Frischekur für Marktplatz

Abbau des Hofgeismarer Brunnens: 118 Jahre alte Botschaft entdeckt

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Kompliziert: Weil keine Unterlagen über die Konstruktion, den Bau und die Wasseranschlüsse existieren, erfolgte der Abbau des Denkmals sehr vorsichtig. Das Wasserbecken wird aus Hygienegründen durch Fontänen ersetzt.

Das Herausstemmen der Betonfundamente und das Abtragen des alten Brunnenbeckens werden die letzten schweren Arbeiten sein am Hofgeismarer Marktplatz sein.

Dann geht es an den Wiederaufbau mit neuer Pflasterung (wie berichtet) und neuer barrierefreier Gestaltung. Auch das Denkmal von 1902 mit angeschlossenem Brunnen wird wieder aufgebaut.

Zum Hessentag 1978 war es teilweise saniert und mit neuen Wasserleitungen versehen worden, soweit sich Menschen durch eine kleine Öffnung hinter der Inschriftplatte hineinzwängen konnten. Doch Unterlagen über Bau und Reparaturen gibt es nicht mehr, so dass die Überraschung groß war, als nach Abheben der obersten Steinblöcke eine versiegelte Flasche mit einer Urkunde zutage kam. Und eine Visitenkarte des Schriftführers des Kriegervereins Hofgeismar, Adolf Cuntze, der vermerkt, dass er „am Nachmittag des 16. Oktober 1902 die Urkunde nebst einer Nummer der Hofgeismarer Zeitung in die Versenkung“ gelegt habe. Denn auf der „von G. Arnold, Elm.“ aufwändig in Frakturschrift gezeichneten, fast einen Meter langen Pergamentrolle ist das genaue Datum nicht eingetragen. „Geschehen zu Hofgeismar, am ... August 1902“.

Zerlegt: Der Brunnen besteht aus 13 behauenen Sandsteinelementen.

Für Museumsleiter Helmut Burmeister ist es ein wichtiges Dokument, weil es bisher keine Übersicht über die Honoratioren jener Jahre in Hofgeismar gab. Unterzeichnet haben 19 Personen, neben Garnisonskommandeur, Baurat, Landrat und Bürgermeister auch Namen wie: Fabrikbesitzer u. Hoflieferant L. Keseberg, Forstmeister Grebe, Amtsrichter Strothmann, Oberlehrer Pfaff, Apotheker Th. Sander, Rentier C.D. Flotho, Mauermeister Carl Heistermann, Kaufmann G. Berninger, Schlossermeister W. Flotho sowie der Kriegervereins-Vorsitzende F. Bogler und Schatzmeister R. Arnold.

Das Denkmal soll nach der Festigung des Untergrunds an derselben Stelle originalgetreu wieder aufgebaut werden, offenbar wieder mit der Metalltafel mit den Namen von vier toten Hofgeismarer Soldaten des Krieges 1870/71, aber mit einer neugestalteten Wasserführung. Die Löwenköpfe werden wieder sprudeln, aber das Wasser von den Tischen teilweise nach Innen abgeleitet. Aus dem Pflaster in Rosenblütenstruktur sollen künftig kühlende Fontänen emporsprühen.

Geöffnet: Im Beisein von Bürgermeister Markus Mannsbarth und Vize-Bauamtsleiter Reinhard Rudolph entrollte Helmut Burmeister die 118 Jahre alte Schriftrolle.

Text der Flaschenpost im Wortlaut

„Im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen! In dankbarer Erinnerung an die durch die großen Thaten der deutschen Truppen in den Jahren 1870-71 unter Gottesgnädigen Beistand herbeigeführte Einigung Deutschlands und die Wiederherstellung der deutschen Kaiserherrlichkeit, sowie zum ehrenden Gedächtniß der Söhne unserer Stadt, die in jener Zeit für das Vaterland ihr Leben gelassen haben, ist dies Denkmal den späteren Geschlechtern zur Mahnung und Nacheiferung vom Kriegerverein zu Hofgeismar unter thatkräftiger Mitwirkung treuer Freunde aus Garnison und Bürgerschaft im Jahre des Heils 1902 errichtet worden.

Es geschah dies zu der Zeit, da Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. über Deutschland und Preußen regierte, da Graf von Bülow Reichskanzler, der Graf von Zedlitz-Trütschler Oberpräsident der Provinz Hessen Nassau, Herr Trott von Solz Präsident der Regierung zu Cassel, Herr Rieß von Scheuernschloß Landrat des Kreises Hofgeismar, Herr Georg Wissemann Superintendent der Diözese Hofgeismar-Wolfhagen und Herr Günther Bürgermeister der Stadt Hofgeismar war. Entworfen ist dies Denkmal durch den Architekten Heinz Arnolt, Cassel. Die Ausführung geschah durch denselben und die Baufirma Gebr. Heistermann, dahier. Dem Allen zur Urkunde ist dies Pergament von den Mitgliedern des Ausschusses zur Errichtung eines Kriegerdenkmals in der Stadt Hofgeismar gefertigt und wird in desselben Grund hier mit eingefuegt.“

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