Konzept stößt nicht nur auf Gegenliebe

Kommunikation mit Seniorenheim-Bewohnern in Grebenstein: Besuch im Container

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Besucher-Container: Besucher der Grebensteiner Seniorenresidenz können in dem Container Platz nehmen. Ihre Angehörigen können im Gebäude bleiben. Ein direkter Kontakt findet nicht statt, da beide durch eine Plexiglasscheibe getrennt bleiben.

„Die ideale Lösung gibt es nicht“, sagt Bernhard Rössler, Pressesprecher von Vitalis, dem Betreiber der Seniorenresidenz Reinhardswald in Grebenstein. 

Die ideale Lösung, die gab es bis Mitte März. Da konnten Angehörige und Bekannte die Bewohner der Altenheime besuchen, wann sie wollten. Ob der Besuch spontan oder länger geplant war, spielte dabei keine Rolle. Dann kam Corona und nichts war mehr, wie es vorher war. Erst gab es ein bundesweites Besuchsverbot, das Wochen später etwas gelockert wurde.

Viele Senioren, die mit Tablet oder Handy zuvor wenig im Sinn hatten, legten sich ein mobiles Endgerät zu um mit Familienangehörigen in Kontakt zu bleiben. Dennoch war die Situation insgesamt nicht einfach, sagt Siegmund Dwucet, der Leiter der Grebensteiner Einrichtung. Auf der einen Seite stehe der Gesundheitsschutz der Bewohner und der Mitarbeiter, auf der anderen der berechtigte Wunsch der Angehörigen, ihre Lieben zu besuchen.

Containerlösung

Als das Besuchsverbot aufgehoben wurde, hat man dann auch bei Vitalis reagiert. Zehn Einrichtungen betreibt das Unternehmen in Hessen, Thüringen und Bayern. Man habe sich bemüht, für jedes der Häuser die jeweils beste und praktikabelste Lösung zu finden, sagt Pressesprecher Rössler.

Für die Seniorenresidenz an der Hofgeismarer Straße in Grebenstein wurde die sogenannte Containerlösung gewählt. Konkret: ein Glasfenster wurde entfernt, und die Scheibe durch Plexiglas ersetzt. Die Bewohnerin nimmt auf einem Stuhl in einem Zimmer in der Residenz Platz und kann sich von dort durch das Plexiglas mit einem Besucher unterhalten, der vor dem Fenster in einem aufgeschnittenen Container Platz nimmt.

Damit es nicht dunkel ist, wurde das Dach durch Plexiglas ersetzt. „Das funktioniert ganz gut“, sagt Dwucet. Der Besuch müsse mindestens eine viertel Stunde vorher angemeldet werden, erläutert Pressesprecher Rössler das Prozedere.

Viel Besuch für Bewohner

Zum einen braucht es ja eine gewisse Zeit, bis die Senioren im Besucherzimmer sind, zum anderen müssten die Räume ja nach jedem Besuch desinfiziert werden. Durch die Anmeldung wird zugleich verhindert, dass mehrere Personen gleichzeitig einen Besuch abstatten wollen. Das nämlich könnte in Grebenstein leicht vorkommen. Etwa 90 Bewohner leben in der Residenz. Die meisten kommen aus der nahen Umgebung und stehen dementsprechend häufig in Kontakt mit Freunden und Verwandten. Gut 60 Prozent der Bewohner, so schätzt es Dwucet, hatte vor Corona mindestens einmal pro Woche Besuch. Die meisten sogar mehrmals.

Besucher über Containerlösung schockiert

Einer, der seine Mutter regelmäßig besuchte, war Lothar Seelig, der mit der Containerlösung nicht zufrieden ist. Wenn man durch eine Plexiglasscheibe getrennt sei, wäre es nur schwer möglich, eine Unterhaltung in Gang zu bringen, meint der Grebensteiner. Als er vergangene Woche den Container das erste Mal benutzte, „war ich schockiert.“ Bei Hitze sei es wegen des Plexiglasdaches sehr heiß, und wenn es regnet sehr laut. Außerdem könne man die Bewohner ja nicht auf Dauer einsperren.

Das jedoch wollen auch die Seniorenheime nicht. Sie sehnen die Normalität der Vor-Corona-Zeit ebenso zurück, wie Bewohner und Angehörige.

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