Frauen im Beruf

Schachtenerin war in den 70er-Jahren Deutschlands jüngste Busfahrerin

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Rollender Arbeitsplatz: Heute sitzt Petra Käckel, Chefin des gleichnamigen Reiseunternehmens in Schachten, nur noch selten am Steuer.

Petra Käckel fing in den 1970er Jahren an, als Busfahrerin zu arbeiten. Das war zu dieser Zeit sehr selten. Heute blickt die nun 64-Jährige zurück.

Als die Deutschen noch Schlaghosen trugen, die schwedische Popgruppe Abba aus den Radios ertönte und gefüllte Eier zu jeder Party gehörten, waren Busfahrerinnen eine Seltenheit. Eine jener Ausnahmeerscheinungen war Petra Käckel. Die Schachtenerin wagte sich Ende der 1970er-Jahre nicht nur hinters Steuer eines zwölf Meter langen Vehikels, sie durfte sich seinerzeit auch mit dem Superlativ schmücken, Deutschlands jüngste Busfahrerin zu sein.

"Da gab es anfangs schon einige Bordsteine, die ich mitgenommen habe"

Als die gebürtige Wettesingerin 1972 in das Schachtener Busunternehmen einheiratete, arbeitete sie fortan im Betrieb mit. Kümmerte sie sich anfangs um die Büroarbeit und das Reinigen der Busse, so kam sie irgendwann auf die Idee, sich zur Busfahrerin ausbilden zu lassen. Das war, als Petra Käckel das 23. Lebensjahr erreicht hatte. Das sei seinerzeit das Mindestalter für den Busführerschein gewesen, berichtet sie. 

„Zuerst war ich gar nicht so begeistert von dem Gedanken, einen Bus zu fahren“, erinnert sich die 64-Jährige heute. Unsicher war sie, hatte Bedenken und Angst, doch ihr Schwiegervater und ihr Mann machten ihr Mut, sodass sie sich schließlich zur Fahrschule in Kassel anmeldete. „Da gab es anfangs schon einige Bordsteine, die ich mitgenommen habe. Aber nachdem mir mein Fahrerlehrer einige Tricks beigebracht hatte, lief es.“

Flotte Busfahrerin: Ein Mercedes-Benz-Bus O 302 war Petra Käckels erstes Fahrzeug, mit dem sie Personen beförderte. Sie fuhr Schulkinder aus dem Altkreis Hofgeismar zum Unterricht, aber auch Urlauber ans Meer und in die Berge.

Ein blauer Mercedes-Benz O 302 mit glänzenden Kunststoffsitzen war von 1977 an der rollende Arbeitsplatz der gelernten Bürokauffrau. „Ich war für die Schüler zuständig, fuhr nach Fürstenwald, Immenhausen und Calden beispielsweise, um die Kinder abzuholen und auch wieder nach Hause zu bringen.“ An das gute Verhältnis zu den Pennälern denkt sie noch immer gerne zurück. „Alle gingen sehr respektvoll mit mir um, man kannte sich und plauderte auch immer mal miteinander.“

Da die Busfahrerin ihre jungen Fahrgäste gut kannte, musste niemand Angst haben, die Schule zu verpassen. Wenn einer nicht an der Haltestelle gestanden hätte, habe sie einfach etwas gewartet und dann sei das Kind auch schon um die Ecke geflitzt gekommen, erinnert sie sich.

Verantwortung für das Leben anderer

Dass eine Fachkraft im Fahrbetrieb, wie die offizielle Berufsbezeichnung inzwischen heißt, in den 1970ern schon etwas Besonderes war, vermag Petra Käckel nicht abzustreiten. Natürlich sei man aufgefallen und die Leute hätten auch auffällig geschaut, wenn sie vorbeigefahren wäre, denn Busfahrerinnen habe es nur sehr wenige gegeben. Und wahrscheinlich erst recht nicht so attraktive.

Obwohl die Firmenchefin seit nun mehr 40 Jahren Busse lenkt, hat sie nie einen Unfall gebaut oder ein Knöllchen kassiert. Sie lege großen Wert auf vorsichtiges Fahren, immerhin trage man ja auch Verantwortung für das Leben anderer. Herausfordernd sei vor allem die Länge der Fahrzeuge, da brauche es Ruhe und Besonnenheit.

Auch dumme Sprüche oder ausfallend werdende Fahrgäste kennt sie bis heute nicht. „Inzwischen fahre ich nur noch im Notfall – wir haben fast 30 Angestellte, sodass ich mich auf die Büroarbeit und begleitete Flugreisen konzentrieren kann.“ Ihr Privatfahrzeug bietet übrigens einen echten Kontrast zum nicht gerade zierlichen Bus: Da lenkt sie ein kleines, spritziges BMW-Cabriolet.

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