Hoffen auf den Super-Weg

Direkt an der neuen Strecke des Weserberglandwanderweges: Das wildromantische Lumbachtal bei Gieselwerder, in dem Wanderer sich den Weg dicht am Wasser entlang bahnen. Gegenüber dem bisherigen Fernwanderweg soll der neue Qualitätswanderweg viele Ausblicke in die Landschaft und erlebnisreiche Passagen bieten. Von der 60 Kilometer langen Hauptstrecke des letzten Abschnitts zwischen Bad Karlshafen und Hann. Münden (Grafik) zweigen vier Rundwege zu besonders sehenswerten Zielen ab. Foto: Thiele

Kreisteil Hofgeismar. 180 000 Euro für einen Wanderweg sind wahrlich kein Pappenstiel, wie man an der Weser sagt. Doch die sechs hessischen Gemeinden zwischen Bad Karlshafen und Reinhardshagen nehmen diese Ausgabe auf sich, weil sie kaum eine andere Möglichkeit haben - denn nächstes Jahr soll bundesweit mit dem neuen Qualitätswanderweg Weserbergland geworben werden.

Der angestrebte Wanderweg, der nach den Kriterien des Deutschen Wanderverbandes (Kassel) das Siegel Qualitätswanderweg erhalten soll, führt über 200 Kilometer von der Grenze zum Norddeutschen Tiefland bei Porta Westfalica bis zum Weserursprung bei Hann. Münden. Der Streckenverlauf dieser niedersächsischen Idee ist in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen schon fertig geplant. Jetzt fehlt nur noch der 60-Kilometer-Abschnitt auf hessischem Gebiet, damit der Weg noch in diesem Jahr zertifiziert werden kann. Denn das muss gelingen, weil die Werbung für die Tourismussaison des kommenden Jahres in den nächsten Wochen vorbereitet werden muss.

Altes neu gemischt

In Hessen haben sich Bad Karlshafen, Trendelburg, Hofgeismar, Oberweser, Wahlsburg und Reinhardshagen zusammengetan. Durch ihre Gemarkungen führt der neue Weg. Dabei handelt es sich nicht wirklich um einen neuen Weg, wie Bürgermeister Rüdiger Henne (Oberweser) erklärt, der für die Kommunen als Koordinator im Planungsverfahren und bei den Gesprächen mit Behörden wirkt. Der Weg greift fast überall auf vorhandene Wege zurück, fügt sie aber unter besonderen Kriterien zu einem neuen Wandererlebnis zusammen. Denn die Wanderer sollen eine möglichst abwechslungs- und erlebnisreiche Strecke zurücklegen mit vielen Aussichten in das Wesertal und die umliegende Landschaft, anders, als es vom teilweise eher eintönigem Fernwanderweg X3 bekannt ist, der mitten durch den Reinhardswald führt.

Der neue Qualitätswanderweg führt deshalb zum Beispiel durch das romantische, teils an eine Klamm erinnernde Lumbachtal bei Gieselwerder und folgt zickzackförmig dem Waldrand bei Reinhardshagen mit vielfältigen Ausblicken ins Wesertal. Nebenrouten für Tagesausflüge erschließen das Holzape- und Diemeltal, die Klosterkirche Lippoldsberg und das Donnebachtal wo auch ein Abstecher nach Beberbeck diskutiert wird.

Für die 180 000 Euro sollen der von einem Planungsbüro in Höxter erarbeitete Hauptweg markiert, bei Bedarf Bänke und Schutzhütten errichtet und Verbesserungen an einzelnen Wegen vorgenommen werden. Da zum Glück 50 Prozent voraussichtlich aus dem EU-Leader-Programm gefördert werden - und darauf warten jetzt alle - müssen sich die sechs Gemeinden nur noch 90 000 Euro teilen, freut sich Rüdiger Henne.

Bessere Marktchancen

Wenn die Prüfer des Verbandes das Siegel genehmigen, bekommen die Anlieger des Weserberglandweges damit immerhin nicht nur den „Anschub eines Qualitätsprozesses für besseren Tourismus“, sondern auch eine große Vermarktungschance, werben die Planer vom Umwelt-Institut Höxter. Denn für den Wandertouristen biete die Zertifizierung von Qualitätswegen „eine nützliche Orientierungshilfe bei der Reiseent-scheidung“, heißt das Fazit.      Rüdiger Henne hofft auf einen anhaltenden Wanderboom und darauf, dass viele Touristen die statistischen 20 Euro pro Tag an der Oberweser lassen. Immerhin stelle das neue Siegel die höchste Stufe der Premium-Wanderwege dar. Henne: „Ob wir deshalb gleich mit dem Rennsteig gleichziehen, ist fraglich. Aber wir arbeiten dran“.

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