Landwirte in der Nähe von Calden sind beunruhigt

Verlust von Ackerfläche: Erst Airport, jetzt Ortsumgehung

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Lebt vom Ackerbau: Melanie Koch und ihre Familie haben schon beim Bau des neuen Flughafens Land abgeben müssen. Nun sind sie wegen des geplanten Baus der Ortsumgehung Calden zum zweiten Mal betroffen.

Grebenstein. Die Landwirte Melanie und Markus Koch blicken dem Bau der geplanten Ortsumgehung in Calden mit gemischten Gefühlen entgegen.

„Ich weiß, dass dies für Calden nötig ist, das seh ich ein“, sagt Melanie Koch. Doch seien sie und ihre Familie die Leidtragenden bei der Sache, weil die Ortsumgehung teilweise über die Ackerfläche der Kochs gebaut wird. „Dabei müssen wir zwar keine kompletten Flächen abgeben, aber mehrere kleine Stücke.“

Die Kochs leben vom Ackerbau und besitzen einen Aussiedlerhof zwischen Grebenstein und Schachten. Mit der Ortsumgehung müssen sie nun zum zweiten Mal in wenigen Jahren etwas von ihrem Land hergeben. Das erste Mal kamen die Forderungen von der hessischen Landgesellschaft beim Bau des Kassel Airports. Die Kochs verloren etwa 20 Hektar und auf ihrem ehemaligen Acker befindet sich nun ein Teil des neuen Flughafens.

„Da kam dann einfach ein Brief, in dem uns mitgeteilt wurde, dass Land von uns benötigt wird“, erklärt Koch. Dann wurde verhandelt, wo eventuelle Ausgleichsflächen geschaffen werden können oder ob der Verlust finanziell entschädigt wird. „Wir brauchen kein Geld, wir brauchen Ackerfläche, um unseren Betrieb auch in Zukunft am Laufen zu halten.“ Denn die Kochs planen, dass der Betrieb noch lange Zeit besteht, da eine ihrer Töchter Interesse an der Landwirtschaft habe und den Hof eines Tages vielleicht übernehmen könne.

Doch auch wenn die Flächen ausgeglichen werden - die betroffenen Landwirte müssen oft trotzdem Nachteile in Kauf nehmen. „Wir müssen nun zu einem Acker weiter fahren und der Weg ist schlechter“, erklärt Koch. Das bedeute, dass die Maschinen schneller verschleißen und mehr Sprit benötigt werde.

Dazu komme die persönliche Komponente: „Wir sind stolz auf jedes Stück Land, das uns gehört oder wir dazukaufen. Wenn einem dies wieder weggenommen wird, ist das schon sehr schwer.“ Außerdem zerrten die Verhandlungen an dem Nerven, „Wir sind keine Juristen und mussten uns wegen der Verhandlungen über unser Land und eventuelle Ausgleichsfläche erst informieren“, sagt Melanie Koch. Es habe viele Abende gegeben, an dem die ganze Familie zusammensaß, um sich zu beraten.

Wirklich dagegen an komme man aber am Ende nicht. „Man kann über Einzelheiten verhandeln, aber sich nicht weigern, seine Ackerfläche herzugeben.“

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