Abwasserpilz in der Lempe: Angler-Verein schlägt Alarm

Eine große Gefahr durch den Abwasserpilz sieht Werner Veitz, Vorsitzender des Angler-Vereins Hofgeismar, für die Fische in der Lempe. Auf unserem Foto zeigt er einen Teil des Pilzes. Fotos: Ziemann

Hofgeismar. Im wenige Zentimeter tiefen Wasser ist der Grund des kleinen Flusses Lempe in Hofgeismar gut zu erkennen. Doch an einer Stelle ändert sich das Bild:

Unter der Wasseroberfläche sind weiße Flocken zu sehen, die sich auch in Schlieren über eine lange Strecke ziehen.

„Das ist ein gefährlicher Abwasserpilz“, sagt Werner Veitz, Vorsitzender des Angler-Vereins Hofgeismar und holt mit einem Ast einen schleimigen Bestandteil des Pilzes aus der Lempe. „Und dieses Zeug ist hier überall im Wasser“, so Veitz. Die Lempe sei normalerweise optimales Laichgebiet für Edelfische. Der Schleim des Pilzes verklebe aber nun die Kiemen der Fische. „Die Tiere können ersticken.“

Woher der Pilz kommt, ist auf den ersten Blick erkennbar: Drei orangefarbene Rohre mit jeweils etwa 15 Zentimetern Durchmesser ragen in die Lempe hinein, genau ab dieser Stelle beginnen die weißen Schlieren und Flocken im Wasser. Die Rohre kommen vom Grundstück des Landwirtes Möcklinghoff, der eine Biogasanlage betreibt. Veitz ist sich sicher, dass „hochkonzentrierte Nährstoffe, die zur Biogasgewinnung gebraucht werden, aus den Rohren fließen und den Pilz verursachen. Das gefährdet die Jungfischaufzucht massiv.“

Diese war laut Angler-Verein gerade auf einem guten Weg. „Die Bachforelle zum Beispiel vermehrt sich wieder von selbst, es müssen keine zusätzlichen Fische in die Lempe gesetzt werden.“ Doch nun verhindere der Pilz, dass ältere Fische Laich absetzen. „Deshalb wird es im Frühjahr weniger Jungfische geben.“

Weißer Pilz: Ab dem Punkt der Rohre kann man den Abwasserpilz gut erkennen. An anderen Stellen ist das Wasser dagegen klar.

Das Regierungspräsidium (RP) als obere Wasserbehörde weiß von dem Pilz in der Lempe. „Dem Landwirt war die Veränderung im Wasser schon Mitte Dezember aufgefallen“, erklärt Sprecher Michael Conrad. Die Ursache war dann auch schnell gefunden: „Die Rohre dienen eigentlich zur Niederschlagsentwässerung. Doch zum Niederschlagswasser ist Wasser hinzugelaufen, das sich mit Mist vom Hof vermischt hatte. Der Landwirt hatte deshalb sofort einen Ablauf abgedichtet.“ Dieser musste nun aber dauerhaft verschlossen, die verunreinigte Leitung gespült und die Fläche, auf der der Mist gelagert wurde, geräumt werden.

Laut Familie Möcklinghoff ist das auch bereits passiert: „Die vom Regierungspräsidium auferlegten Aufgaben zur Beseitigung der Wasserverunreinigung haben wir alle bereits umgesetzt“, sagt Heidrun Möcklinghoff. „Es wird aber noch etwas dauern, bis der Pilz verschwunden ist.“

Vor drei Jahren hatte sich schonmal ein Pilz in der Lempe gebildet. Damals ging die Ursache offenbar direkt von der Biogasanlage des Landwirtes aus.

Das sagt Ralf Desel: 

„Die Verunreinigung der Lempe war ein Unfall“, sagt Ralf Desel vom Regionalbauernverband Kurhessen in Hofgeismar. „Wichtig ist, dass sofort gehandelt und die Ursache der Verunreinigung in Absprache mit dem Regierungspräsidium abgestellt wurde.“ Der Schaden im Fluss sei um diese Jahreszeit nicht so gravierend und eher unkritisch für die Fische. „Natürlich ist eine Verunreinigung von Wasser weder im Sommer noch im Winter akzeptabel. „Klar ist aber auch, dass der Schaden von dem Landwirt nicht beabsichtigt war.“

Das sagt Reiner Hennings: 

„Der Abwasserpilz selbst ist nicht giftig. Er zeigt aber, dass das Gewässer massiv geschädigt ist“, sagt Rainer Hennings, Referent für Naturschutz beim Verband Hessischer Fischer. „Das vom Pilz überwucherte Gebiet kann man als Laichplatz und Ökosystem komplett abschreiben.“ Das Einlaufen von Abwasser in die Lempe müsse sofort abgestellt und die Ursache behoben werden. „Sowas ist ein Skandal.“ Im konkreten Fall müsse der Misthaufen durch eine eigene Entwässerung in die Güllegrube ordentlich abgesichert werden.

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