Fleisch wird zum „Ramschprodukt“

Schweinemäster im Kreisteil Hofgeismar von Tönnies-Schließung betroffen

Schweine liegen in einem Stall eines Schweinehalters
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Schweine im Mastbetrieb

Der Corona-Ausbruch in der Tönnies-Schlachterei in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) betrifft auch die Schweinemäster in der Region. Am Tag der Schließung sollte ein Lastwagen mit Schlachtschweinen vom Hof von Jörg Kramm in Grebenstein nach Rheda-Wiedenbrück fahren.

Die Tiere mussten zu einem anderen Schlachthof gebracht werden, berichtet Jörg Kramm, der auch Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Kurhessen ist. Für größere Mastbetriebe wie seiner sei Tönnies die nächste Adresse im Umkreis von 100 Kilometern, sagte der Landwirt. Kleinere Schlachthöfe wie in Bad Arolsen, Warburg oder Heiligenstadt könnten die Mengen gar nicht verarbeiten, die ein Mastbetrieb anliefere.

Bei Kramm rollt etwa alle zwei Wochen ein vollbeladener Lastzug von seinem Betrieb in Richtung Schlachthof. Andere Schlachthöfe müssen jetzt dafür einspringen. Tönnies sei ein guter Geschäftsmann, erklärte der Landwirt im Gespräch mit der HNA. Er habe erkannt, dass die Verbraucher billiges Fleisch haben wollten. Mit dieser Nachfrage sei sein Betrieb gewachsen. Außerdem gelinge es ihm, Produkte zu vermarkten, die woanders nicht genutzt werden. So exportiere der Konzern viele Nebenprodukte in den Fernen Osten und könne somit billiger arbeiten als andere.

Auswirkungen der Tönnies-Schließung im Kreisteil: Kundgebung der Metzger-Innung

Wenn in Deutschland die Wertschätzung für Lebensmittel und insbesondere für Fleisch wieder größer wäre, dann würde der Preis für die Erzeuger steigen. Und dann könnte wohl auch mehr regional über Metzgereien verkauft werden, sagte Kramm. Gerade Fleisch sei in den vergangenen Jahren zu einem Ramschprodukt geworden. „Wenn Verbraucher bereit wären, einen vernünftigen Preis zu bezahlen, hätten wir das Problem nicht“, ergänzte der Grebensteiner Landwirt.

Nach dem Corona-Ausbruch im Rheda-Wiedenbrücker Fleischwerk Tönnies will die Fleischerinnung Hofgeismar/Wolfhagen mit einer Kundgebung am 24. Juni auf ihre Arbeit aufmerksam machen. Unter dem Motto „Wir Fleischer schlachten selber“ weisen die Betriebe darauf hin, dass sie „Wertschöpfung aus der Region für die Region“ betreiben.

Auswirkungen der Tönnies-Schließung im Kreisteil: Tierwohl auf der Agenda

Damit trügen sie zum Erhalt kleinbäuerliche Strukturen bei. Außerdem stehe das Tierwohl „ganz hoch auf unserer Agenda“, heißt es in der Ankündigung weiter. Dazu trügen auch kurze Transportwege bei. Metzger arbeiteten nicht mit Werkverträgen, sondern zahlten auskömmliche Gehälter.

Der Korso beginnt um 14.30 Uhr mit Treckern und Viehanhängern auf dem Viehmarkt-Platz in Hofgeismar. Anschließend demonstrieren die Metzger auch in Wolfhagen für ihr Anliegen.

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