Mann soll Anschläge geplant haben

Terrorverdächtiger selbsternannter Druide stammt aus Grebenstein

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"Burgos von Buchonia": Terrorverdächtig. 

Grebenstein. Der bei einer bundesweiten Razzia festgenommene Terrorverdächtige Burghard B. (66) stammt gebürtig aus Grebenstein. Das bestätigen im Kreisteil Hofgeismar lebende Angehörige.

Im Regionalfernsehen machte er Karriere als komischer alter Kauz mit weißer Kutte, Wallehaar und Räucherstäbchen: Jetzt gilt Burghard B., selbsternannter Druide und vormals Versicherungsvertreter aus Grebenstein, als Hauptverdächtiger der Bundesanwaltschaft. Die Anwälte beim Bundesgerichtshof ließen am Mittwoch bei einer bundesweiten Razzia gegen Rechtsextremisten in sechs Bundesländern Wohnungen durchsuchen. Sie ermitteln gegen B. und fünf weitere Beschuldigte wegen Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Die Gruppe soll den Reichsbürgern nahe stehen, Waffen, Sprengstoff und Munition gehortet haben.

Sein 63-jähriger Bruder wohnt in Grebenstein. Er zeigt sich besorgt, aber gefasst. B. habe einmal erwähnt, dass er Reichsbürger gut findet, die den deutschen Staat ablehnen. Sonst habe B. wenig von seinen Aktivitäten erzählt. „Es hat mich auch nicht interessiert“, sagt der Bruder.

Druiden-Dasein brachte kaum Geld

In der Regel habe er nur einmal im Jahr Kontakt zu B. gehabt und zuletzt mit ihm an Weihnachten telefoniert. Zu den Terrorvorwürfen gegen B. erklärt der Grebensteiner: „Ob er so abgedreht ist, wie es dargestellt wird, weiß ich nicht.“ B. habe viele Fehler im Leben gemacht. Dass er als selbsternannter Druide lebte und sich Burgos von Buchonia nannte, fand sein Bruder gut – auch wenn es kaum Geld brachte.

Die beiden waren in Grebenstein aufgewachsen. Als B. zur Bundeswehr ging, trennten sich die Wege. B. sei erst nach Kassel gezogen, später nach Fulda. Festgenommen wurde er in Schwetzingen (Baden-Württemberg). Besondere Sorgen macht sich der Bruder um die Partnerin von B., mit der der Grebensteiner Kontakt aufnehmen will: „Die hat das nicht verdient.“

Eine weitere nahe Verwandte bestätigt, dass sie B. schon mindestens 30 Jahre nicht mehr gesehen habe. Als die Eltern noch lebten, sei er ab und zu mal zuhause gewesen. Auf den aktuellen Nachrichtenbildern habe sie ihn wegen seiner langen Haare und seines Bartes wiedererkannt. Diese Frisur habe er auch schon in den 70er Jahren gehabt. Gegen B. wurde am Donnerstag Haftbefehl wegen Volksverhetzung erlassen.

Mit Pfeil und Bogen

Mit allerlei keltischem Simsalabim, Pfeil und Bogen sowie einem Räucherzelt („Bei Erkältungen sehr zu empfehlen!“) konnte man den Rentner buchen, für Geschichten von keltischen Barden, Zauberer und Hexen – bei Hausmacher-Wurstbroten. Zugleich war der 66-Jährige offenbar bestens in rechtsextremen Zirkeln vernetzt. Bei Facebook und auf der russischen Internetseite VK.Com finden sich unter B.s Klarnamen und seinem Druiden-Pseudonym üble Hetzparolen: „Mein Selbsterhaltungstrieb sagt mir, dass ich die Juden und Moslems vernichten muss, bevor diese meine Sippe oder meine Familie vernichten“, zitiert die ARD einen Post.

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