Touristenmagnete werden teurer

Sanierung der Grebensteiner Stadtmauertürme ist aufwändig

Grebenstein Pulverturm
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Inspektion in 28 Meter Höhe: Grebensteins Bürgermeister Danny Sutor (links, mit Bauamtsleiter Kai Seuthe) zeigt ausgewaschene Fugen in der Kegelspitze des Pulverturmes.

Die Stadt Grebenstein hat einen der am besten und vollständigsten erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauerringe Nordhessens.

Grebenstein - Die erhaltenen Stadtmauertürme sollen besser für Touristen und auch Einheimische erlebbar machen. Die kürzlich begonnenen Sanierungsarbeiten haben aber gezeigt, dass das deutlich teurer wird als gedacht. Damit die Stadttürme zumindest teilweise geöffnet und erlebbar werden können, müssen sie der Reihe nach saniert werden, wie Bürgermeister Danny Sutor erläutert. Den Anfang hat der Lindenturm an der Nordostecke der Altstadt (nahe Kindergarten) gemacht – und bereits bei der dort angefangenen Sanierung wurden schlimmere Schäden festgestellt, als man zuvor angenommen hatte.

Allein beim Lindenturm sind somit Mehrkosten von knapp 60.000 Euro aufgetreten, wie Sutor vorrechnet. Gemeinsam mit den noch gravierenderen Schäden am zweiten Turm, dem Pulverturm, werden die Instandsetzungs- und Sicherungsarbeiten rund 260.000 Euro kosten. Ursprünglich waren für die Sanierung von vier Türmen insgesamt 300.000 Euro eingeplant, was die gesamte Maßnahme nun wegen der Finanzierung in die Länge ziehen wird. Immerhin ist die Sanierung Bestandteil der Städtebauförderung „Aktive Kernbereiche“ in Hessen und wird durch Bund und Land mit gut 72 Prozent gefördert.

Vor Baubeginn waren die Türme begutachtet worden, indem sie zum Teil erklettert oder mit Kamera-Drohnen umflogen wurden. Auf diesem Weg konnte aber nicht das gesamte Ausmaß der Schäden festgestellt werden, die sich im Mauerwerk verbergen.

Dabei wurde dann, wie auch der Steinmetz und Restaurator Michael Sachon (Heiligenstadt) bestätigt, festgestellt, dass die in den 1980er-Jahren vorgenommene Sanierung im wesentlichen oberflächlich erfolgte. In der Tiefe der Mauersubstanz fand keine Vermörtelung statt. Zudem wurde damals ein Mörtel mit Chemiezusätzen verwendet, die – wie bei einigen Holzschutzfarben – mehr Schaden anrichteten, als dass sie halfen.

Der Bürgermeister berichtet, dass in Grebenstein mehr Touristen Station machen als man denken würde. Etliche kämen sogar eigens, um die Stadtmauertürme und die übrigen Wehranlagen und Gebäude aus dem Mittelalter zu fotografieren. In Grebenstein stehen unter anderem zwei der ältesten Fachwerkhäuser Hessens aus dem 15. Jahrhundert. (Thomas Thiele)

Grebensteins Stadtmauer hatte 13 Türme

Das an einer mittelalterlichen Handelsstraße („Königsstraße“) gelegene Grebenstein hatte schon früh strategische Bedeutung als Grenzort zum Diemelland. Die Stadt wurde um 1300 ausgebaut und mit einer Mauer (6,50 Meter hoch, 1250 Meter lang) mit 4 Rund- (frühere Zählung 6) und 3 (2) Vierecktürmen vor allem gegen das mainzische Hofgeismar befestigt. Die Unterstadt wurde 1370 mit der Oberstadt vereinigt und erhielt auch eine Mauer (780 Meter) und sechs Türme.

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