des Projektes kennen und wissen, wo sich alle Anlaufstellen befinden.

Brunhilde Kloss, Inhaberin von Optik Kloss, erklärt: „Manche der Stellen sind nicht auf dem offiziellen Schulweg und somit laufen die Kinder dort nicht oft vorbei und wissen auch nicht, dass sie dort Hilfe bekommen. Auch in der Schule und mit den Eltern zuhause müssten solche Themen wie die Leon-Hilfe-Inseln thematisiert werden.“

Von Aline Fischer

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