Ab 18 Uhr stehen die Taxen in Hofgeismar still

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Um 18 Uhr ist Schluss: Seit Anfang des Jahres nimmt Unternehmer Matthias Tschernich abends und nachts keine Aufträge mehr an, um dadurch die gestiegenen Lohnkosten einzusparen. 

Wer nach 18 Uhr in Hofgeismar ein Taxi buchen möchte, hat schlechte Karten. Matthias Tschernich bietet dann seit Anfang des Jahres keine Fahrten mehr an. Warum und wie lange das noch andauern könnte.

„Im September habe ich bei der Stadt eine Tariferhöhung beantragt“, berichtet der 34-Jährige. Bedeutet: Anstatt mit den bisherigen 1,70 Euro pro Kilometer will er seine Kunden künftig für 1,90 Euro fahren - ein Anstieg um 20 Cent, den ihm die Stadt bisher nicht gewährte. „In Ahnatal, Korbach oder Witzenhausen bekommen Kollegen das teilweise schon seit drei Jahren - und auch Kassel liegt mit 1,80 Euro pro Kilometer über der hiesigen Pauschale“, erklärt der Taxiunternehmer Matthias Tschernich.

Mehr Personalkosten

Warum er mehr Geld für die Dienstleistung benötigt, erklärt er so: „Der Mindestlohn ist von 8,84 Euro auf 9,20 Euro angestiegen, was für mich bedeutet, dass ich 2500 Euro mehr für meine Fahrer aufbringen muss.“ Das sind in seinem Fall rund zwei Dutzend von denen viele Geringbeschäftigte sind. Um die erhöhten Personalkosten einzusparen, fährt er nun abends nicht mehr. Das sei eine Zeit, wo man sowieso kein Geld verdienen könne, er dann meist nur drauf lege.

Bisher fuhr Taxi-Tschernich in der Woche bis 23 Uhr und am Wochenende rund um die Uhr. „Und natürlich fahren wir unsere Kunden auch unter der Woche weiterhin nachts zum Flughafen Calden, wenn sie das anmelden, das ist gar kein Problem.“ Nur eben jetzt nicht, so lange, bis die Stadt Hofgeismar eine Entscheidung getroffen hat.

Natürlich lief das Telefon bei ihm in den letzten Tagen heiß und auch in Hofgeismars Gasthäusern ist die Stimmung diesbezüglich nicht gerade positiv. „Wenn wir ein Bier getrunken haben, lassen wir uns immer mit dem Taxi nach Hause fahren - nun müssen wir kilometerweit laufen“, wettert da eine Gruppe von Männern in abendlicher Runde. Es könne nicht sein, dass die Bürger unter einer solchen Auseinandersetzung zwischen Taxibetreiber und Stadtverwaltung leiden müssten, hieß es da weiter.

Wie es dazu kam

Warum es soweit überhaupt kommen konnte, ist nach Tschernichs Ansicht auch schnell erklärt. Die Stadt forderte den Unternehmer auf, ihm Einblicke über seine Kranken-, Kurier- und normalen Taxifahrten zu gewähren, auch Zahlen seiner Werbeeinnahmen sollten vorgelegt werden. „Ich vermute fast mal, dass das nicht mal rechtlich in Ordnung ist - zumindest mache ich da nicht mit.“ Noch bis Ende der Woche hatte er laut Schreiben Zeit, die Belege einzureichen, sollte es dann nicht erfolgt sein, wird der Magistrat so oder so eine Entscheidung treffen. „Vielleicht bekomme ich wenigstens zehn Cent mehr, wir werden sehen.“

Spätestens Anfang Februar rechnet der Selbstständige mit einer Antwort seitens der Stadt. „Was ich genau mache, steht noch nicht fest, aber wenn es hart auf hart kommt, werde ich meine ganzen zwölf Lizenzen zurückgeben müssen und auf Mietwagen umstellen.“ Dann nämlich könne er sein Beförderungsgeld selbst festlegen. Und was meint er, wie die Bürger auf die Erhöhung reagieren werden? „Ob jemand nun 5,20 Euro oder 5,60 Euro zahlt ist doch den meisten egal, denn fast alle runden sowieso auf.“ Taxifahren sei nun mal ein Luxus, alternativ gebe es ja auch noch Busse und Bahn. 

Das sagt die Stadt Hofgeismar

Details möchte Daniela Pfeiffer, Leiterin des Ordnungsamts Hofgeismar, zum Verfahren nicht preisgeben. Sie gibt an, dass es bei den geforderten Daten nicht darum gehe, den Prozess zu blockieren, sie aber eine Verpflichtung gegenüber den Bürgern hätten. Soll heißen, dass sie sich vorher ein genaues Bild machen müssen, bevor sie das Beförderungsgeld erhöhen. „Herr Tschernich hat sich erst kooperativ gezeigt, dann aber signalisiert, dass er die geforderten Unterlagen doch nicht einreichen wird“, erklärte Pfeiffer und erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass sie auch in der Vergangenheit stets eine Einigung gefunden hätten. Da hatte er die Unterlagen ohne Probleme bereitgestellt, anders als diesmal.

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