Bis zu zehn Anlagen möglich - Westberg bleibt unbebaut

Stadtverordnete stimmen für Windpark auf dem Heuberg

Hofgeismar. Noch ist Hofgeismar ein weißer Fleck auf der Windenergie-Karte. Doch das soll sich ändern: Die Stadt will am Heuberg einen Windpark errichten. Die Stadtverordneten beschlossen am Montag eine entsprechende Stellungnahme zum Teilregionalplan Energie Nordhessen.

Der nördlich des Stadtgebiets liegende Heuberg ist mit 392 Metern die höchste Erhebung in Hofgeismar. Das Gebiet ist im Entwurf des Regionalplans bereits als Vorrangfläche ausgewiesen. Hier könnten bis zu zehn 200 Meter hohe Windenergie-Anlagen installiert werden, so die Hofgeismarer Vorstellungen. Der benachbarte Westberg soll frei von Windrädern bleiben. Die Heuberg-Anlage soll ein Bürger-Windpark werden.

Das Parlament dringt darauf, dass es „nur eine geschlossene Windvorrangfläche“ in Hofgeismar gibt. Eine Streuung von Anlagen über das gesamte Stadtgebiet wird abgelehnt. Deshalb werden in der Hofgeismarer Stellungnahme grundsätzliche Bedenken zu anderen im Regionalplan-Entwurf ausgewiesenen Vorrangflächen geäußert. Das betrifft auch die Flächen „Auf der Lichten Heide“ bei Carlsdorf und den „Hombresser Berg“ sowie nördlich und südlich der Beberbecker Allee.

Ausdrücklich lehnt das Parlament den Bau von Windkraft-Anlagen im Umfeld der Sababurg ab. Die Flächen liegen zwar in der Gottsbürener Gemarkung, aber der Bau solcher Anlagen sei schädlich für die touristische Entwicklung des Märchenlands Reinhardswald und damit auch für Hofgeismar. Eine Verspargelung der Landschaft müsse vermieden werden. Darauf hatte die WSD-Fraktion aufmerksam gemacht. Ihrem Änderungsantrag stimmte die Mehrheit der Stadtverordneten zu – nur die SPD votierte dagegen.

Der geänderten Vorlage stimmte das Parlament dann bei zwei Enthaltungen zu. Die Frist zur Offenlegung des Regionalplan-Entwurfs lief am Montag ab.

Kommentar von Gerd Henke

Mit wachsender Entfernung vermindert sich die Leidenschaft. Das gilt auch für den Kampf gegen die Windenergie. Wem ein 200 Meter hohes Windrad in Sichtweite vor das eigene Haus gestellt werden soll, der wird sich mit Kräften dagegen wehren. Das ist in Mariendorf und Gottsbüren und auch in anderen Reinhardswald-Orten so. Dort sind die Menschen von der befürchteten Industrialiserung ihrer Umgebung auch emotional tief berührt.

Gerd Henke

In Hofgeismar war das bislang nicht der Fall. Die Windkraft war kaum Thema der öffentlichen Diskussion. Doch das kann sich ändern. Sobald den Menschen hier klar wird, dass in ihrem naturnahen Naherholungsgebiet die stählernen Spargel in den Himmel wachsen sollen, könnte sich auch hier der Unmut breit machen.

Denn für zehn solcher Riesenräder muss viel Natur geopfert werden. Gigantische Betonfundamente, 30 Meter breite Schneisen für die Erschließung, ein Netz von Stromleitungen und hektarweise gefällter Wald sind der Tribut, den der Heuberg dann wird zahlen müssen. geh@hna.de

Rubriklistenbild: © dpa

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