Abriss und Neubau in Grebensteins Altstadt

Weg mit Schandfleck: Bordell muss Wohnhaus weichen

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Katastrophaler Zustand: Das „Happy Night“ am Grebensteiner Hochzeitsberg soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. 

Grebenstein. Grebensteins Altstadt könnte in absehbarer Zeit eine weitere bauliche Bereicherung erleben und damit einen Schandfleck verlieren.

Nach der Fertigstellung des Vorzeigeprojektes Hagenmühle und der voranschreitenden Sanierung des Gebäudes Marktstraße 28 zeichnet sich nun auch für den Dauerbrenner „Happy Night“ eine Lösung ab.

Ein privater Investor, der Architekt Marco Herdina (Grebenstein), steht mit einem Neubaukonzept in den Startlöchern. Voraussetzung: die Bezuschussung aus dem Innenstadtförderprogramm Aktive Kernbereiche. Den Antrag auf 300 000 Euro Fördermittel wird jetzt die Stadt Grebenstein stellen. So hat es das Stadtparlament einstimmig beschlossen. Für die Gewährung sieht Bürgermeister Danny Sutor „gute Chancen“. Dann habe der Planungsentwurf realistische Chancen auf Umsetzung. 

Blick in die Zukunft: Der geplante Neubau in südlicher Ansicht. Geplant sind drei große Wohnungen mit Balkonen sowie eine weitere Wohnung im angrenzenden ehemaligen Wirtschaftsgebäude. Das Erscheinungsbild soll sich an die Umgebung anpassen. Entwurf: 

Die Stadt selbst würde, wie bei der Hagenmühle, maximal 30 000 Euro zuschießen. In der Vergangenheit hatte es bereits diverse Überlegungen für eine Lösung auf dem Grundstück in markanter Lage am Hochzeitsberg gegeben. Sie alle scheiterten an der Finanzierbarkeit. Das als „Happy Night“ bekannte Gebäude im Eigentum der Stadt hat eine wechselvolle Geschichte (siehe Hintergrund), in der die zeitweilige Nutzung als Bordell nur eine Episode darstellte. Seit 20 Jahren herrscht Leerstand im Haus Hochzeitsberg 7, der sichtbare bauliche Verfall begann schon deutlich früher. Längst passt die landläufige Bezeichnung Rattenburg. Bürgermeister Sutor zu den Stadtverordneten: „Das droht, uns bald vor die Füße zu fallen.“

Mit Ausnahme von zwei mittelalterlichen Gewölbekellern einer Vorläuferbebauung steht das baufällige Haus nach Auskunft von Architekt Herdina, der dem Grebensteiner Magistrat für die FDP angehört, nicht unter Denkmalschutz. Sein Konzept: Abriss des Bestands, um mit einem Neubau zeitgemäßen Wohnraum in attraktiver Innenstadtlage zu schaffen. Geplant sind drei familientaugliche Wohnungen à 100 Quadratmeter, jeweils mit Balkon in Südlage. Die zuletzt für Wohnzwecke genutzten Räume im ursprünglichen Wirtschaftsgebäude auf der Westseite sollen zu einer modernen vierten Wohnung (70 Quadratmeter) ausgebaut werden. Geschätzte Kosten insgesamt: knapp 900 000 Euro.

Einen Wiederaufbau des Hauses eins zu eins könne es nicht geben, sagt der Architekt, weil die heutigen gesetzlichen Abstandsflächen einzuhalten sind. Die Gestaltung aber, versichert Herdina, werde sich an die historischen Vorbilder in der Nachbarschaft anlehnen: Satteldach mit roter Ziegeleindeckung, Holzverschalung im Dachbereich und Besenstrichputz. Der Baubeginn ist nicht vor 2018 zu erwarten. Bei den Voruntersuchungen für das Projekt konnte die planende Architekturwerkstatt Ackerbauer Warmuth Herdina (Immenhausen) auf eine städtebauliche Analyse des Kasseler Architekturstudenten Lukas Osterberg zurückgreifen.

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