15 bis 20 Windanlagen seien realistisch

Windkraft im Reinhardswald: EGR und Partner schlossen Vertrag

Grebenstein. Die Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR) und ihre Partner stehen ab sofort bereit, um im Reinhardswald Windkraftanlagen zu planen, zu bauen und zu betreiben.

Die Bedingung: Das Land muss die Flächen dafür anbieten. Am Montag unterzeichneten Vertreter der Genossenschaft, der Stadtwerke Union Nordhessen (Sun) und der EAM einen Kooperationsvertrag.

Die EGR ist ein Zusammenschluss von neun Kommunen der Nordspitze. Ihr Ziel ist, den Bau von Windkraftanlagen im Reinhardswald in die Hand zu nehmen, sobald dort Windräder gebaut werden dürfen. Die Idee: Die Wertschöpfung soll in der Region bleiben, die Kommunen sollen profitieren und die Zahl der Windräder im Wald beeinflussen. Kritiker werfen der EGR vor, damit den Windradbau voranzutreiben.

Bei der Zahl der Windkraftanlagen gebe es keine unterschiedlichen Vorstellungen zwischen Kommunen und Energieversorgern, hieß es: Realistisch seien 15 bis 20 Anlagen für den nördlichen Reinhardswald. Nun stehe man im Bereitschaftsmodus, sagte EGR-Vorstand Kai Georg Bachmann. Denn ob und wann Windräder gebaut würden, liege allein beim Land. Gegenwind kommt von Windkraftkritikern: Die EGR-Mitglieder seien nicht Interessenvertreter der Kommunen, sondern „Vasallen von Hessen Forst“.

In einer Sache dürften sich Kritiker, Mitglieder und Partner der Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR) wohl einig sein: Dass sich Kommunen in Sachen Windradplanung und -bau zusammenschließen, Vorverhandlungen mit dem Land Hessen führen und sich Partner vor Ort zur Umsetzung suchen, ist sehr ungewöhnlich.

„Kommunen übernehmen sonst eher eine passive Rolle, hier ist es eine starke, aktive“, sagte EAM-Geschäftsführer Thomas Weber bei der Vertragsunterzeichnung im Rathaus Grebenstein. „Wir freuen uns, dass die Bürgermeister voran marschieren“, erklärte Dr. Thorsten Ebert, Geschäftsführer der Sun Stadtwerke Union. Mit ihrer Unterschrift sorgten die Partner der EGR dafür, dass die bereits geschlossene Vereinbarung zwischen EGR-Mitgliedern und Partnern in Kraft tritt.

Das bewerten freilich nicht alle positiv: Denn vor dem Rathaus bezeichneten zwei Windkraftkritiker mit einem eilig gebastelten Transparent EGR, Sun und EAM als „Totengräber des Reinhardswaldes“.

Solchen Vorwürfen treten die Energiegenossen und ihre Partner entgegen. Die Botschaft war daher nochmals: Ohne das Land Hessen rührt die EGR keinen Finger. „Es geht nur darum, dass wir handlungsbereit sind,“ sagte Grebensteins Bürgermeister Danny Sutor. Erst wenn das Land die Flächen im Reinhardswald für Windkraftanlagen ausschreibe, lege die EGR los. Und in die Vereinbarung sei ebenso ein Parlamentsvorbehalt eingebaut, wie eine Bürgerbeteiligung, betonte Trendelburgs Bürgermeister Kai Georg Bachmann.

Das bedeutet: Sollte aus der Kooperationsvereinbarung ein konkretes Projekt werden, müssen die Gemeindeparlamente darüber abstimmen. Und wird das Projekt realisiert, werden Einwohner des Kreisteils die Möglichkeit haben, sich daran finanziell zu beteiligen.

Dass die Wahl auf Sun und EAM fiel, liegt an der Grundidee der EGR: die Wertschöpfung in der Region zu halten. So bringen die Stadtwerke und der regionale Energieversorger Kapital und Fachwissen mit, um das Projekt umzusetzen. Zudem wolle man dafür sorgen, dass der im Reinhardswald erzeugte Strom „in der Steckdose der Bürger landet.“

Das sagen die Kritiker

Beim Versuch, in die Pressekonferenz der Energiegenossenschaft zu kommen, scheiterten sie, dafür äußerten die Windkraftkritiker Klaus Becker (Gieselwerder) und Oliver Penner (Lippoldsberg) hinterher in einer Mitteilung ihre Kritik. Es ist ein Satz in einem Schreiben des Landes Hessen, der die Windkraftkritiker besonders aufbringt: Dort ist die Rede von „der optimalen Ausnutzung des Vorranggebietes für Windenergie“. „Das heißt: so viel, wie irgend möglich in die Fläche Langenberg reinpacken und an den Stellen bauen, wo der Wind am stärksten weht“, erklären die Windkraftkritiker.

Das sei wirtschaftlich ja zwingend geboten: Auch die EGR müsse die „Gewinnmaximierung im Auge haben, ansonsten finden sie keine Geldgeber“. Das bedeute, dass Oberweser oder Wahlsburg, als zwei von acht Gemeinden der EGR, eben gerade nicht die Anzahl reduzieren und Standorte verträglich beeinflussen könnten. „Auch zeigt die Stellungnahme aus Wiesbaden deutlich, dass Hessen Forst und die EGR seit Langem gemeinsam einvernehmlich daran arbeiten, möglichst schnell einen Windpark vor unserer Nase bauen zu können.“

Rubriklistenbild: © dpa

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