2,5 Millionen Euro Investitionen

Mehr Betrieb in der ehemaligen Klinik Helmarshausen: Betreiber kauft Gebäude

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Die ehemalige Kreisklinik Helmarshausen: Seit drei Jahren ist das Haus an Ascleon Care vermietet. Jetzt hat das Kasseler Gesundheitsunternehmen die Immobilie vom Landkreis Kassel gekauft.

Die ehemalige Klinik in Helmarshausen ist auf dem Weg zu einem Gesundheitszentrum wieder einen Schritt vorangekommen. Der bisherige Mieter Ascleon Care hat das Gebäude gekauft.

Der bisherige Mieter Ascleon Care hat das Gebäude jetzt vom Kreis gekauft, ist dabei, kräftig zu investieren und will dies auch in den nächsten Jahren tun. Insgesamt rechnet Christoph Jaworski, der Geschäftsführer des Gesundheitsunternehmens, mit Ausgaben von 2,5 Millionen Euro in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren.

Nachdem die Gesundheit Nordhessen die Klinik schloss, war die Zielrichtung beim Kreis als Besitzer der Immobilie klar: Der Komplex soll weiter medizinisch und pflegerisch genutzt werden. Mit Ascleon Care fand man einen Partner, der diese Ziele mittrug. 

Positive Entwicklung in Helmarshausen

Es gab mehrere Pläne, letztlich wurde im Erdgeschoss eine Tagespflege mit 25 Plätzen errichtet, die von etwa 40 älteren Menschen regelmäßig genutzt wird. Doch die Nachfrage nach Tagesbetreuung ist hoch. „Wir erweitern auf 32 Plätze“, sagte Jaworski auf Anfrage unserer Zeitung. Die Zahl der Mitarbeiter wird sich voraussichtlich um sieben auf dann 28 erhöhen.

Geschäftsführer Christoph Jaworski

Doch das wird nicht alles bleiben. Nachdem sich die Entwicklung in Helmarshausen für das Unternehmen positiv gestaltet, setzt Ascleon Care weiter auf gesundes Wachstum. 

In Helmarshausen stationäre Pflegebetten schaffen

Der erste Schritt war, die Immobilie vom Kreis zu kaufen. So wird das Unternehmen vom Mieter zum Eigentümer. „Wenn wir die Versorgung auf dem Land nicht stärken, stirbt dass flache Land“, umschreibt der Geschäftsführer die Philosophie seines Hauses.

Folgerichtig werde man das Angebot nicht nur bei der Tagespflege ausweiten. Im ersten Geschoss soll eine Wohngruppe für Menschen entstehen, die beatmet werden müssen. Außerdem wird dort Dr. Gerold Herz eine Praxis für physikalische und rehabilitative Medizin eröffnen.

Herz ist in Nordhessen kein Unbekannter: Acht Jahre war der Orthopäde im Carolinum tätig, bevor er sich als Orthopäde in Bad Karlshafen selbstständig machte.

Ein weiteres Ziel, das Ascleon für Helmarshausen verfolgt ist die Schaffung von stationären Pflegebetten. Und wenn möglich die Ansiedlung weiterer Ärzte. 

Altes Schloss in Helmarshausen

Zu den besonderen Bauwerken in Helmarshausen zählt nicht nur die Krukenburg, sondern auch das Schlösschen. Schon im 16. Jahrhundert gab es westlich des früheren Klostergeländes ein Schloss. 1874 wurde ein neues Schloss im Auftrag von Gustav Adolf von Bentnik errichtet. 1946 wurde es Landeskrankenhaus, dann übernahm die Arbeiterwohlfahrt und dann die Gesundheit Nordhessen, die es vor fünf Jahren schloss.

Neuer Arzt bestens bekannt

Dr. Gerald Herz betritt die ehemalige Kreisklinik in Helmarshausen und vieles kommt ihm bekannt vor. Hier hatte er schon praktiziert, erzählt er und fühlt sich gleich heimisch, auch wenn sich in den vergangenen Jahren, seit der Kasseler Gesundheitsdienstleister Ascleon Care das Gebäude übernahm, einiges geändert hat. 

