Sanierungsplan fehlt

Historischem Herrenhaus in Fürstenwald droht der Verfall

Blick vom Fürstenwalder Friedhof aus: Aus der Ferne wirkt das Herrenhaus an der Fachklinik noch immer beeindruckend. Die vor allem wetterbedingten Schäden werden erst aus der Nähe deutlich.

Fürstenwald. Dem kurz vor dem ersten Weltkrieg gebauten Herrenhaus in der Nachbarschaft der Fürstenwalder Fachklinik droht der Verfall. Ein Plan, wie das denkmalgeschützte Gebäude noch zu retten wäre, fehlt. 

Wenn man vom Friedhof am Fuße des Hügels hinauf in Richtung Fachklinik Fürstenwald blickt, ist die Welt noch in Ordnung. Der Blick landet nämlich nicht auf den klobigen, modernen Funktionsgebäuden der Suchtklinik, er bleibt hängen an einem ungewöhnlich breiten, ganz offensichtlich alten Gebäude. Das wirkt, als habe jemand nachträglich zwei kleine Häuser durch einen niedrigen Trakt verbunden. Das denkmalgeschützte Herrenhaus wirkt wie ein echter Prachtbau – von hier aus.

Sorgen sich um die Zukunft des historischen Herrenhauses: Udo Schlitzberger (von links), Sven Tewes und Wilfried Gründel. Fotos: Deppe

Wie es wirklich um das kurz vor dem ersten Weltkrieg von Rittmeister Julius König errichtete Gebäude bestellt ist, fällt erst aus der Nähe so richtig auf. Die blassgrünen Holzschindeln Richtung Fürstenwald sind brüchig. Wind und Regen haben hier ganze Arbeit geleistet. Rund um das Gebäude liegen zerborstene Dachschindeln als Überbleibsel des Orkans Friederike. Weggeräumt hat sie noch keiner. „Wenn hier nichts passiert, holt sich die Natur das Haus Stück für Stück zurück“, sagt Wilfried Gründel, kaufmännischer Vorstand der Klinik, mit wehmütigem Blick auf das Herrenhaus. Mitte der 80er-Jahre sei das historische Gebäude letztmals saniert worden – für eine halbe Million Euro. Mit Blick auf Löcher im Dach und faulende Wandziegel ist das heute allerdings kaum vorstellbar.

Damit wird aber auch die Misere deutlich: Wer das Gebäude retten will, muss viel Geld in die Hand nehmen – und eine gute Idee haben. Denn ohne den richtigen Plan geht hier nichts. „Was hier neu entstehen kann, muss schon mit der Klinik einhergehen“, sagt Sven Tewes. Der Oberarzt ist eines von fast 20 Mitgliedern des Fördervereins der Fachklinik. „Laut gefeiert werden kann hier nicht, während wir nebenan Suchtkranke behandeln“, sagt er und nennt einige Ideen, wie das historische Gebäude genutzt werden könnte. Demnach sei es denkbar, dass externe Therapeuten die Räumlichkeiten für ihre Arbeit nutzen, Fortbildungen und Seminare anbieten.

Sichtbare Schäden: Orkan Friederike deckte Teile des Daches ab.

Fakt ist, dass eine Sanierung und Rettung des Herrenhauses nur mit einer anschließenden Nutzung funktionieren kann. Die Philippstiftung, der das Areal und die Gebäude rund um die Fachklinik gehören, wird das Projekt nicht stemmen können. „Die Klinik erwirtschaftet nicht genug, um hier zu investieren“, sagt Ex-Landrat Udo Schlitzberger, der in Fürstenwald lebt und ebenfalls Mitglied im Förderverein ist. Eine kurzfristige Lösung ist nicht in Sicht.

Kontakt zum Förderverein: Sven Tewes, 0 56 09/62 91 16, Email: tewes@fachklinik-fuerstenwald.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.