Spannende Einblicke in die Geschichte der Burg Grebenstein

Intensiv geforscht: Anhand von alten Urkunden und Handschriften hat Wolfgang Tölle vieles über die Geschichte der Burg Grebenstein erfahren. Fotos: Gitta Hoffmann

Grebenstein. Die neue Ausstellung des Ackerbürgermuseums Grebenstein, die am Wochenende öffnet, befasst sich mit der Geschichte der Burg Grebenstein. Erstmals können anhand von urkundlichen Belegen viele Vermutungen bestätigt und überlieferte Geschichten verbrieft werden.

Die Geschichte der Burg beginnt im Jahr 1265, als sie von Ludolph von Dassel „zum Schutze seiner Güter“ erbaut wurde. Knapp vierhundert Jahre später (1641) wurde sie zerstört und aufgegeben. Bereits 1297 wurde die Burg an den Landgrafen von Hessen verkauft und blieb auch seitdem in dessen Besitz. Daher befinden sich die alten Urkunden aus der Zeit heute im Staatsarchiv in Marburg - in Grebenstein ist kaum etwas zu finden.

Versiert führt Wolfgang Tölle durch die Ausstellung, die er zusammengestellt hat. Er ist seit 32 Jahren ehrenamtlicher Museumsleiter und kennt sich bestens in der Geschichte Grebensteins aus.

„Die alten Leute erzählen immer, dass man das Trinkwasser für die Burg vom Kressenbrunnen mithilfe von Eseln auf den Burgberg schaffen musste“, berichtet Tölle, „ich habe jetzt mit einer Urkunde aus dem Jahr 1749 den Beweis dafür gefunden.“

Die Bilder der Ausstellung zeigen die Burg im Laufe der Jahre. Vor 1400 gibt es jedoch keine Ansicht. In späteren erkennt man, dass das Dach der Burg rot war, also aus Ziegeln bestanden haben muss. Funde im Burghof belegen das. Jedoch deutet eine Zeichnung von 1705 darauf hin, dass die Burgruine damals schon kein Dach mehr hatte.

Das älteste Foto ist auf 1880 datiert. Wie man erkennen kann, war der Burgberg bis dahin auch noch nicht bewaldet. Die Aufforstung begann in jenem Jahr.

Zugbrücke nachgewiesen 

Zu Hochzeiten der Burg lebten etwa 30 Menschen hier, wie Tölle anhand von Gesinderechnungen erfahren hat. „Das Sagen hatten die Burgmannen“, erläutert er, „und die hatten mit Glasfenstern und Windläden schon einigen Komfort.“ Wolfgang Tölle hat Belege dafür gefunden, was auf der Burg gegessen wurde, was man ankaufte oder reparieren ließ. Sogar die bislang vermutete Zugbrücke über den Wassergraben kann er nachweisen. Nur der vielfach vermutete Geheimgang zwischen Burg und Burgmühle ist auch weiterhin im Bereich der Sagen anzusiedeln, so Tölle.

Zwei Jahre intensive Arbeit hat Wolfgang Tölle in die Ausstellung gesteckt, kann nun auch archäologische Funde vorstellen, wie etwa die tönerne Ausgusstülle einen Gefäßes zum Händewaschen. Die Tieraquamanile stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

In einem zweiten Teil der Ausstellung sind 22 Ansichten auf Grebenstein zu besichtigen. Das Museum besitzt insgesamt über 50. Neu hinzugekommen sind unter anderem von Carl Armbrust „Das Burgtor im Winter“ (1923) und das Aquarell „Frühling“ (1911). „Gerne würden wir unsere Sammlung noch vergrößern“, betont Wolfgang Tölle, „wenn jemand ein Bild von Grebenstein für uns hätte, wären wir sehr dankbar.“

Die Ausstellung im Ackerbürgermuseum Grebenstein , Schachtener Straße, öffnet am Sonntag, 16. November 2014 und ist bis zum 15. März 2015 jeweils sonntags 15 bis 17 Uhr zu besichtigen.

Von Gitta Hoffmann

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