Mehr als 500 Halter sind betroffen

750.000 Vögel müssen im Kreis Kassel in den Stall

Ein Hahn läuft mit zwei Hühnern über eine Wiese.
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Sie müssen ab Freitag unter Dach: Die Stallpflicht gilt nicht nur für Hühner. Auch Trut-, Perl- und Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse sowie andere in Gefangenschaft gehaltene Arten sind davon betroffen.

Die Geflügelpest rückt näher. Zum Schutz der heimischen Geflügelbestände hat der Landkreis für Teile des Kreisgebiets die Unterbringung in geschlossenen Ställen angeordnet.

Kreis Kassel - Hühner sowie Trut-, Perl- und Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse und andere in Gefangenschaft gehaltene Arten sind davon betroffen. Diese Stallpflicht gilt ab Freitag. Dazu Fragen und Antworten.

Warum ist das Virus so gefährlich?
„Das Virus ist in der Wildvogelpopulation weit verbreitet und hoch ansteckend. Hinzu kommt, dass durch den Vogelzug zurück in die Brutgebiete eine erhöhte Gefahr der Verschleppung des Geflügelpestvirus besteht“, erklärt Dr. Sabine Kneißl. Sie leitet den Fachbereich Verbraucherschutz und Veterinärwesen beim Landkreis Kassel.
Sind denn schon Betriebe von der Geflügelpest betroffen?
Bundesweit sind knapp 100 Geflügelhaltungen betroffen, im Landkreis Kassel gibt es noch keinen betroffenen Betrieb. Inzwischen gibt es Ausbrüche auch in Hessen sowie in nahe gelegenen Gebieten Nordrhein-Westfalens. „Deshalb sind wir zu dem Schluss gekommen, in Risikogebieten des Landkreises eine Aufstallungspflicht für Geflügel anzuordnen“, sagt Kneißl. Das solle „Tierleid und Tötungen vermeiden.“
Wie viele Halter gibt es? Und wie viele Vögel müssen in die Ställe?
Beim Kreis gemeldet sind 572 Geflügelhaltungen mit insgesamt 753.687 Tieren. Das sind gewerbliche Halter wie auch Hobbyzüchter. Alle müssen sicherstellen, dass ihre Tiere keinen Kontakt zu Wildvögeln haben können. Ausgenommen sind nur Tauben.
Wo sind die Risikogebiete im Landkreis Kassel?
Als Risikogebiete gelten gewässernahe Bereiche an der Fulda in Baunatal-Rengershausen, Fuldabrück-Dennhausen, Dittershausen und Bergshausen sowie Niestetal-Sandershausen. Dort rasten und brüten verstärkt Wildvögel. Damit ist die Gefahr eines Kontaktes besonders groß. An der Weser schätzen die Veterinäre die Gefahr deutlich geringer ein.
Gibt es noch weitere Risikogebiete?
Ja. Als Risikogebiete werden auch Gebiete mit besonderer Geflügeldichte eingestuft. Darunter fallen Bad Karlshafen, Baunatal, Calden, Grebenstein, Hofgeismar, Liebenau, Lohfelden, Naumburg, Schauenburg, Wolfhagen, Zierenberg – große Teile des Kreises. Dort gibt es eine Geflügeldichte von mehr als 300 Tieren pro Quadratkilometer. Außerdem gilt die Aufstallungspflicht für Großbetriebe mit mehr als 1000 Tieren und deren nähere Umgebung. Das betrifft Langenthal, Holzhausen und Mönchehof. Eine Karte der Risikogebiete gibt es auf der Internetseite des Kreises. Dort steht auch die Allgemeinverfügung zur Stallpflicht.
Was ist mit dieser Pflicht verbunden?
Die Aufstallungspflicht wird ergänzt durch Biosicherheitsvorschriften. Die sollen den versehentlichen Eintrag der Geflügelpest in die Bestände verhindern. Diese Vorschriften schränken vor allem den Zutritt zu Geflügelhaltungen ein und regeln einen Kleidung- und Schuhwechsel am Eingang. Der soll verhindern, dass Menschen das „aviäre Influenzavirus“ in die Geflügelhaltungen einschleppen. Ferner müssen Möglichkeiten zur Reinigung und Desinfektion der Hände und Schuhe am Stalleingang bereitgehalten werden.
Was müssen Geflügelhalter noch beachten?
Ihre Tiere dürfen nicht mit Oberflächenwasser versorgt werden, zu dem auch Wildvögel Zugang haben. Futter und Einstreu sind so zu lagern, dass es nicht für Wildvögel zugängig ist. Fachbereichsleiterin Kneißl erinnert auch an die gesetzlichen Meldepflichten für Geflügelhalter: Sie müssen ihre Tiere beim Fachbereich Veterinärwesen, bei der Tierseuchenkasse und dem HVL (Hessischer Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfungen in der Tierzucht) melden.

Fragen zur Geflügelpest beantworten die Veterinäre des Landkreises unter der Telefonnummer 05 61-10 03 33 06. Der Landkreis stellt außerdem Merkblätter zum Umgang mit der Geflügelpest auf seiner Internetseite zum Download bereit. (Bernd Schünemann)

Veterinäramt: Tote Wildvögel melden

Wer verendete wild lebende Wasservögel, Greifvögel oder Aas fressende Vögel findet, sollte dies dem Fachbereich Veterinärwesen beim Landkreis melden (Tel. 0561/10033306). Der Fachbereich leitet Untersuchungen zum Ausschluss der Geflügelpest ein. Verendete oder kranke Vögel müssen mit Handschuhen angefasst oder geborgen werden.

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