Auf Jagd nach der Finsternis

Hofgeismarer Astronom gelingen einmalige Aufnahmen

+
Noch nie zuvor fotografiert: Die schmale, nur wenige Kilometer breite Spitze des Mondschatten rast über die Wolken, rundum herrscht normale Helligkeit. Die Sonne ist total verfinstert, erscheint aber wegen des enormen Helligkeitsunterschieds auf diesem Bild dennoch überstrahlt.

Hofgeismar. So richtig fassen kann er es immer noch nicht. Dem 45-jährigen Freizeitastronomen Dirk Ewers aus Hombressen, der es schon mit einmaligen Fotos der Raumstation ISS auf die Homepage der Nasa und in die TV-Nachrichten schaffte, ist wieder eine Premiere gelungen.

Gemeinsam mit elf weiteren Astronomiefans aus Deutschland, Kanada, Frankreich, Irland und den USA charterte er jetzt auf den Bermuda-Inseln einen Privatjet, um durch den Kernschatten der totalen Sonnenfinsternis vom 3. November zu fliegen.

Ein Experiment, das so noch niemand wagte. Denn das 800 Stundenkilometer schnelle Flugzeug musste den nur schmalen, mit 13.500 km/h vorbeirasenden Schatten in einem Zeitfenster von 15 Sekunden exakt treffen, sonst war alles vergebens.

Dahinter steckte die Idee, die wegen ihrer extrem kurzen Sichtbarkeit bislang erst von wenigen Menschen beobachtete Farbhülle (Chromosphäre) der Sonne zu sehen und zu fotografieren (siehe Hintergrund). Das Experiment benötigte monatelange Planung und Vorbereitungsarbeit. Am Ende fand Dirk Ewers Gleichgesinnte und nach mehreren Absagen aus den USA eine Flugfirma auf den Bermudas, die sich auf das Experiment einließ.

„Zum Glück hatte Pilot Martin Amick schon drei Sonnenfinsternisse gesehen und vertrat unser Anliegen“, sagt Ewers. Immerhin mussten in dem Privatjet Sitze ausgebaut werden, ein Techniker flog mit und es gab wochenlange Abstimmungen und Detailfragen. Der Franzose Xavier Jubier brachte ein eigenes GPS-Gerät, das zwölf Satelliten verfolgte, mit und korrigierte die Navigation der Bordgeräte.

Der Flug (der übrigens mit 800 bis 2500 Euro pro Fensterplatz noch bezahlbar blieb) war dann für alle ein unglaubliches Erlebnis und die gerade mal sieben Sekunden der Verfinsterung erlebten einige wie in Trance. Auch Dirk Ewers brauchte einige Zeit, um zu realisieren, was ihm da dank seiner Hartnäckigkeit gelungen war. Die Chance, den Schatten zu treffen, war wie der Versuche, eine Gewehrkugel mit einer anderen zu treffen, wie es ein Nasa-Mitarbeiter beschreibt, der sie mit Tipps unterstützte.

Ob man nach totalen Sonnenfinsternissen süchtig werden kann, vermag Dirk Ewers nicht zu sagen. Er hat schon ein Dutzend dieser kaum beschreiblichen Himmelereignisse erlebt, in denen man sich als Teil des Universums zu fühlen beginnt. Und er plant schon eine Reise zur Sonnenfinsternis am 21. August 2017 in den USA. Vielleicht nimmt er wieder Fans mit, dann aber zu einer Beobachtung vom Boden aus.

Mehr: www.astroewers.de 

Von Thomas Thiele

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.