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22 ukrainische Flüchtlinge im Forsthaus Bensdorf

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Von: Peter Kilian

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Ein Deutschkurs für Geflüchtete aus der Ukraine im Forsthaus Bensdorf im Reinhardswald.
Die VHS bietet für Geflüchtete aus der Ukraine an. So auch im Forsthaus Bensdorf. Links stehend Projektleiterin Stephanie Reuter, rechts Dozentin Friederike Herick. © Peter Kilian

22 Flüchtlingen aus der Ukraine stellt der Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte Nordhessen (VKM) eine Unterkunft im Reinhardswald zur Verfügung.

Hofgeismar – Maryna gelingt es einfach nicht zu lachen. Selbst ein Schmunzeln fällt ihr schwer. Mit traurigem Blick sitzt die 15-Jährige auf einem Stuhl in der Küche der Ferienwohnung. Die bewohnt sie mit drei Schwestern und ihren Eltern auf dem Gelände des ehemaligen Forsthauses Bensdorf.

Henryk Spiewak, einer von zwei Hausmeistern, die nahezu rund um die Uhr für die insgesamt elf Kinder und elf Erwachsenen als Ansprechpartner da sind, weiß nur zu gut, in welcher psychischen Verfassung die Kriegsflüchtlinge sind. „Alle sind so dankbar und fühlen sich bei uns auch wohl, doch die furchtbaren Erlebnisse haben sie traumatisiert.“ Vor allem die Kinder, zwischen anderthalb und 15 Jahren, kämpfen mit den Erinnerungen. Wenn Flugzeuge zu hören sind oder irgendwo eine Sirene geht, fangen viele an zu weinen und müssen von ihren Müttern in den Arm genommen und getröstet werden, hat Spiewaks Kollege, Zbigniew Golabski, viele Male beobachtet. Telefonate mit zurückgebliebenen Familienangehörigen lösten ebenfalls Tränen aus.

Umso wichtiger ist es dem VKM, den Flüchtlingen ansprechende Unterkünfte, einen strukturierten Tagesablauf und auch Abwechslung im Alltag zu bieten. Das scheint zu gelingen. Denn trotz der Flucht aus der Heimat ist die meiste Zeit gute Stimmung im Haus und auf dem weitläufigen Gelände rund um das Forsthaus, sagt Spiewak. „Wir sind in den vergangenen Wochen zu einer großen Familie zusammengewachsen“, freut er sich. So habe man bereits Geburtstage gemeinsam gefeiert. Für die zehn Frauen und den einzigen Mann ist es mittlerweile fast zur Selbstverständlichkeit geworden, ihren beiden Hausmeistern zur Hand zu gehen. Gemüse wurde angepflanzt und bei kleineren Reparaturen am Haus sei immer eine helfende Hand zur Stelle, pflichtet Golabski bei.

Zbigniew Golabski, Hausmeister im Forsthaus Bensdorf.
Zbigniew Golabski arbeitet als Hausmeister im Forsthaus Bensdorf. © Peter Kilian

Zum Alltag gehört für die Erwachsenen beispielsweise der Sprachkursus „MitSprache - Deutsch 4U“, organisiert von der VHS Region Kassel. Projektkoordinatorin Stephanie Reuter betreut in Stadt und Landkreis Kassel inzwischen 16 Kurse dieser Art. Im Forsthaus Bensdorf läuft das Angebot von montags bis donnerstags jeweils fünf Unterrichtsstunden lang. Unterrichtet werden die Frauen von Friederike Herick. Den schulpflichtigen Kindern wird die deutsche Sprache in Intensivklassen vermittelt. Wobei die ukrainischen Mädchen und Jungen aus dem Forsthaus in die Grundschule Hombressen gehen, wo sie ein Bus hinbringt.

Zu den 22 Flüchtlingen, die derzeit im Bensdorf untergebracht sind, gehören auch zwei Kinder, die körperlich beeinträchtigt sind. Marynas Schwester Alexandra (17) beispielsweise sitzt im Rollstuhl. Diese Möglichkeit, so sagt der Vorsitzende des VKM, Wolfgang Werner, sei bei dem Angebot an den Landkreis, Ukrainer aufzunehmen, auch besonders herausgestrichen worden. Mit den mittlerweile 22 Flüchtlingen, die nach und nach ankamen, ist die Unterkunft laut Werner allerdings voll belegt. (Peter Kilian)

Trotz der Angst haben viele Heimweh

Eines von vielen Schicksalen: Svitlana Chernikova hat gemeinsam mit ihrer Mutter und der neunjährigen Tochter die Flucht aus der Ukraine angetreten. Ihr Mann und der 25-jährige Sohn blieben zurück. Als die Bomben in ihrem Wohnort immer deutlicher zu hören waren, und die Sirenen alle vier Stunden gingen, drängte ihr Mann sie zur Flucht. Aus Telefonaten weiß sie, dass die Sirenen inzwischen fast ständig gehen, die Raketenangriffe intensiv sind. Dennoch will Svitlana Chernikova, wenn es möglich ist, zurück in die Ukraine. (Peter Kilian)

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