Frisch vom Feld

Grebensteiner Landwirt baut auf zwei Hektar Fläche Knoblauch an

Premiere: Knoblauch in allerbester Qualität baute Timo Opfermann auf seinen Flächen bei Grebenstein erstmals an. In den kommenden Jahren will er sich entsprechende Maschinen für die Bearbeitung des Nischenproduktes anschaffen, da die Pflege sehr aufwendig ist. Tochter Smila ist auch gerne im Knoblauchfeld unterwegs.
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Premiere: Knoblauch in allerbester Qualität baute Timo Opfermann auf seinen Flächen bei Grebenstein erstmals an. In den kommenden Jahren will er sich entsprechende Maschinen für die Bearbeitung des Nischenproduktes anschaffen, da die Pflege sehr aufwendig ist. Tochter Smila ist auch gerne im Knoblauchfeld unterwegs.

Wer dieser Tage an der Halle des Grebensteiner Birkenhofs vorbeikommt, dem weht ein kräftiger Geruch entgegen.

Grebenstein – Kein Wunder, werden hier doch gerade Hunderte von Kilogramm Knoblauch für die Vermarktung vorbereitet. Für Landwirt Timo Opfermann ist es die erste Ernte der geruchsintensiven Knolle – ein vorsichtiges Herantasten an den Anbau eines für unsere Breiten eher untypischen Gemüses. Im Kreisteil Hofgeismar ist er nach eigenen Angaben aktuell der Einzige, der die Pflanze kultiviert.

Seit einigen Jahren scheinen aber zunehmend mehr Landwirte den Knoblauch als Produkt entdeckt zu haben. „Viele Kunden legen Wert auf Regionalität und Bio – und da Knoblauch zuvor fast nur importiert wurde und man frischen deutschen Knofi so gut wie gar nicht bekam, setzen nun einige auf das gesunde Gemüse“, berichtet der 37-Jährige. Opfermann selbst kam dazu, da er nach einer Pflanze Ausschau gehalten hatte, die „auch mit wenig Feuchtigkeit zurechtkommt“ – ist Trockenheit doch eines der Standardprobleme in der Landwirtschaft. Dass es derzeit an Niederschlag nicht mangelt und reichlich Regen auf die weißen Knollen prasselt, soll den Pflanzen aber nichts ausmachen, wie der Grebensteiner sagt. Einzig Staunässe könne zum Problem werden.

Warum Knoblauch längst nicht schon auf jedem Gemüseacker steht, er immer noch etwas Besonderes ist, durfte der Gemüsebauer die vergangenen Monate selbst erleben: „Alles in allem ist es eine sehr aufwendige Angelegenheit, da viel mit der Hand gemacht werden muss“, sagt er und schildert die einzelnen Kultur-Schritte: So hat der Jungunternehmer vergangenen Oktober ganze zwei Wochen lang mit einem fünfköpfigen Team Knollen gebrochen, mussten doch Anfang November die Zehen in die Erde. Erstes Grün habe er tatsächlich schon an Heiligabend auf seiner zwei Hektar großen Anbaufläche erkennen können. Dieses wurde dann im darauffolgenden März als aromatisches Knoblauchgras an seinem Marktstand verkauft.

Bis er erste Knollen im Juni ernten konnte, war erneut einige Fleißarbeit gefragt: „Oft waren wir mit der Hacke auf dem Feld, da mir noch die entsprechende Technik fehlt“, erinnert er sich. Denn Knoblauch möge keine Konkurrenzpflanzen neben sich wachsen haben.

In der Region erhältlich: Lebensmittelgeschäfte in Grebenstein und Immenhausen haben den frischen Knoblauch aus Grebenstein im Gemüseregal.

Ein Großteil des Nischenproduktes hat er nun Anfang Juli aus der Erde geholt – geerntet mithilfe eines Möhrenroders. Da viel Unkraut zwischen den Knollen hängt, müssten diese per Hand ausgelesen werden, bevor sie über eine weitere Maschine für die Kartoffelvermarktung laufen. „Da das Gemüse über Walzen läuft, ist keine Erde mehr dran, aber die Wurzel müssen wir dennoch per Hand abmachen und die Knollen in einer Kiste verstauen.“

Wenn der Knoblauch in den Handel geht, werden noch die äußeren, nicht allzu schönen Häute entfernt, damit er perfekt aussieht. Bei einem erwarteten Ernteertrag von fünf bis zehn Tonnen der jeweils um die 100 Gramm schweren Knollen kann man sich gut vorstellen, wie viele Hunderttausende der erntereifen Pflanzen von Hand bearbeitet werden müssen.

Timo Opfermann ist mit seinem Grebensteiner Knoblauch sehr zufrieden. Er habe nicht nur eine „hohe Qualität hat, sondern sei zudem superfrisch“ und werde zum Preis 1,99 Euro je hundert Gramm im heimischen Lebensmittel-Einzelhandel in Grebenstein und Immenhausen angeboten. Dreiviertel seiner Ernte verkauft er übrigens an die Lebensmittelindustrie, die daraus Knoblauch-Paste herstellt.

Neben dem frischen Produkt – dessen Verzehr laut Opfermann nicht die typische, für manche unangenehme „Knoblauch-Fahne“ mit sich bringt – hat er auch eine Sorte angebaut, die er trocknen möchte. Auf diese Weise gewinnt er Pflanzgut für die nächste Saison und kann auch im Winter Knoblauch aus der Region anbieten, da die frischen Knollen auch gekühlt nur ein paar Wochen haltbar sind.

Reichtümer wird der Landwirt bei dieser ersten Testrunde noch nicht erwirtschaften können: „Ich rechne mit einem kleinen Plus“, so seine Prognose. Grundsätzlich sei er zufrieden mit dem Versuch. Er will mit dem Knoblauch auf jeden Fall weitermachen und hat schon neue Ideen entwickelt, wie die Abläufe verbessert werden können. (Von Tanja Temme)

Seit einem Jahr Bio

Timo Opfermann bewirtschaftet 50 Hektar in der Gemarkung Niederhaldessen bei Grebenstein. Auf zwei Hektar baut er verschiedene Gemüsesorten an, die je nach Jahreszeit variieren. Vergangenen Herbst kamen nun noch zwei Hektar mit Knoblauch hinzu.

Auf den übrigen Feldern kultiviert der Grebensteiner Kartoffeln und Getreide. Der Hof befand sich seit 2017 in der Umstellung auf Bio – vergangenes Jahr durfte Opfermann erstmals biozertifizierte Produkte verkaufen.

In der Kasseler Markthalle betreibt Opfermann mit seiner Frau Jana einen Obst- und Gemüsestand, wo es viele regionale Produkte zu erwerben gibt.

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