Pionier der Chemie und Botanik 

Wihelm Pfeffer: Vor 100 Jahren starb Grebensteins größter Sohn

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Erinnerung an Pfeffer: Ein Relief an der Löwen-Apotheke in Grebenstein erinnert an Wilhelm Pfeffer, den größten Sohn der Stadt. 

Er schrammte knapp am Nobelpreis vorbei und sein Name ist aus der Botanik und Chemie dank der Pfefferschen Zelle nicht wegzudenken: Wilhelm Pfeffer.

Heute vor 100 Jahren starb der in Grebenstein geborene Universitätsprofessor in Leipzig.

Pfeffers Vater war Apotheker und sein Elternhaus die heutige Löwen-Apotheke gegenüber dem Rathaus in der Grebensteiner Innenstadt. Ein Relief erinnert noch heute an den großen Sohn der Stadt.

Geboren wurde Wilhelm Pfeffer am 8. März 1845. Als Apothekersohn lag es nahe, dass er beruflich in die Fußstapfen seines Vaters trat. Er studierte nach der Apotheker-Gehilfenprüfung Chemie und Physik, promovierte mit 20 Jahren zum Dr. phil. und wurde mit 28 außerordentlicher und mit 42 Jahren ordentlicher Professer. 

Er etablierte die Botanik 

Er lehrte und forschte an mehreren Universitäten, zuletzt in Leipzig, und machte die Botanik zu einer anerkannten wissenschaftlichen Fachrichtung. Dass sich die Botanik zu einer quantitativen Wissenschaft entwickelt habe, sei Pfeffer zu verdanken, so der Kasseler Evolutionsbiologe Professor Ulrich Kutschera. Noch 1850 wurden Botaniker als „Händler, die Blumen pflücken und trocknen“, belächelt.

Dann kam Pfeffer. Er wies als einer der ersten nach, dass Biologie ohne Physik und Chemie nicht verstanden werden könnte. Berühmt wurde er vor allem durch seine Forschungen zum osmotischen Druck. Er baute das erste praxistaugliche Messgerät und bewies durch verschiedene Experimente Regelmäßigkeiten beim Pflanzenwuchs. 

Dass sich Pflanzen und Blüten auch ohne Tageslicht bewegen können, war beispielsweise eine seiner Erkenntnisse. Durch seine Grundlagenforschungen gab Pfeffer vielen Wissenschaftler seiner Zeit Anregungen für weitergehende Erkenntnisse.

Am Nobelpreis vorbei

Als 1901 der erste Nobelpreis für Chemie an den Niederländer Jacobus Hendricus van´t Hoff vergeben wurde, beruhte dessen Forschung über chemisches Gleichgewicht auf den Erkenntnissen von Pfeffer.

Nach heutigen Gepflogenheiten, da ist sich Professor Kutschera sicher, hätte der Nobelpreis zur Hälfte dem Grebensteiner zugestanden.

So aber ging er leer aus. Die Gabe, sich selbst zu vermarkten, hatte er nicht. Und als er heute vor 100 Jahren in Leipzig starb, blieb dies von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Das große öffentliche Interesse an seiner Person gibt es auch heute nicht. Die „Pfeffersche Zelle“ kennt jeder Abiturient, über den Namensgeber selbst weiß aber kaum jemand etwas.

Dass Besucher nach Grebenstein kommen, und sich nach dem Wissenschaftler Pfeffer erkundigen, komme so gut wie nie vor, erzählt man im Rathaus. Das Relief über dem Eingang der Apotheke ist noch die augenfälligste Erinnerung in Grebenstein an den wohl größten Sohn der Stadt. Zudem wurde eine Straße nach ihm benannt. Auch das Ackerbürgermuseum widmete Pfeffer in der Vergangenheit schon eine große Ausstellung.

Warum der Regen Kirschen platzen lässt

Wilhelm Pfeffer war Begründer der modernen Pflanzenphysiologie. Wann immer Schüler im Biologie-Unterricht mit Osmose zu tun haben, stoßen sie auf den Grebensteiner. Die Pfeffersche Zelle, ein Osmometer, wurde 1877 von dem Grebensteiner als Modell konstruiert. Unter Osmose verstehen Naturwissenschaftler, einfach ausgedrückt, den Fluss von molekularen Teilchen durch eine Trennschicht.

 Als anschauliches Beispiel gilt das Aufplatzen einer Kirsche bei Regen: Die Regentropfen dringen durch die Kirschenhaut, nach innen, weil die Frucht viele gelöste Stoffe (beispielsweise Zucker) enthält, der Regen aber wenige. Die Kirschhaut ist in dem Fall die Membran. Sie ist selektiv permeabel, wie die Wissenschaftler sagen: Sie lässt nicht alles durch - und nur in eine Richtung

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