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Heimatverein entdeckt historischen Galgenplatz in Trendelburg

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Von: Natascha Terjung

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Auf einem Hügel am Hassel stand früher ein Galgen mit zwei oder drei Steinsäulen. Jetzt erinnert ein Gedenkstein an die Richtstätte, den Diethart Rindermann (von links) und Egon Haake vom Heimatverein sowie Bürgermeister Martin Lange kürzlich einweihten.
Auf einem Hügel am Hassel stand früher ein Galgen mit zwei oder drei Steinsäulen. Jetzt erinnert ein Gedenkstein an die Richtstätte, den Diethart Rindermann (von links) und Egon Haake vom Heimatverein sowie Bürgermeister Martin Lange kürzlich einweihten. © Natascha Terjung

Wo heute ein bewaldeter Hügel ist, rollten früher die Köpfe: Unweit der katholischen Kirche in Trendelburg stand bis ins 18. Jahrhundert ein Galgen. Das hat der Heimatverein Trendelburg in „detektivischer Kleinarbeit“ herausgefunden.

Trendelburg – Auf Initiative des Vereins und mit Unterstützung der Stadt steht statt des Galgens auf dem kleinen Hügel am Hassel nun ein Gedenkstein sowie eine Infotafel – damit das Vergangene nicht in Vergessenheit gerät, sagte der Erste Vorsitzende Diethart Rindermann bei der Einweihung.

Doch wie findet man eigentlich solche historischen Orte? Der erste Anhaltspunkt war der Straßenname Hassel: Richtstätten sind früher so bezeichnet worden, erzählt Egon Haake von Heimatverein. „Richtstätten waren in Haselbüschen eingefriedet, daher kommt die Bezeichnung“. Dann stießen die Vereinsmitglieder auf eine Karte von 1705, auf der in Trendelburg ein stilisiertes Zeichen eines Galgens zu sehen war, ähnliches fanden sie auch auf einem Stich von 1646.

Um den genauen Standort der ehemaligen Richtstätte bestimmen zu können, warf Rindermann einen Blick von der Trendelburg aus auf das Waldstück am Hassel. Der Richtplatz war von dort aus gut einsehbar, eine Verwechslung also unmöglich: „Der Hügel war früher nicht bewaldet und Richtstätten sollten immer für alle Bürger gut sichtbar sein. Das diente als Mahnung“, erklärt Rindermann.

Vergangenes soll sich nicht wiederholen

Ob am Trendelburger Galgen allerdings Hinrichtungen stattgefunden haben, lasse sich heute nicht mehr nachvollziehen. Anders in Gottsbüren, wo es ebenfalls einen Richtplatz gab. Egon Haake erzählt von Balthasar Feine, der 1562 dort wegen Wilddiebstahls „dem Volke vorgestellt wurde“, um den Menschen zu zeigen, dass so eine Tat nicht geduldet wurde, zitiert Haake eine alte Aufzeichnung der Geschehnisse. Doch der Scharfrichter sei gnädig gewesen, Feine sei nur das rechte Auge ausgestochen und ein Hirschhorn auf die Stirn gebrannt worden. Sollte er aber noch mal Wilddiebstahl begehen, wollte man ihn an einem Baum aufhängen.

Auf der Infotafel gibt es Wissenswertes über die historische Richtstätte zu lesen.
Auf der Infotafel gibt es Wissenswertes über die historische Richtstätte zu lesen. © Terjung, Natascha

Solche Geschichten nachlesen zu können, ist sehr wichtig und kann dazu beitragen, dass sich Vergangenes nicht wiederholt, sagte Rindermann. Für Bürgermeister Martin Lange gilt es vor allem, das historische Wissen über Trendelburg zu erweitern. „Erinnerungen machen uns zu dem, was wir sind. Das ist bei einer Stadt nicht anders“, sagte er bei der Einweihung des Gedenksteins. Der Heimatverein mache es mögliche, dass man sich an das alte Trendelburg erinnern könne. Daher habe die Stadt den Verein mit 300 Euro für die Infotafel gern unterstützt.

Den 700 Kilogramm schweren Stein hat der Natursteinvertrieb Jahn aus Helmarshausen gestellt, der Steinmetzbetrieb Becher aus Helmarshausen kümmerte sich laut Rindermann „für’n Appel und’n Ei“ um die Inschrift. „Das ist ein Zeichen von Heimatverbundenheit und für die Unterstützung sind wir sehr dankbar“, sagt Rindermann. (Natascha Terjung)

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