„Wir haben hier alles renoviert“, sagt dessen Geschäftsführer Christoph Jaworski. Vor drei Jahren mietete das Unternehmen das Gebäude vom Kreis und investierte einen sechsstelligen Betrag, um es teilweise zu renovieren. 

Im Erdgeschoss entstand eine Tagespflege mit 25 Plätzen. Da nicht alle jeden Tag kämen, werden etwa 40 Männer und Frauen regelmäßig betreut. Aktivität wird großgeschrieben. Altenpfleger Udo Kümmerling nimmt einen Ball mit Buchstaben und überreicht ihn einem Mann im Stuhlkreis: „Fällt jemandem zu den Buchstaben auf dem Ball eine Stadt ein?“, fragt er und vereinzelt kommen Antworten. 

Angebot für den ländlichen Raum

„Die Gäste sollen sich wohlfühlen“, sagt Jaworski und offensichtlich machen sie es. Ob beim Rätseln, beim Sitz-Volleyball oder beim Basteln. „Die wenigsten kommen aus Bad Karlshafen“, blickt der Geschäftsführer in die Statistik. Hümme, Trendelburg, Brakel seien überdurchschnittlich stark vertreten. Man will ein Angebot für den ländlichen Raum machen, ihn stärken, begründet er den Kauf der Immobilie vom Kreis. Und deshalb will die Gesellschaft nicht nur das Erdgeschoss nutzen, sondern auch das Obergeschoss. 

In der Praxis: Dr. Gerald Herz (links), Harald Kühlborn und Christoph Jaworski (Geschäftsführer).

Dr. Herz wird Praxis eröffnen 

Dr. Herz wird dort eine Praxis eröffnen. Halbtags soll sie besetzt sein, sagt der Orthopäde, der erst vor kurzem seine Praxis an seinen Nachfolger übergab. 

Doch Ruhestand war nichts für den 70-Jährigen. Im Januar öffnet er die Praxis für physikalisch und rehabilitative Medizin (PRM). Dieser Zweig sei in Deutschland relativ spärlich vertreten, sagt er. 

Doch der Vorteil sei, dass man nicht „nur“ Orthopäde sei, sondern über das Fachgebiet hinausschaue. Und nicht so stark von den Kassen gegängelt wird, wie sonst üblich. Patienten nach der Operation, mit Schmerzen oder Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen sind bei ihm an der richtigen Adresse. 

Ziel ist die Zusammenarbeit mit anderen Ärzten, auch mit der Gesundheit Nordhessen. „Viele Patienten gehen jetzt zu Fachärzten nördlich unserer Stadt“, sagt Dr. Herz. Vielleicht kann man, nimmt Jaworski den Gedanken auf, Ärzte aus der Klinik von Hofgeismar für Sprechstunden in Helmarshausen gewinnen, um hier Sprechstunden anzubieten: „Die Räume sind ja da.“ 

Helmarshausen nicht für Notfallmedizin ausgerichtet

Ein medizinisches Versorgungszentrum in dem über 1000 Jahre alten Ort könnte sich auch der Landkreis gut vorstellen, sagt Pressesprecher Harald Kühlborn. Kollidieren mit dem Neubau der Klinik in Hofgeismar würde es nicht, denn für Notfallmedizin ist Helmarshausen nicht ausgerichtet, selbst wenn die vier Operationssäle im Obergeschoss mit wenigen Handgriffen wieder reanimiert werden könnten. 

Möglich sei, blickt Kühlborn in die ferne Zukunft, dass es einmal wieder ambulante Operationen gibt. 

Bei Ascleon Care hätte man nichts dagegen. Doch zunächst geht man die Projekte an, die man selbst beeinflussen kann: Zehn Plätze für Beatmungspatienten werden nächstes Jahr geschaffen, die Tagespflege erweitert und die stationäre Pflege geplant. 

Wie es langfristig weitergeht, wird auch die Nachfrage entscheiden, sagt Jaworski. Durch die Mitarbeit von Dr. Herz habe man jedenfalls einen großen Schritt für die medizinische Versorgung Nordhessens getan.

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