Eurocopter in Calden

Eurocopter in Calden: Wo die Kanzlermaschine gewartet wird

Kanzlermaschine in Einzelteilen: Der Cougar-Hubschrauber ist komplett zerlegt. Ende Juni soll das schwere Fluggerät wieder einsetzbar sein. Unser Foto zeigt Fluggerätemechaniker Olaf Hoyer bei seiner Arbeit. Fotos: Pinto

Calden. Jedes einzelne Teil wird akribisch geprüft und bei Bedarf ersetzt - das Motto lautet: Sicherheit, Sicherheit und nochmals Sicherheit. Ein Besuch der Helikopterwerft von Eurocopter auf dem alten Flughafengelände in Calden. Dort werden Fluggeräte repariert, generalüberholt oder umgebaut.

Der große Hubschrauber der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums sieht erbärmlich aus: Haupt- und Heckrotor ab, Türen und Inneneinrichtung raus, komplett zerlegt. Tausende von Einzelteilen liegen über die ganze Halle der Helikopterwerft von Eurocopter auf dem alten Flughafengelände in Calden verstreut. Ein Riesenpuzzle aus Schrauben, Kabeln, Schläuchen, Elektronik, Aggregaten, Instrumenten, Ventilen, Verkleidungen, Fahrwerk-Komponenten und, und, und...

Knifflige Arbeit: Jörg Jäger (links) und Werftleiter Detlef Käsemann beraten die Vorgehensweise.

Die Drehflügler-Spezialisten brauchen oftmals Monate, um in die Jahre gekommene Fluggeräte zu überholen oder umzubauen. Bei der 15 Jahre alten Maschine der Flugbereitschaft sind es 8000 bis 9000 Mannstunden. Die große Cougar des deutsch-französischen Hubschrauberbauers, die in der zivilen Ausführung Superpuma heißt, ist einer von drei Hubschraubern, mit der Regierungsmitglieder zu Terminen geflogen werden. Prominentester und häufigster Nutzer ist Bundeskanzlerin Angela Merkel, weshalb das Fluggerät umgangssprachlich Kanzlermaschine heißt.

Aber das Bundesverteidigungsministerium und die Bundeswehr sind bei weitem nicht die einzigen Kunden der Caldener Hubschrauberexperten. Polizei, Rettungsdienste und staatliche Stellen aus dem In- und Ausland gehören ebenso zum Kundenstamm wie private Betreiber in aller Welt. Eine Spezialität der Caldener ist der aufwändige Umbau von Helikoptern für den Einsatz auf See – etwa bei der täglichen Versorgung von Öl- und Gasplattformen.

Robert Stürzer

Und das Geschäft brummt. „Wir sind auf absehbare Zeit ausgelastet“, sagt Werftchef Robert Stürzer. 63 feste Mitarbeiter sowie sieben Fachleute aus der konzerneigenen Service-Gesellschaft gehören derzeit zu seinem Team. Hinzu kommen 15 Beschäftigte, die in der Außenstelle Bückeburg, die 14 Ausbildungshubschrauber der Bundeswehr betreuen. 70.000 Flugstunden hat die Flotte unter Eurocopter-Betreuung unlängst absolviert.

Den Jahresumsatz beziffert Stürzer mit rund 15 Millionen Euro. Zum Ertrag macht er keine Angaben.

So aufwändig Umbau, Modernisierung und Generalüberholung sind, für den Kunden lohnt sich die Ausgabe. Denn ein großer Hubschrauber kostet nicht nur einen zweistelligen Millionenbetrag, es dauert auch drei Jahre bis er ausgeliefert wird. Neue Helikopter von der Stange gibt es praktisch nicht.

Um technisch immer auf dem Laufenden zu bleiben, investiert Stürzer jährlich 120.000 bis 180.000 Euro in die Qualifikation der Mitarbeiter. Hinzu kommt ein ähnlicher Betrag für Ausrüstung. 2012 entstand für 220.000 Euro eine neue Lackierhalle, in die auch die ganz großen Hubschrauber passen. Außerdem will Stürzer demnächst eine eigene Tankanlage bauen sowie frei gewordene Hallen als Lagerfläche von der Flughafengesellschaft als Eigentümerin der Immobilien anmieten. Der Flughafenbetreiber will übrigens direkt hinter die Eurocopter-Hallen einen so genannten Heliport einrichten, also einen eingezäunten Hubschrauberlandeplatz.

Von José Pinto

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