Amseln überlebten den Hessentagsabbau

Vogelmama: Roswitha König peppelt drei Amseljunge auf. Das Nest war in einer Hessentagshütte.

Hofgeismar. Mitten auf dem Hessentag hatten sich Amseln in einer Hütte bei der Ausstellung Natur auf der Spur eingenistet. Die Kleinen päppelt jetzt Roswitha König auf.

Wenn ein Vogeljunges noch nicht selbstständig fliegen kann und dennoch plötzlich das schützende Nest verlassen muss, kann das schon brenzlig werden. Bei drei jungen Amseln wäre das vergangene Woche fast so gekommen, würde es nicht Roswitha König geben, die sich ihrer angenommen hat.

In einer der Hütten des Hessentages, die im Hofgeismarer Mühlenfeld für Natur auf der Spur aufgebaut waren, hatte ein Amselpaar gebrütet. Vergangenen Donnerstag, als die Buden abgebaut werden sollten, setzte sich eine Tierschützerin für die kleine Vogelfamilie ein, informierte König, die eine Wildvogelhilfestation auf ihrem Grundstück eingerichtet hat. „Es ist sehr ärgerlich, denn hätten die kleinen Amseln noch zwei Tage Zeit gehabt, wären sie aus dem Nest geflogen und hätten sich normal weiterentwickeln können“, erklärt die Hofgeismarerin.

Da die Hütten aber nun mal abgebaut werden sollten, musste ein Lösung her. „Natürlich habe ich die Drei sofort aufgenommen - ursprünglich waren es sogar vier, eines davon hat aber tot im Nest gelegen.“

Für König sind es natürlich nicht die Roswitha König ersten Amselkinder, die sie aufpeppelt. Außerdem sind es nicht die Einzigen, für die sie derzeit Ersatzmutter ist. „Tagsüber füttere ich die Kleinen alle zwei Stunden mit Insekten und Obst.“ Am Anfang sei das gar nicht mal so einfach gewesen, da die wilden Tiere schon relativ alt gewesen seien und sie als Feind angesehen hätten. Deshalb musste die Tierfreundin auch mit etwas Nachdruck füttern - Schnabel öffnen und dann mit einer Pinzette das Futter einführen. Seit zwei Tagen sperren die kleinen Braunen sogar selbstständig ihre Schnäbelchen auf, fordern regelrecht ihr Futter, was das Ganze erleichtert.

Rund zwei Wochen werden die Vogelwaisen wohl noch bei Familie König verbringen. „Wenn ich sehe, dass sie selbstständig ihr Futter im Käfig zu sich nehmen, werde ich sie in meine Voliere im Garten setzten.“ Mit Drosseln, Tauben und weiteren Amseln werden sie dort dann noch einige Zeit verbringen, bis es irgendwann Zeit wird, sie ziehen zu lassen. „Wenn sie abends unruhig in der Voliere umherfliegen, dann weiß ich genau, dass es jetzt Zeit wird.“ 150 Vögel, Enten und Tauben hat die Tierschützerin bisher in diesem Jahr aufgenommen. Sogar ein extra Tierzimmer wurde im Haus eingerichtet, damit ihre Schützlinge auch gut versorgt sind. Für sämtliche Kosten kommt König selbst auf - bei der hohen Anzahl der Tiere kann man sich vorstellen, dass das nicht wenig ist.

Von Tanja Temme

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