Enger Kontakt zu Schülern halte jung

Langjähriger Schulleiter geht: Abschied vom "Gesamtschul-Mensch"

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Wolfgang Burghard mit einem neu gepflanzten Ginkgo-Bäumchen auf dem Schulgelände, das eine 9. Klasse – inklusive des Genehmigungsantrags an die Stadt – zu seinem Abschied organisiert hat.

Grebenstein. Seit 16 Jahren ist Wolfgang Burghard Schulleiter an der Heinrich-Grupe-Schule (HGS) in Grebenstein. Am Mittwoch verabschiedet sich der 65-Jährige in den Ruhestand. „Es wird wohl ein paar Tränen geben", sagt er.

In seinen letzten Wochen an der Kooperativen Gesamtschule hatte sich der Schulleiter ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Er wollte sich von allen Schülern verabschieden, „jedem bekannten Gesicht die Hand schütteln“, wie er es ausdrückt. Eine Schülerin habe ihn bei dieser Abschiedstour durch die Klassen gefragt, ob er sich auf den Ruhestand freue. „Ja, aber ich habe meinen Beruf immer gern gemacht“, habe er geantwortet. Worauf genau freut er sich? „Auf mehr Zeit für Radtouren, für die Gartenarbeit und den ein oder anderen Besuch in einer spannenden Stadt, ohne dass der Hinterkopf schon wieder mit Planen beschäftigt ist“.

Den engen Kontakt zu seinen Schülern wird der 65-Jährige am meisten vermissen: „Das hält jung“, sagt er. Seine schönste Erinnerung: Dreimal stand er mit den Fußballmädchen der HGS im Olympiastadion in Berlin. Zweimal holten sie den Sieg bei „Jugend trainiert für Olympia“. „Das sind Momente, in denen das Sportlehrerherz höher schlägt“, erinnert sich Wolfgang Burghard. Die Bürokratie und das Budget-Jonglieren lässt er dagegen ganz gern hinter sich.

„Ich bin ein überzeugter Gesamtschulmensch“, sagt der scheidende Rektor, „hier findet sich ein Abbild der Gesellschaft wieder.“ Eine Schulkultur der Offenheit und gegenseitigen Wertschätzung sei das entscheidende Merkmal der Heinrich-Grupe-Schule. Auch deshalb habe er sich immer wieder entschieden, Leiter der Gesamtschule zu bleiben.

Schon mit dem Zweiten Staatsexamen in der Tasche sei ihm klar gewesen, dass er besondere Verantwortung übernehmen will. Seit 1984 leitete Burghard daher die Förderstufe der HGS, bevor er im Jahr 2000 Schulleiter wurde. „Schule prägt mehr, als wir uns vorstellen können“, sagt er. Dementsprechend wichtig sei es, die eigene Schulzeit nicht zu vergessen.

Kurz nach seinem Antritt als Direktor, im Februar 2002, antwortete Wolfgang Burghard in der HNA auf die Frage: Wie sieht die Heinrich-Grupe-Schule 2015 aus? Ein Auszug aus seiner Wunschliste damals: intensive Schulsozialarbeit, eine Ganztagsbetreuung inklusive Schulcafeteria und mehr Mitbestimmung bei Personalfragen. „Wenn es nach dieser Liste geht, hätte ich schon vor drei Jahren gehen können“, sagt Wolfgang Burghard zufrieden. Seine Visionen für die Gesamtschule seien gut aufgegangen, da blicke er durchaus mit Selbstbewusstsein zurück.

So ganz hat Wolfgang Burghard die Arbeit für die Heinrich-Grupe-Schule noch nicht abgelegt - die vielen Jahre der Gewohnheit lassen sich schwer abschütteln. „Die Schulsozialarbeit müsste das Land Hessen bezahlen“, findet er. Derzeit gebe der Landkreis stattdessen rund eine Millionen Euro im Jahr dafür aus.

Hintergrund: Das Schulleben von Wolfgang Burghard

Lieblingsfach: „Sport, aber Englisch hat stark aufgeholt.

Schlechteste Note: „Zwei Sechser in Chemie in der 11. Klassen, mein Lehrer damals war Feuerzangenbowlen-reif.“

Streiche: „Wir haben mal den Fiat 500 eines Klassenkameraden in einen Kircheneingang getragen.“

Berufswunsch: „Handwerker haben mich als Kind fasziniert. Beim Abitur wollte ich noch Architekt werden.“

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