Eine Band für die ganze Familie: Revolverheld im ausverkauften Festzelt

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Ein mit 6000 Fans ausverkauftes Festzelt, und Wahnsinns-Stimmung bis tief in die Nacht: Revolverheld sorgten für den bisherigen Höhepunkt des Hessentags.

Hat sich das Konzert gelohnt? 

Auf jeden Fall. Es ist nicht einmal übertrieben, wenn man feststellt: Revolverheld sorgten für den bisherigen Höhepunkt des Hessentags. Anders als zum Auftakt bei den Kastelruther Spatzen war das Festzelt mit 6000 Besuchern diesmal tatsächlich ausverkauft. Und die Fans erlebten einen wunderbaren Abend. Dass die Hütte voll werden würde, hätten wahrscheinlich nicht einmal Revolverheld selbst gedacht. Als die Musiker vor einiger Zeit hörten, dass sie in Hofgeismar spielen würden, waren sie erst einmal ratlos. “Hofgeismar, da habe ich doch AC/DC gesehen, da geht Madonna abends essen”, witzelte Sänger Johannes Strate zur Begrüßung. Als es dann hieß, sie würden in einem Festzelt spielen, waren sie noch skeptischer und rechneten mit 500 Leuten. Bis ihnen gesagt wurde: “Das ist das größte Festzelt, in dem ihr jemals gespielt habt.” Auch das ist nicht übertrieben.

Sind Revolverheld eine gute Live-Band?

Keine Frage. Das Quartett, das für Konzerte zum Sextett wird, beherrscht das Rock-Einmaleins - von der Spannungserzeugung beim Intro über die Interaktion mit dem Publikum bis zur Zugabe, die sie bei “Deine Nähe tut mir weh” vor dem Mischpult in der Zuschauermenge geben. Die Hamburger haben einst die Mannheimer Popakademie absolviert. Ihre Lehrer hätten der Band, die ihr allererstes Konzert vor nur 15 Freunden spielte, mit Sicherheit eine 1 gegeben.

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200.000 Besucher feierten beim Hessentag

Dabei muss die Band immer noch mit Häme leben. Wäre man böse, könnte man sagen: Wenn Pur Songs von Coldplay und Franz Ferdinand nachspielten, würden sie ungefähr so klingen wie Revolverheld. Aber in Hofgeismar klatschen und singen selbst die Männer mit, die nur wegen ihren Freundinnen gekommen sind. Es ist so, wie es Strate in der Liebeshymne “Ich lass für dich das Licht an” singt: “Ich schaue mir die Bands an, die ich nicht mag. Ich gehe mit dir in die schlimmsten Schnulzen.”

Fotos: Revolverheld beim Hessentag in Hofgeismar

Am besten verstehen sich Revolverheld auf die großen Midtempo-Balladen und Mitsing-Refrains. Den Ohohoh-Chor von “Das kann uns keiner nehmen” singen die Fans unaufgefordert noch minutenlang nach dem Ende des Songs. Aber Revolverheld können auch Clubmusik wie im Discostampfer “Darf ich bitten” mit einem Hammer-Solo von Gitarrist Niels Grötsch und Akustik-Versionen ihrer Hits, die man auch auf ihrem im November erscheinenden “MTV unplugged”-Album hören kann. Tour-Keyboarder Arne Straube holt zwischendurch das Schifferklavier raus, und dann covern sie tatsächlich den 16 Jahre alten Hit “Du trägst eine Liebe in dir” der ehemaligen Teenie-Band Echt. Echt überraschend.

Wie waren die Vor-Acts?

Ebenfalls überzeugend und passend. Der Wiener Sänger Lemo spielte auf der Gitarre sommerlichen Akustik-Pop. Und die Krefelder Band The Fog Joggers sorgte mit ihrem Gute-Laune-Folkrock für feucht-fröhliche Stimmung: Ihren Song “Waiting In The Wings” kennt fast jeder aus der Bitburger-Werbung. Darauf tranken viele ein Licher, das Bier des Hessentags. Warum The Fog Joggers aber anstelle des angekündigten Julian Le Play, dem Xavier Naidoo Österreichs, spielten, das wusste niemand.

Was war der schönste Moment?

Vielleicht der, als Strate zwölf Besucher auf die Bühne holte, damit die bei den Unplugged-Nummern für Wohnzimmeratmosphäre sorgen konnten. Natürlich wollte jeder dorthin. Der Frontmann wählte dann Fans aus, die Geburtstag hatten, Fans der Pokalfinalisten Wolfsburg oder Dortmund sind oder mehr als 500 Kilometer angereist waren.

Wie war die Organisation?

Sehr gut. Der Sound war für ein Festzelt perfekt - nicht zu laut und schon gar kein Brei aus Bass. Die Video-Leinwand über der Bühne sah von ganz hinten dann aber doch eher wie ein Handy-Display aus. Die Helfer waren freundlich und teilten vor der Bühne für die vielen Kinder auch Wasser aus. Spätestens seit Strate in der Jury der Sat.1-Castingshow “The Voice Kids” saß, sind Revolverheld die Konsensband für die ganze Familie.

Gab es sonst nichts zu meckern?

Doch. Es ging einfach viel zu spät los. Nach den beiden Vor-Acts standen Revolverheld erst um halb zehn auf der Bühne. Schluss war um halb zwölf. Gerade für Familien und Jugendliche war das zu spät. Als sie spätnachts wieder zu Hause war, twitterte etwa eine Anna: “War megaschön, darf in sechs Stunden wieder aufstehen und Bio schreiben.” Beim nächsten Mal sollte man einfach früher anfangen.

Was haben wir sonst gelernt?

Dass Hofgeismar viel besser ist als sein Ruf. Daher sagte Strate ganz am Ende auch: “Immer wenn mich jemand fragt, ob ich Hofgeismar kenne, sage ich: Ja, da ist es geil.” Außerdem wissen wir jetzt, dass aus der Band, die vor 13 Jahren in einem, so Strate, “abgeranzten Proberaum” anfing, nicht nur der einer der erfolgreichsten deutschen Acts und ein Echo-Gewinner geworden ist, sondern dass die Musiker auch viel Humor haben. Den hatten Revolverheld übrigens schon in Jan Böhmermanns “NeoMagazin” unter Beweis gestellt, wo sie ihren Hit “Ich lass für dich das Licht an” vor Kurzem so krumm und schief spielten wie in dem gefakten Video, das monatelang im Netz kursierte.

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