Bauern bleiben bei der Rübe

Trotz längerer Transportwege nach Wabern lohnt sich der Rübenanbau

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Zufrieden mit der Ernte. Zur vorläufigen Bilanz der Kampagne 2019 trafen sich am Mittwoch auf dem Giedehof bei Grebenstein (von links): Peter Voepel (Vorstandsmitglied Regionalbauernverband), Rüdiger Nagel (Geschäftsführer Verband der Zuckerrübenanbauer), Konrad Giede-Jeppe, Jörg Kramm (stellvertretender Vorsitzender Regionalbauernverband) und Ralf Desel (Geschäftsführer Regionalbauernverband).

Alle Proteste von Landwirten, Politikern und der Stadt Warburg vergangenes Jahr waren vergeblich: Die Südzucker AG rückte von ihrer Entscheidung, die Zuckerfabrik Warburg zu schließen, nicht mehr ab.

Daher fahren in diesen Wochen nun die letzten Transporte ins Ostwestfälische. Ab Januar beliefern die Anbauer der Region dann nur noch das Südzucker-Werk in Wabern.

Als Besitzer der Rübenmaus, einer riesigen Verlademaschine, organisiert Wolfgang Kersting seit vielen Jahren die Transporte im Anbaugebiet zwischen Kassel und Höxter. Um sich auf die neuen logistischen Bedingungen einzustellen, schickt er schon in der laufenden Kampagne an drei Tagen die Woche die Lkw nach Wabern und an drei Tagen nach Warburg. Ab Januar gehen dann die bis dahin noch nicht verladenen Mieten komplett nach Wabern. Denn am 31.12. erlischt in Warburg die Betriebsgenehmigung.

Für die Landwirte, die einen Teil der Transportkosten tragen, erhöhen sich damit die Aufwendungen. Betrug die Fahrtzeit nach Warburg für die meisten nur etwa eine halbe Stunde, so ist der Weg nach Wabern mehr als doppelt so lang.

CO2-Speicher: Ralf Desel, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes, wirbt für die Zuckerrübe. 

Um die gesamte Ernte in der von Südzucker gesetzten Frist nach Wabern zu bringen, muss Kersting statt bisher elf Lkw, nunmehr 19 einsetzen. Ab nächstes Jahr wird in der Kampagne dann 24 Stunden täglich gefahren. Nach Warburg reichte die Tagschicht von acht Stunden aus, um alle Rüben abzuliefern.

Doch trotz der erschwerten Transportbedingungen „bleiben die Landwirte bei der Rübe“. Davon ist Rüdiger Nagel, Geschäftsführer des Verbandes der Zuckerrübenanbauer Kassel e.V. überzeugt. Denn einerseits ist die bodenbelebende Rübe wichtig in der Fruchtfolge und andererseits können die Anbauer mit der diesjährigen Ernte ganz zufrieden sein. 

Lagen die Ertragsprognosen aufgrund des wiederum trockenen Sommers vor Beginn der Kampagne noch unter dem fünfjährigen Mittel, so haben die milden und regenreichen Monate Oktober und November noch für Wachstum der Pflanzen gesorgt. So können die Anbauer im Mittel von einem Ertrag von 77 bis 80 Tonnen pro Hektar ausgehen.

Zucker und Masse stimmen

Das einzige was im vergangenen Jahr bei der Zuckerrübenernte stimmte, war der hohe Zuckergehalt der Früchte. Dürre und Sonne hatten den süßen Stoff auf über 20 Prozent steigen lassen. Das glich den Nachteil der viel zu klein geratenen Früchte ein wenig aus. Aufgrund des wiederum trockenen und heißen Sommers sorgten sich die Anbauer auch diesmal einmal mehr um die Ernte. Aber eine günstige Niederschlagsverteilung in den vergangenen Monaten ließen die Zuckerrüben doch noch gut gedeihen. 

„Wir gehen aktuell von einem Zuckergehalt von 18,3 Prozent aus“, sagt Rüdiger Nagel, Geschäftsführer des Verbandes der Zuckerrübenanbauer Kassel. Das liege nur leicht unter dem langjährigen Mittel. Allerdings würden die Hektarerträge in der Region stark streuen, da auch 2019 kleinräumig sehr unterschiedliche Witterungssituationen mit Starkregen, Hagel und stark ausgeprägter Trockenheit vorkamen. Die Niederschläge ab der zweiten Septemberhälfte hätten sich dann aber noch positiv auf die spät zu rodenden Flächen ausgewirkt. Deutliche Ertragszuwächse seien die Folge. 

Die Spannbreite sei jedoch erheblich, sagt Jörg Kramm, stellvertretender Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Kurhessen. So gebe es schwache Standorte mit nur 40 Tonnen Ertrag pro Hektar, aber auch Spitzenerträge von 100 Tonnen. Im Mittel würden wohl 77 bis 80 Tonnen erreicht. „Das entspricht dem fünfjährigen Durchschnitt“, sagt Rüdiger Nagel. Nach jetzigem Stand falle die Ernte insgesamt deutlich besser aus als 2018. 

Wie die Preise ausfallen, das lasse sich indes erst nach Abschluss der Kampagne im Januar/Februar sagen. Vergangenes Jahr erzielten die Zuckerrübenanbauer einen Preis von rund 30 Euro pro Tonne. Für Bio-Zuckerrüben wurden 110 Euro und mehr bezahlt. Allerdings ist der Pflegeaufwand in diesem Segment wesentlich höher und der Hektarertrag nur etwa halb so groß wie bei den konventionell erzeugten Rüben.

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