Chance für Hecken und Brennnessel

Gottsbürer haben großen Grünstreifen am Feldrand angelegt

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Kennt sich aus: Matthias Moos weiß, wie man mit Pflanzen umgeht. Hier schneidet der Sababurger überstehende Ausläufer ab.

Mit der zunehmenden Landwirtschaft sind Hecken aus unserer Kulturlandschaft verschwunden. Initiativen wie in Gottsbüren sollen den wertvollen Lebensraum erhalten.

Es gibt immer mehr Bestrebungen, Büsche und Sträucher wieder in die Feldflur zu pflanzen. So auch in Gottsbüren, wo eine kleine Gruppe einen solchen Lebensraum anlegte.

Angestoßen wurde die Aktion von Ortsvorsteherin Mira Hennecke, die schon Erfahrung mit dem Setzen einer Hecke gesammelt hat. „Wir haben selbst eine Hecke auf unserem Land in der Gemarkung gepflanzt“, sagte sie. Einen passenden Ort für so ein Vorhaben zu finden, sei meist der Knackpunkt. 

Denn „in der Regel ist es nicht einfach, Flächen zu finden, da Landwirte oft nur ungern etwas abgeben“, bemerkte Dr. Reiner Kunz von der unteren Naturschutzbehörde. Deshalb rät Hennecke, von Stadt und Kirche nach Flächen für ökologische Projekte zu schauen.

Biobauer stellt 100 Meter langen Grünstreifen bereit 

Recht flott ging es bei der Flächensuche allerdings in Gottsbüren voran. Schnell fand sich ein Eigentümer, der mitmachte: Am Rand eines abschüssigen Ackers oberhalb von Käßpfuhls Teich stellte Biobauer Uwe Morell einen fünf Meter breiten und mehr als 100 Meter langen Streifen bereit. 

Der bleibe in seinem Besitz und er bekomme nach wie vor die Förderung für den Streifen, hieß es vor Ort. In dem frisch umgebrochenen Boden wachsen die eher kleinen Hecken-, Zimt- und Hundsrosen, aber auch größere Hartriegel-, Haselnuss-, Weißdorn- und Kornelkirschenpflanzen sowie Setzlinge von Elsbeeren, Hainbuche und Feldahorn.

Kennt sich aus: Matthias Moos weiß, wie man mit Pflanzen umgeht. Hier schneidet der Sababurger überstehende Ausläufer ab.

„Wichtig ist, dass es alles heimische Arten sind“, erklärte die Ortsvorsteherin. Wer sich unsicher sei, könne im Internet beim Geoportal Hessen recherchieren.

200 Pflanzen haben Hennecke und ihre Mitstreiter in ein paar Stunden in die Erde gebracht. Fünf Jahre wird es wohl mindestens dauern, bis daraus eine richtige Hecke gewachsen ist.

„Einige werden die Hecke sicher als ungepflegten Bereich ansehen, doch da sollte ein Umdenken stattfinden“, sagt Mira Hennecke. Hecke, Brennnesseln oder ein ungemähter Ackerrand: Das mag für manche nicht ordentlich aussehen, ist aber für den Erhalt der Artenvielfalt sehr wichtig. 

Grünstreifen sind wertvoller Lebensraum

So sind Hecken für viele Pflanzen und Tieren ein wertvoller Lebensraum. Von Amphibien über Bienen und Vögel bis hin zu Kleinsäugern profitierten viele Arten von Hecken in der Feldflur. Die bieten außerdem noch Schutz vor Feinden, sind Überwinterungsquartiere sowie Wohn- und Nahrungsraum. Wichtig seien die Feldgehölze auch für die Landwirtschaft, weil sie unter anderem Bodenerosionen verhindern. Und für Mira Hennecke sind Hecken auch etwas fürs Auge, erhöhen sie doch die landschaftliche Vielfalt.

Die UNB hat für die Pflanzung 700 Euro bereitgestellt. „Man muss ja nicht unbedingt eine Hecke pflanzen, es gibt auch Geld für andere Vorhaben wie Streuobstwiesen, Feuchtbiotope oder Alt-armnaturierungen, sagte Kunz. Interessenten sollten einfach die Initiative ergreifen und Geld beantragen.

Geld für Projekte wie Grünstreifen ist vorhanden

Menschen wie Mira Hennecke dürfte es gerne mehr geben, sagt Rüdiger Germeroth von der unteren Naturschutzbehörde. 300 000 Euro ständen dort für Projekte zur Verfügung. Es fehle aber geeigneten Förderanträgen. Germeroth unterstrich, dass für biotopaufwertenden Maßnahmen Geld zur Verfügung stehe. Eine Förderung sei in der Regel unproblematisch, weil Germeroth die Antragsteller bei allen Schritten unterstützt. Die Gottsbürer Hecke ist so gut wie für die Ewigkeit gesichert, weil sie in ein Naturschutzregister eingetragen wird.

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